Alpakas fühlen sich an Hängen wohl. Das kleine braune Fohlen Resi (links) wurde Ende Juni geboren und ist das einzige Jungtier in diesem Jahr in Inken Bubecks Zucht. Fotos: Stefan Bossow
Murrhardt. Sie gucken immer freundlich und neugierig, strecken ihre langen Hälse in die Luft oder zum Fressen auf den Boden und hüpfen auf und ab, wenn sie sich freuen: die Alpakas bei Inken Bubeck in Hinterbüchelberg bei Murrhardt. In der hügeligen Landschaft fühlen sich die Tiere wohl.
Von der Stiftung Mensch und Tier wurden die Neuweltkameliden zum Haustier des Jahres gewählt (siehe Infotext). Doch wer Tiere zum Kuscheln sucht, wird mit den Alpakas nicht unbedingt glücklich, wie Züchterin Inken Bubeck erklärt. Selbst innerhalb der Herde gehen Alpakas von Natur aus auf Distanz. Auf der Weide lassen sie sich niemals anfassen, sondern weichen den Menschen und auch ihren Artgenossen aus. „Im Stall, wenns Futter gibt, lassen sie sich aber das Halfter anlegen und streicheln. Nur nicht am Kopf, das mögen sie gar nicht“, sagt die Alpakazüchterin. Sie genießen es nicht, lassen es aber zu.
Das fasziniert Inken Bubeck an den Tieren: „Es sind sehr sensible und umgängliche Tiere“, schwärmt die Züchterin. Von Stress und hibbeligen Menschen halten Alpakas lieber Abstand. Je nach Charakter gibt es nettere und aggressivere Tiere, aber Inken Bubeck züchtet in ihrer Herde inzwischen nur noch mit eher ruhigen Tieren. „Mir bringt die schönste Wolle nichts, wenn die Tiere nicht auch entspannt neben den Menschen mitlaufen können.“
Dennoch spielen auch die Fellfarbe und die Faserqualität bei der Zucht eine Rolle. Und die will lange im Voraus geplant werden, denn Alpakastuten sind fast ein Jahr lang trächtig. 2023 hat Bubeck drei Stuten decken lassen, doch nur ein Fohlen wurde diesen Juni geboren: Die kleine braune Resi hüpft nun zwischen den ausgewachsenen Alpakadamen über die Weide. Hier sind die Tiere das ganze Jahr draußen. In ihrem ursprünglichen Lebensraum sind Alpakas auch großen Temperaturschwankungen ausgesetzt. „Sie müssen nur immer ins Trockene können, weil sie kein Wollfett produzieren, das sie vor Regen schützt“, erklärt Inken Bubeck. Darum haben die Tiere jederzeit Zugang zu einem Offenstall.
Jedes Jahr im Mai scheren die studierte Agrarwissenschaftlerin und ihr Lebensgefährte das Fell der Tiere. „Alpakafell ist unglaublich weich und die Wolle wird sehr fein“, schwärmt Bubeck. Sie verkauft das Strickgarn aus dem Fell ihrer Tiere im Hofladen. In Bettdecken ersetzt Alpakafell die klassische Daunenfüllung. „Die hält warm, aber man schwitzt darin nicht“, erklärt die 46-Jährige. Die Gäste ihrer Fremdenzimmer und Ferienwohnungen schlafen ebenfalls unter Alpakabettdecken.
Schon seit 2010 züchtet Inken Bubeck die Tiere in Hinterbüchelberg. Die Idee dazu bekam sie von einer Freundin, die in der Textilbranche arbeitet. Sie schwärmte beim ersten Hofbesuch von der weichen Alpakawolle. „Hier könnten die so schön leben, meinte diese Freundin damals zu mir. Ich kannte mich nur mit dem europäischen Nutzvieh aus, habe mich aber informiert“, sagt Bubeck. Es war Liebe auf den ersten Blick. Trotz der Ponys, Hühner und Esel auf dem Hof bleiben die Alpakas die Stars: Die Paare, die im großen Festsaal auf dem Hof ihr Hochzeitsfest feiern, können sich auf Anfrage auch mit zwei tierischen Begleitern beim Fotoshooting ablichten lassen.
Weltweit Die Vereinten Nationen haben das Jahr 2024 zum Jahr der Kameliden ausgerufen. Neben den Altweltkameliden Dromedar und Trampeltier aus Asien, der Arabischen Halbinsel und Nordafrika gehören auch die domestizierten Neuweltkameliden Lama und Alpaka aus Südamerika dazu.
Hintergrund In Deutschland macht die Stiftung Bündnis Mensch und Tier mit der Verleihung des Titels auf die artspezifischen Bedürfnisse der Heim- und Nutztierarten und ihre Bedeutung aufmerksam.
Vorgänger 2016 war das Huhn Haustier des Jahres, danach folgten Hund, Schaf, Pferd, Meerschweinchen, Ziege, Esel, Kaninchen und nun Lama und Alpaka.
Lama oder Alpaka? Alpakas sind mit einer Schulterhöhe von etwa 90 Zentimetern und rund 60 Kilogramm Gewicht eher die Miniausgabe der Lamas, die 130 Zentimeter groß und 140 Kilo schwer werden können.