Der Tannenzapfenhurgler ist wieder da

Die Murreder Henderwäldler starten mit einer fulminanten Jubiläumsfeier in die fünfte Jahreszeit

Kaum ist die Weihnachtszeit um, „goht’s dagega“ in die heuer ultrakurze fünfte Jahreszeit. Zum Start feierte die 130 Mitglieder zählende Narrenzunft Murreder Henderwäldler (NZMH) ihr 33-jähriges Bestehen mit einer vergnüglichen Jubiläumsfeier und der umjubelten Wiedereinführung des Tannenzapfenhurglers.

Ein buntes Programm boten die Henderwäldler ihren über 250 Besuchern beim Abend zum 33-jährigen Bestehen.Fotos: J. Fiedler

MURRHARDT (eke). Die Fasnetsfigur aus der Anfangszeit hatte die NZMH Ende der 1980er-Jahre „eingefroren“, doch 2013 beschloss die Mitgliederversammlung auf Initiative des damaligen Zunftmeisters Helmut Noller deren Reaktivierung. Der Tannenzapfenhurgler stellt ein armes altes Bäuerle aus dem Schwäbischen Wald dar, das früher Tannenzapfen sammelte. Der Begriff war ein Neckname für Teilortsbewohner, aber auch für Träge und Tollpatsche, erzählte Hästrägerin Monika Schwed.

Eine neunköpfige Arbeitsgruppe der NZMH gestaltete das Häs nach der alten ärmlichen bäuerlichen Arbeitskleidung mit braunem Kittel, schwarzer Kordhose und einer Maske, die einen alten Bauer mit Bart und Hut zeigt, sowie einer großen Sackleinen-Umhängetasche mit der Aufschrift „Hurgler“. Als erste Hästräger präsentierten Klara und Helmut Noller, Gerald Wurster, Jürgen Kopp, Daniela Janßen, Monika Schwed und Rüdiger Bunk die neue Figur, deren „Gesicht“ das österreichische Maskenschnitzerehepaar Paul und Bea Wörle kreierte.

Die Geschichte der NZMH erzählten kurz und bündig Matthias Schlichenmaier, Zunftmeister Brauchtum und Veranstaltung, und Diana Spreu, Zunftmeisterin Finanzen und Verwaltung. Schon 1979 fing alles an mit 11 Schülern, den „Narrenfreunden Murrhardt“. Sie machten am Fasnetssonntagmorgen um 5 Uhr in Nachthemden einen „Hemdglonkerumzug“ mit Höllenlärm und gestalteten Motivwagen für die Faschingsumzüge des Stadtjugendrings. Am Faschingsdienstag, 15. Februar 1983, erfolgte die offizielle Gründung der NZMH am Marktbrunnen.

Mit stehenden Ovationen dankten die über 250 geladenen Gäste kleinen und großen Hästrägern für den mitreißenden, mit dramatischer Musik unterlegten Brauchtumstanz auf der Festhallenbühne, den Heike Streubel choreografierte.

Dazu erzählte Carmen Gackstatter die Geschichte der Figuren. Wasserfratz und Tröpfle stellen Quellgeister dar, der Hotz den Hotzenklingenstoffel, einen Waldgeist, der Kirchgängern Angst und Schrecken einjagte. Nachtkrabb nannten die Murrhardter den unheimlich wirkenden dämmerungsaktiven Vogel Waldrapp, der angeblich unartige Kinder schnappte. Das Hexenturmweible geht zurück auf arme alte Frauen, die Kräuter, Pilze und Beeren sammelten und verkauften, aber manchmal als Hexen galten und in den Turm gesperrt wurden. Feuerbarthl und Flämmle erinnern an den Stadtbrand am Bartholomäustag, 24. August 1765.

1986 wurde die NZMH in den Landesverband württembergischer Karnevalsvereine (LWK) aufgenommen. Sie hebe sich durch vorbildliche Organisation der Jugend- und Familienarbeit hervor und sei für ihr großes ehrenamtliches Engagement und ihre Veranstaltungen bekannt, betonte dessen Präsident Bernd Lipa. Er rief Bürgermeister Armin Mößner auf, „diesem tollen Verein“ in den nächsten 33 Jahren ein Vereinsheim zur Verfügung zu stellen. „Hut ab, was ihr hier hochgezogen habt“, lobte LWK-Brauchtumsausschussvorsitzende Ute Schwarz. In treffenden Reimen umschrieb Mößner die Murrhardter Fasnet, die ihn zum Mitmachen motiviert habe, bekannte er. Mit feierlichem Schwur auf die Narrenfahne und 11 närrischen Ritterschlägen des Zunftmeisters mit dem Narrenspiegel wurde der neue Narrenvater Helmut Weisheit vereidigt und in sein Ehrenamt eingesetzt, das Vorgänger Ewald Behr altershalber abgab. Das Zunftmeister-Duo stellte die Täuflinge im Jubiläumsjahr 2016 vor, die am Donnerstag, 4. Februar nach dem Rathaussturm am Marktbrunnen die Narrentaufe erhalten: Kai Kessel, Lena Kessel, Laura Hermann, Thorsten Gabriel als Wasserfratzen, Denise Schurr, Vanessa Schurr, Claudia Gabriel als Feuerbarthl. Zum Jubiläum empfängt Bürgermeister Mößner als Prominententäufling die Wasserfratzentaufe.

Für große Heiterkeit sorgten Dieter Braun und Helmut Weisheit mit ihrer gesungenen Kostüm-Verwandlungs-Büttenrede, in der sie als Arbeitslose beim Zirkus allerlei Jobs vom Stallknecht bis zum Artist und Tanzmariechen übernahmen. Die mit der NZMH befreundete Backnanger Guggenmusik XS Excess, dirigiert vom Musikalischen Leiter Andreas Köder, riss das Publikum mit fetzigen Rhythmen und sattem, melodisch-schrägem Blechbläsersound vom Hocker.

Im Rahmen der Jubiläumsfeier gab es zahlreiche Ehrungen. Bernd Lipa verlieh Ewald Behr, der 10 Jahre Narrenvater war, den LWK-Brauchtumsorden in Gold. Diana Spreu, die seit 10 Jahren als Zunftmeisterin für Finanzen und Verwaltung verantwortlich ist, erhielt den LWK-Brauchtumsorden in Silber, und Jugendbetreuerin Lilia Görlich den LWK-Jugendorden. Die Zunftmeister Matthias Schlichenmaier und Diana Spreu zeichneten Rüdiger Bunk, Wolfgang Bunk, Thomas Ebinger und Gerald Wurster mit dem goldenen NZ-Orden für 33-jährige Mitgliedschaft aus, Carmen Gackstatter, Karl-Heinz Gackstatter und Heidrun Rössle mit dem silbernen Orden für 22 Jahre sowie Nicole Simbrey und Nadja Morick mit dem bronzenen Orden für 11 Jahre Vereinstreue.

Zahlreiche NZ-Mitglieder erhielten Jahresorden für ihr Engagement: Die Jugendvorstände Thorsten Gabriel, Laura Hermann und Julia Kugler, Narrenchauffeur Martin Kübler und Maskenbemalerin Klara Noller; Claudia Gabriel, Sonja Hillenbrand, Sigfried Jauss, Michael Jauss, Markus Jauss, Manuela Thanheiser, Sandra Hell, Herbert Schwed, Verena Schuster, Gisela Ott für beispielhafte Mithilfe, ebenso Böllerschütze Rainer Hirzel. Jahresorden bekamen auch die Gründungsmitglieder, ehemaligen Zunft- und Vizezunftmeister Christian Schweizer, Thomas Ebinger, Uwe Jentzmik, Siegfried Nentwich, Roland Raeder, Ingo Eck, Uwe Eck, Rüdiger Bunk, Ulrich Schweizer, Gerald Wurster, Oliver Bunk, Roger Kowalski, Werner Pohl, Karl-Heinz Gackstatter und Helmut Noller. Ebenso die prominenten Gäste, Staatssekretär im Verkehrsministerium und Bundestagsabgeordneter Norbert Barthle, Landtagspräsident Wilfried Klenk, Landrat Dr. Richard Sigel, Bürgermeister Armin Mößner, der ehemalige Schultes Ulrich Burr, der die Narrenzunft unterstützte, und die anwesenden Stadträte. Zudem gab’s LWK-Ehrenpins für Barthle, Klenk, Sigel und Mößner.