Mit Ovationen im Stehen endete der Weltweihnachtscircus am Dienstag: Insgesamt kamen 125 000 Besucher – in einer Saison zwischen Weltklasse, Debatten und Unfall.
Von Uwe Bogen
Stuttgart - Der Applaus donnert noch einmal rekordverdächtig. Beim Finale der allerletzten Show regnet es Glitter. 2450 Zuschauerinnen und Zuschauer erheben sich von den Plätzen und bedanken sich für ein Programm der Weltklasse.
Die Dernière der Saison 2025/2026 markiert am Dienstagabend nicht nur den Abschluss von 60 Vorstellungen im Weltweihnachtscircus, sondern auch das Ende einer ebenso erfolgreichen wie emotional fordernden Spielzeit – einer Saison mit großartigen künstlerischen Höhepunkten, aber auch mit Schattenseiten.
„Unsere Gedanken sind in erster Linie bei den Luftakrobaten Dmytro und Daria, die am Montagabend bei ihrem Goldenen-Clown-Act abgestürzt sind.“ Henk van der Meijden, Gründer des Weltweihnachtscircus
Mehr als einen Monat lang hat der 31. Weltweihnachtscircus das Publikum mit einer Show der Superlative begeistert. 118 Artistinnen und Artisten traten in dem neuen, mastenfreien Zelt auf und verwandelten den Wasen Abend für Abend in eine internationale Manege der Spitzenklasse. Insgesamt wurden rund 125 000 Besucherinnen und Besucher gezählt – ein starkes Ergebnis, wie Hans-Peter Haag vom örtlichen Veranstalter Musiccirucs findet (er ist ebenfalls bei der Dernière dabei), auch wenn die Bilanz knapp unter dem Vorjahreswert liegt. Beim Jubiläumsprogramm zum 30. Geburtstag des Weltweihnachtscircus zählte man 128 000 Gäste in vier Wochen.
Auch ohne Jubiläumsbonus ist die Auslastung sehr gut
„Bei einem Jubiläum sind es in aller Regel zehn bis 15 Prozent mehr Besucher als in einer normalen Spielzeit“, erklärt Zirkus-Juniorchef Dalien Cohen. Umso bemerkenswerter sei es, dass man ohne Jubiläumsbonus erneut eine so hohe Auslastung erreicht habe. „Das unterstreicht erneut den großen Erfolg des Weltweihnachtscircus“, sagt Cohen.
Die Saison verlief allerdings nicht ohne Kontroversen. Die Debatte um Tiere in der Manege begleitete die Spielzeit. Ein Magier wurde wegen seiner Tauben-Nummer persönlich bedroht, worauf die Zirkusleitung aus Sicherheitsgründen die Darbietung aus dem Programm genommen hat. Aktivisten von Animal Rebellion wollten wegen einer Pferdenummer die Manege stürmen.
Der dramatischste Moment folgte am vorletzten Spieltag. Das ukrainische Luftakrobaten-Duo Flying Passion, Dmytro und Daria, stürzte auf etwa fünf Metern Höhe in die Tiefe. Ursache soll ein technischer Defekt gewesen sein.
„Unsere Gedanken sind in erster Linie bei den Luftakrobaten Dmytro und Daria, die am Montagabend bei ihrem Goldenen-Clown-Act abgestürzt sind“, sagt der 88-jährige Zirkusgründer Henk van der Meijden unserer Zeitung. Wie durch ein Wunder seien sie nicht schwer verletzt worden. „Bei Daria zeigte eine MRT-Untersuchung keinerlei ernsthafte Folgen, und Dimis gebrochene Füße werden sich nach einer ersten erfolgreichen Operation und einer weiteren Behandlung vollständig erholen“, so van der Meijden.
Vor ausverkauftem Zelt feierte das Publikum das gesamte Ensemble mit minutenlangem Applaus im Stehen – ein kräftiges Dankeschön für außergewöhnliche Leistungen unter schwierigen Bedingungen. Unter den Gästen: der Schlager- und Popsänger Damiano Maiolini („Voice of Germany“), der in den höchsten Tönen von der Show schwärmte, insbesondere von der Vielfalt der Darbietungen. Damianos Album „Du bist toll“ erscheint am 23. Januar. Unter 15 Tracks befindet sich darauf eine Akustikversion seines Hits „Du bist toll“. Sein Kommentar auf dem Wasen überrascht nicht: „Der Weltweihnachtscircus ist toll!“
Etliche Artisten ziehen weiter nach Monte Carlo
Noch in der Nacht begann der Abbau des großen Zeltes. In etwa einer Woche soll der Weltweihnachtscircus auf dem Cannstatter Wasen vollständig verschwunden sein. Für viele Beteiligte geht es jedoch nahtlos weiter: Ein Teil des Ensembles reist direkt zum renommierten Zirkusfestival nach Monte Carlo. Dort sind gleich mehrere Nummern, die in Stuttgart Weltpremiere feierten, für die begehrten Preise nominiert und eingeladen. Der Abschied fällt emotional aus – getragen von der Hoffnung, dass die verletzten Artisten bald wieder vollständig genesen. Der Weltweihnachtscircus hat Stuttgart auch in dieser Saison bewegt. Und er hat erneut gezeigt, wie nah Glanz und Risiko im Spitzenzirkus beieinanderliegen.