Manuel Neuer kehrt ins Tor zurück – zudem gewinnt Bundestrainer Julian Nagelsmann vor dem Abflug zur WM wichtige Erkenntnisse.
Von Carlos Ubina
Mainz - Julian Nagelsmann ist mit auf die Abschlussrunde gegangen. Einmal rund um den Platz mit den Nationalspielern. Winken und Lächeln. Um sich bei den Fans für die Unterstützung in Mainz zu bedanken, aber vor allem, um die Verbindung zu den Anhängern in der Heimat zu demonstrieren. Denn nach dem 4:0-Sieg im WM-Test am Sonntagabend gegen Finnland beginnt für die Auswahl des Deutschen-Fußball-Bundes (DFB) schon bald das Amerika-Abenteuer. Zuvor hat der Bundestrainer noch einmal Erkenntnisse gewonnen. Ein Überblick vor dem Abflug.
Torwart Oliver Baumann ist da, wenn ihn der Bundestrainer braucht. Auf den Keeper von der TSG Hoffenheim kann sich Nagelsmann voll verlassen – trotz der schmerzhaften Zurückstufung nach der Rückholaktion mit Manuel Neuer. Bisher hält sich der Weltmeister-Torhüter von 2014 aber im Hintergrund. Aufgrund von Wadenproblemen. Es soll kein Risiko eingegangen werden.
In Herzogenaurach trainierte Neuer zuletzt individuell. Am Montag bei der Übungseinheit in Frankfurt ging er etwas intensiver und torwartspezifischer zur Sache. Das nährt die Hoffnung, dass der 40-Jährige am Samstag (20.30 Uhr/RTL) in Chicago gegen das US-Team zwischen den Pfosten stehen kann. Erstmals nach zwei Jahren. Ein Risiko wird Julian Nagelsmann bei der sogenannten „Wade der Nation“ aber nicht eingehen. Das hat der Bundestrainer mehrfach betont. Er hat ja noch Oliver Baumann.
Abwehr Die Viererkette steht zu drei Vierteln. Joshua Kimmich auf rechts sowie Jonathan Tah und Nico Schlotterbeck in der Innenverteidigung sind in der DFB-Elf vorerst gesetzt. Auf der linken Seite erhielt Nathaniel Brown gegen Finnland den Vorzug vor David Raum – und der Frankfurter machte seine Sache gut. Vor allem gegen „Speedspieler“ auf den Flügeln sieht Nagelsmann Brown im Vorteil, weil er extrem schnell ist und stärker verteidigt als Raum. Der Leipziger ist dafür der bessere Flankengeber.
Für das Abwehrzentrum stehen noch Antonio Rüdiger, Malick Thiaw und Waldemar Anton parat. Wobei Anton zuletzt bei den Übungseinheiten mehrfach auf die rechte Seite rückte. Wie im Trainingsspiel gegen die Finnen (1:0) – als potenzielle Alternative für Kimmich. Und was macht Rüdiger von Real Madrid? Er nimmt seine Rolle als Herausforderer an und agierte mit Thiaw im kleinen Test solide in der Innenverteidigung.
Mittelfeld Zum Herzstück des deutschen Spiels könnten sich Aleksandar Pavlovic und Felix Nmecha auf der Doppelsechs entwickeln. „Sie haben es zusammen gut gemacht“, sagte Bundestrainer Nagelsmann. Gegen Finnland ergänzten sie sich. Pavlovic als derjenige, der das Spiel organisiert, und Nmecha als derjenige, der Dynamik einbringt. Angelo Stiller (VfB Stuttgart) muss sich aktuell dahinter einordnen. Ebenso wie Leon Goretzka und Pascal Groß, die aber auch weiter vorne agieren können.
Für die offensiven Positionen verfügt Nagelsmann über extrem hohe Qualität – in Florian Wirtz und Jamal Musiala. Beide trafen in Mainz, hinterließen aber einen unterschiedlichen Eindruck. Wirtz war umtriebig, bei Musiala ging noch einiges daneben.
Angriff In der Sturmmitte vertraut der Bundestrainer grundsätzlich auf Kai Havertz. In dessen Abwesenheit hat sich Deniz Undav (Doppeltorschütze gegen Finnland) vom VfB positioniert – vor seinem früheren Clubkollegen Nick Woltemade. Auf der Flügelposition brachte Lennart Karl frischen Schwung, zunächst auf der rechten Seite. Mit seinen Dribblings verwirrte der 18-Jährige die Gegner – und begeisterte die Fans.