Sehenswert: Lorenz Assignon trifft gegen den 1. FC Heidenheim per Fallrückzieher.
Von David Scheu
Der Fußball bringt ja immer wieder besondere Tore hervor. Mit der Hacke, aus großer Distanz, per Volley. Kaum eine Technik aber steht derart für das Spektakuläre und Aufsehenerregende wie der Fallrückzieher, der verlässlich Raunen auf den Rängen garantiert. In Stuttgart gab es das schon mehrfach, zwei der schönsten dieser Tore sind dort gefallen. 1977 war der ausgewiesene Fallrückzieher-Experte Klaus Fischer im damaligen Neckarstadion im Länderspiel gegen die Schweiz (4:1) auf diese Weise erfolgreich, zehn Jahre später Jürgen Klinsmann an selber Stelle gegen den FC Bayern (3:0) und dessen Keeper Jean-Marie Pfaff. Beide Treffer wurden später zum Tor des Jahres gewählt.
Nun ist die VfB-Geschichte dieser besonderen Kunstform um ein Kapitel reicher. Geschrieben hat es einer, von dem man es im Vorfeld kaum erwartet hätte. Rechtsverteidiger Lorenz Assignon, der an sich nicht für das Torschießen bekannt ist und zudem vier Monate wegen einer Schulteroperation gefehlt hatte.
In der 71. Minute aber war im Testspiel gegen den 1. FC Heidenheim (3:0) in Weinstadt bei seinem Comeback nichts von fehlender Sicherheit in den Abläufen zu sehen. Eine Flanke von Jamie Leweling erreichte den Franzosen nicht ganz, der etwas zu nah am Tor stand. Die einzige Lösung: der Fallrückzieher. Also schraubte er sich in die Höhe, stand mit dem Rücken zum Tor in der Luft, schloss dann ebenso wuchtig wie unhaltbar mit dem rechten Fuß ins linke Lattenkreuz ab. Kein einfaches Tor, da die Flanke durchaus zügig hereinflog und der Ball damit nur für den Bruchteil einer Sekunde vorbeizischte – was das Zeitfenster des Balltreffens auf ein Minimum reduzierte, anders als bei manchem Rückzieher mit einem senkrecht herunterfallenden Ball.
Das alles beobachteten nicht nur die gut 3000 Zuschauer mit nach oben gezogenen Augenbrauen, sondern auch der Stuttgarter Trainer am Spielfeldrand. „Es war ein überragendes Tor“, schwärmte Sebastian Hoeneß im Anschluss. „so ein Tor habe ich selten live gesehen.“ Er fühlte sich dabei auch prompt an die Vergangenheit erinnert: „Ich glaube, Jürgen Klinsmann hat mal ein ähnliches gemacht. Die Art des Fallrückziehers fand ich besonders.“
Für Assignon war der Treffer die besondere Abrundung eines Tages, auf den er lange hingearbeitet hatte. Nach einer Schulteroperation im Sommer konnte er vier Monate lang nicht eingreifen, schuftete in der Reha und im Kraftraum. „Es war eine lange Zeit mit Schmerzen und viel harter Arbeit“, berichtete der 26-Jährige im Anschluss am VfB-Mikro. Auch Hoeneß hatte die lange Auszeit genau vor Augen: „Es freut mich enorm für ihn, jetzt wieder zurück zu sein. Er war natürlich sehr lange raus. Das war auch klar, eine Schulterverletzung dauert einfach lange. Aber er fühlt sich gut und sicher.“
Zuletzt hatte Assignon nochmals leichtere Wadenbeschwerden – die sind jetzt aber passé, sodass der VfB mit ihm planen kann. „Auch für ihn gilt: Weiter steigern, dranbleiben, gesund bleiben“, sagt Hoeneß, der damit neben Josha Vagnoman auf der rechten Außenverteidiger-Position nun über eine weitere Alternative in den anstehenden englischen Wochen verfügt.
Führte den VfB in Weinstadt als Kapitän an: Deniz Undav.
Die Glückwünsche an den Torschützen zum 1:0, Atakan Karazor, kommen von Jamie Leweling, Angelo Stiller, Deniz Undav und Ramon Hendriks (v.li.)
Trainer Sebastian Hoeneß bestreitet mit seinem Team in der nächsten Woche erneut ein Testspiel - gegen Zweitligist Greuther Fürth in Großaspach.
Jamie Leweling (re.) machte auf dem linken Flügel des VfB mächtig Dampf.
In der ersten Halbzeit musste VfB-Torhüter Fabian Bredlow zwei gefährliche Bälle der Heidenheimer halten.
Heidenheims Luca Kerber (li.) im Duell mit Angelo Stiller.
Das Tor des Jahres 1987: Jürgen Klisnmann trifft gegen den FC Bayern.