Gefährliches Anden-Virus

Arzt auf Kreuzfahrtschiff mit Hantavirus infiziert – Extremsituation an Bord

Nach mehreren Hantavirus-Fällen und drei Todesopfern darf das Kreuzfahrtschiff „Hondius“ einen Hafen auf den Kanaren anlaufen – die Lage verschärft sich.

Arzt auf Kreuzfahrtschiff mit Hantavirus  infiziert – Extremsituation an Bord

Kreuzfahrtschiff MV Hondius im Dunkeln vor Kap Verde.

Von Michael Maier/dpa

Dramatische Zuspitzung im Atlantik: Spanien hat dem Kreuzfahrtschiff „Hondius“, das von Hantavirus-Fällen betroffen ist, nach anfänglichem Zögern die Erlaubnis erteilt, einen Hafen auf den Kanarischen Inseln anzulaufen. Laut spanischen Medienberichten soll der niederländische Schiffsarzt inzwischen schwer erkrankt sein.

Eine Mensch-zu-Mensch-Ansteckung gilt als wahrscheinlich, weswegen nach der Ankunft strengste Quarantäne-Maßnahmen erwartet werden. Der erste Todesfall an Bord soll sich bereits am 11. April ereignet haben. Seitdem scheint das Virus auf dem Schiff zu zirkulieren, möglicherweise in seiner hochgefährlichen „Anden-Variante“.

Kritische Lage auf Kreuzfahrtschiff Hondius

Die Entscheidung zur Aufnahme auf den Kanaren wurde in Zusammenarbeit mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und der EU gemäß internationalem Recht und humanitären Prinzipien getroffen, wie das Gesundheitsministerium in Madrid mitteilte. Das luxuriöse kleine Kreuzfahrtschiff, das insgesamt knapp 150 Menschen an Bord hat, war vom Süden Argentiniens gestartet und liegt derzeit vor Kap Verde vor Anker.

Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) führt eine gründliche Untersuchung des Schiffs durch, um zu ermitteln, welche Personen dringend von Kap Verde evakuiert werden müssen, so das Ministerium. Die restlichen Passagiere sollen mit dem Kreuzfahrtschiff zu den Kanarischen Inseln weiterreisen, wo sie voraussichtlich in drei bis vier Tagen ankommen werden.

Keine Hilfe für Kreuzfahrtschiff auf Kap Verde möglich

Die Weltgesundheitsorganisation habe erklärt, dass Kap Verde - ein kleiner Inselstaat vor Westafrika - diesen Einsatz nicht selbst durchführen könne, betonte das spanische Ministerium. Die Kanarischen Inseln seien deshalb der nächstgelegene Ort mit den notwendigen Kapazitäten. Spanien habe eine moralische und rechtliche Verpflichtung, diesen Menschen zu helfen; darunter seien auch mehrere spanische Staatsbürger. 

Deshalb habe die Regierung in Madrid auch zugestimmt, dass der Arzt der „Hondius“, der sich in kritischem Zustand befinde, noch in den kommenden Stunden mit einem Lazarettflugzeug auf die Kanarischen Inseln geflogen werde, teilte das Gesundheitsministerium weiter mit.

Zielhafen auf den Kanaren noch geheim

Der genaue Hafen auf den Kanaren vor der Westküste Nordafrikas, den das Kreuzfahrtschiff anlaufen werde, stehe indes noch nicht fest. Dort angekommen, sollen Besatzung und Passagiere untersucht, gegebenenfalls medizinisch versorgt und in ihre jeweiligen Heimatländer zurückgebracht werden, wie es in der Mitteilung des Ministeriums weiter hieß.

Bislang sind drei Passagiere der unter niederländischer Flagge fahrenden „Hondius“ gestorben, ein älteres niederländisches Ehepaar und eine Person aus Deutschland, bei der es sich nach Angaben des Schiffsbetreibers Oceanwide Expeditions um eine Frau handelt. Die WHO geht derzeit von insgesamt sieben Erkrankungsfällen aus.

Evakuierung von Kreuzfahrtschiff Hondius in die Niederlande

Das niederländische Außenministerium hatte zuvor mitgeteilt, drei Erkrankte sollten von Bord der „Hondius“ geholt und in die Niederlande ausgeflogen werden. Zu ihnen gehöre ein Niederländer. Dies solle „so schnell wie möglich geschehen“, teilte das Ministerium mit. 

Die WHO vermutet, dass die Infektionskette von dem mittlerweile verstorbenen niederländischen Ehepaar ausging, das sich vor der Einschiffung in Argentinien noch an Land angesteckt haben könnte.