Ein Abschiedskonzert für die alte Orgel

Karl-Martin Haap erläuterte den Umbau des Instruments in der Stadtkirche – 30 Register werden erhalten, 20 kommen hinzu

Indem die Stadtkirchenorgel von Grund auf erneuert und ihr Standort um etwa drei Meter nach vorne verschoben wird, könne man die bestehenden baulichen und technischen Probleme ebenso beheben wie die bisherigen klanglichen Defizite, betonte Orgelbaumeister Karl-Martin Haap bei der Versammlung der evangelischen Kirchengemeinde.

Das Murrhardter Königsinstrument: Der Umbau der Stadtkirche muss mit dem der Orgel abgestimmt werden. Archivfoto: J. Fiedler

Von Elisabeth Klaper

MURRHARDT. Mit den bisherigen 44 Registern konnten Werke verschiedener Komponisten aus Romantik, Impressionismus und sinfonischem Stil nicht gespielt werden, weil die dafür erforderlichen Klangfarben fehlten. Einige scharfe, hohe, grelle und laute Register wirkten sich ungünstig auf den Klang aus, machte der Geschäftsführer der Leonberger Orgelbaufirma Mühleisen deutlich, die von der Gemeinde beauftragt wurde. Zudem stand die Orgel bisher sehr weit hinten im Westteil der Kirche, und der massive Holzprospekt, der wie eine Wand wirke, habe kaum Schall durchgelassen, erläuterte Haap bei der Gemeindeversammlung im Fürstensaal der Alten Abtei weiter.

In Abstimmung mit Kantor Gottfried Mayer und Burkhart Goethe, Orgelbausachverständiger der Landeskirche, habe man nun ein schlüssiges klangliches Konzept für die Orgel entwickelt. Die endgültige Fassung der Disposition, also des Aufbaus, erhalte die Kirchengemeinde in Kürze.

Die neue Orgel solle sich gut in die renovierte Stadtkirche einfügen, darum bespreche man die Details für die neue Orgelaufstellung mit Bernd Treide, Architekt für die Innenrenovierung der Stadtkirche. Das neue Instrument werde über 50 Register verfügen: 30 Register aus der alten Orgel werden weiterverwendet und dazu 20 neue eingebaut.

Diese erweitern das Klangfarbenspektrum und die klanglichen Möglichkeiten um ein Vielfaches, zudem vergrößert sich der Tonumfang um eine tiefere Oktave, hob der Orgelbaumeister hervor. Der neue Prospektentwurf sehe drei Freipfeifenprospekte und vier Teilwerke vor, deren Anordnung entsprechend den musikalischen Erfordernissen erfolge. Der Spieltisch mit weiterhin drei Manualen sei die Schaltzentrale und befinde sich in der Mitte. Die drei Prospekte weisen oben sichtbare Metallpfeifen und geschwungene Formen auf, die das Gewölbe widerspiegeln, nur unten befinden sich Gehäuse.

Das bisher fast verdeckte Westfenster bleibe nun frei, sodass Licht durchscheinen könne, der Durchblick zwischen den Orgelkörpern mache den Raum erlebbar und verbessere die optische und akustische Wirkung erheblich, hob Karl-Martin Haap hervor. Zur Orgel gehöre als Standard auch eine Setzeranlage, die unbegrenzt viele programmierbare Klangkombinationen ermögliche. Die Verbindung zwischen Tasten und Pfeifen sowie die Spielmechanik bleiben aber auch weiterhin rein mechanisch, stellte der Orgelbaumeister auf Nachfrage klar. Am 17. Juli findet das Abschiedskonzert für die alte Orgel statt, im Dezember 2017 soll die Intonation der neuen Orgel beginnen, deren Einweihung für Ostern 2018 geplant ist.

Ursache für die Problematik, dass die Kirchengemeinde nun drei große Projekte gleichzeitig zu stemmen habe, sei die eigentlich erfreuliche Tatsache, dass dank einem Kreis aus großzügigen Spenden der Neubau der Orgel möglich ist. „Wir bekommen eine neue Orgel geschenkt“, erklärte Pfarrer Achim Bellmann auf Nachfrage. Die hohen Spenden seien indes mit der Bedingung verknüpft, dass die Orgelrenovierung möglichst zeitnah erfolgen müsse. Aus diesem Grund könne man die Reihenfolge der Projekte aus praktischen Gründen nicht ändern: Zuerst müsse die Innenrenovierung der Stadtkirche erfolgen, dann die Orgelerneuerung, und für den Neubau des Familienzentrums sei man auf den Zuschuss der Stadt angewiesen. Darum könne man die Umsetzung der drei Projekte auch nicht entzerren, stellte Bellmann klar.

Ein wichtiger Punkt blieb für die vielen Besucher der Gemeindeversammlung jedoch unklar: die Gesamtkosten für die Orgelerneuerung. Auch auf mehrfache Nachfrage war Kirchenpflegerin Andrea Schreiber nicht bereit, die Summe bekannt zu geben. Diese solle nicht öffentlich genannt werden – auf Wunsch der großzügigen Spender, die mit ihren Zuwendungen einen Großteil der Kosten übernähmen, machte sie deutlich. Die Kirchengemeinde müsse 60000 Euro aufbringen, davon habe sie 33000 Euro in der Rücklage und noch einen Spendenbedarf von 27000 Euro.