Zum Internationalen Tag der Frauengesundheit legt der AOK-Bundesverband eine Umfrage vor: Geschlechterspezifische Medizin ist weiterhin die Ausnahme, nicht die Regel.
Medizinische Behandlungen in Deutschland richten sich aus Sicht vieler Ärztinnen und Ärzte noch unzureichend nach dem Geschlecht der Patienten (Symbolfoto).
Von red/KNA
Medizinische Behandlungen in Deutschland richten sich aus Sicht vieler Ärztinnen und Ärzte noch unzureichend nach dem Geschlecht der Patienten. In einer forsa-Umfrage für den AOK-Bundesverband sprechen sich 87 Prozent dafür aus, geschlechtsspezifische Aspekte stärker in den medizinischen Leitlinien zu berücksichtigen. Leitlinien sind wissenschaftlich fundierte Entscheidungshilfen für medizinisches Personal bei der Behandlung von Patienten.
Ein Drittel der rund 500 Befragten gab an, dass während des Medizinstudiums "gar keine" Inhalte zu den Unterschieden zwischen Frauen und Männern bei Erkrankungen vermittelt wurden. Allerdings haben der Umfrage zufolge auch zwei Drittel noch nie eine entsprechende Fortbildung besucht. Als Gründe dafür wurden ein Mangel an Angeboten angegeben, aber auch mangelnde Relevanz oder höhere Priorität anderer Themen.
Mehr Fokus auf Frauengesundheit
"Frauengesundheit gerät zwar immer stärker in den Fokus der öffentlichen Aufmerksamkeit, aber um diese wirklich systematisch zu stärken, braucht es eine konsequente Verankerung von geschlechtsspezifischen Aspekten in Forschung, Lehre und Versorgung", sagte die AOK-Vorstandsvorsitzende Carola Reimann. Anlass für die Umfrage ist der Internationale Tag der Frauengesundheit am Donnerstag.
Auch Bundesforschungsministerin Dorothee Bär (CSU) betonte die nötigen Veränderungen in der Medizin. "Frauengesundheit und geschlechtersensible Medizin sind keine Nischenthemen, sie gehen uns alle an", so Bär. Daher sei die Stärkung dieses Forschungsbereichs ein Schwerpunkt ihrer Arbeit. Das betreffe sowohl frauenspezifische Erkrankungen, als auch das Thema Verhütung sowie geschlechtersensible Behandlung.