Ex-Kickers-Trainer

Abgang eines Hoffnungsträgers: Horst Steffen muss in Bremen gehen

Das kleine Elversberg führte er von der vierten bis fast in die erste Liga. Bei Werder Bremen hofften mit ihm alle auf schönen Fußball und eine neue Zeit.

Abgang eines Hoffnungsträgers: Horst Steffen muss in Bremen gehen

Fand in Bremen nicht das sportliche Glück: Horst Steffen

Von mbo/dpa

Diese Entscheidung fiel Clemens Fritz sehr schwer. „Das ist kein einfacher Tag. Wir haben uns das alle anders vorgestellt“, sagte der Sport-Geschäftsführer von Werder Bremen zu der Trennung von Trainer Horst Steffen. Nach nur sieben Monaten muss die erklärte Wunschlösung des vergangenen Sommers schon wieder gehen.

Die nackten Fakten sprachen am Ende gegen Steffens Arbeit. Nach dem 1:1 (0:0) gegen Borussia Mönchengladbach ist Werder in der Fußball-Bundesliga seit zehn Spielen sieglos. Der Vorsprung auf den Relegationsplatz ist auf einen Punkt zusammengeschrumpft. Von spielerischen Fortschritten im neuen Jahr konnte nach den beiden Heimspielen gegen 1899 Hoffenheim (0:2) und jetzt Gladbach keine Rede mehr sein.

„Brauchen eine neue Ansprache“

„Wir sind zu dem Entschluss gekommen, dass wir einen neuen Impuls, eine neue Energie und ein Stück weit auch eine neue Ansprache brauchen, um uns aus dieser Situation herauszuziehen“, sagte Fritz.

Dass in Bremen noch keine neuen Trainernamen kursieren und dass die beiden bisherigen Steffen-Assistenten Raphael Duarte und Christian Groß erst einmal Interimsweise einspringen, zeigt: Werder hatte sich auf diesen Trainerwechsel nicht schon im Voraus vorbereitet. Die Suche nach einem Nachfolger beginnt erst jetzt.

Klar ist immerhin, dass die Bremer einen Trainer von außen verpflichten werden. Interne Lösungen wie die erfolgreiche Frauen-Trainerin Friederike Kromp oder U19-Coach Cedric Makiadi sind kein Thema. „Wir wissen, was wir brauchen. Wir wissen, was wir suchen“, sagte Fritz. „Es ist nicht so, dass wir uns jetzt noch mit zehn Namen beschäftigen.“

In Bremen fehlt die Leichtigkeit

Steffen selbst war am Samstagabend im Weserstadion einer der Letzten, die weiter an seine Zukunft in Bremen glaubten. „Ich bin überzeugt davon, dass ich hier richtig bin“, sagte er. Ausgelassen, wie man das von ihm selten sah, jubelte er in der Nachspielzeit des Gladbach-Spiels noch über den späten Ausgleichstreffer von Keke Topp (90.+4). 16 Stunden später wurde er freigestellt.

Bitter für ihn persönlich und für den Club ist, dass sich keine einzige der großen Hoffnungen erfüllte, die mit seiner Verpflichtung von der SV Elversberg im vergangenen Sommer verbunden war. Werder spielte nicht attraktiv und offensiv, sondern hölzern und verkrampft. Bis auf Karim Coulibaly (18) baute Steffen auch keine jungen Talente ein, sondern stopfte von Woche zu Woche vor allem die Löcher, die das große Verletzungspech dieser Saison riss.

Allein dieser Faktor zeigt: Der 56-jährige Steffen musste bei seiner ersten Trainerstation in der Bundesliga auch Probleme ausbaden, für die er nichts konnte. Das gravierendste davon: die Kaderplanung von Sportchef Fritz und Profifußball-Leiter Peter Niemeyer.

Fünf der sieben Neuzugänge kamen im vergangenen Sommer erst, als die Saison schon lief. Sechs von ihnen sind Leihspieler, die keinen Wertzuwachs und bis auf den Japaner Yukinari Sugawara bislang auch keinen sportlichen Mehrwert erbringen. Auf der Suche nach dem dringend benötigten neuen Mittelstürmer leistete sich Werder mit Victor Boniface den zweiten prominenten Fehlgriff nach Naby Keita nur zwei Jahre zuvor.

Allein eine Fan-Petition im Internet, die sich gegen Clemens Fritz richtet, zeigt: Bis zuletzt zielte die Kritik der Anhänger mehr auf die sportliche Leitung als auf den glücklosen und stets loyalen Trainer. „Da ziehe ich mich nicht raus. Natürlich nehme ich die Kritik an“, sagte der Geschäftsführer am Sonntag dazu.

Allerdings gelang es Steffen zuletzt auch nicht, die Schwachstelle zu füllen, die die viel kritisierte Außenwirkung von Fritz und Niemeyer hinterließ. Fans und auch Führungsspieler nahm der Trainer am Ende nicht mehr mit. Spielidee, Krisenkommunikation - zu vieles blieb im Vagen. Schon vor dem Spiel gegen Gladbach hing am Samstag ein großes Fanplakat im Weserstadion: „Das Schöngerede muss jetzt enden“, stand darauf.