Vom Badesee direkt zurück zur Winterjacke: Nach dem sommerlichen Pfingstwochenende droht Anfang Juni ein massiver Temperatursturz.
Zum Baden dürfte es aktuell noch etwas grenzwertig sein (Archiv).
Von mic/red
Packt die Badehose ein – aber lasst die dicke Strickjacke bloß nicht zu weit hinten im Schrank verschwinden! Das Wetter schlägt dieser Tage wieder einmal Haken. Wer am Pfingstwochenende mit dem Feiertag am Montag bei strahlendem Sonnenschein und hochsommerlichen Temperaturen von teils über 30 Grad schwitzt und den Rasen mäht, mag es kaum glauben: Doch der meteorologische Sommerstart hält oftmals eine klassische Zerreißprobe bereit. Die Natur holt dann zum sprichwörtlichen Gegenschlag aus – die Schafskälte naht.
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Erst 30 Grad – dann nur noch 12?
Am Pfingstwochenende beschert uns ein kräftiges Hochdruckgebiet zunächst einen verfrühten Sommer. Nach dem wechselhaften Frühjahr fühlt es sich (endlich) so an wie der Startschuss in die Biergartensaison.
Doch wie so oft im mitteleuropäischen Frühsommer ist diese Herrlichkeit nicht von Dauer. Bereits in der Woche nach Pfingsten deuten die Wettermodelle eine markante Umstellung der Großwetterlage an. Die heiße Luft könnte weichen, und kühlere Luftmassen aus dem Norden drängen Richtung Deutschland. Ein Temperatursturz von fast 10 Grad steht uns womöglich zum Start in den Juni bevor – nur noch 12 Grad Höchsttemperatur und Regen zeigen manche Modelle an.
Was ist die Schafskälte?
Meteorologisch gesehen handelt es sich bei der Schafskälte um eine sogenannte meteorologische Singularität – also ein Witterungsmuster, das statistisch gesehen sehr häufig im Juni wiederkehrt. Früher galt das Phänomen mit einer historischen Wahrscheinlichkeit von fast 89 Prozent als eine der verlässlichsten Wetterkonstanten des Jahres. Doch der Klimawandel hinterlässt auch hier seine Spuren: In den letzten drei Jahrzehnten ist die Chance auf einen scharfen Temperatursturz im Juni auf 33 Prozent geschrumpft. Wenn sie uns aber trifft, dann meistens zwischen dem 4. und 20. Juni.
Frieren wie geschorene Schafe in Süddeutschland
Der Grund für den abrupten Kälteeinbruch ist ein physikalisches Ungleichgewicht: Anfang Juni heizen sich die europäischen Landmassen durch die Sonneneinstrahlung bereits auf. Das Meer – insbesondere die Nord- und Ostsee – ist zu diesem Zeitpunkt jedoch noch kalt. Dieses Temperaturgefälle erzeugt Tiefdruckgebiete, die kalte Polarluft aus Nordwesten direkt zu uns nach Mitteleuropa transportieren. Vor allem in Baden-Württemberg und in ganz Süddeutschland führt das regelmäßig zu kühlen Temperaturen und Regen.
Der Name geht traditionell auf die Schafschur zurück. Traf die Kälteperiode die frisch geschorenen Tiere Anfang Juni, froren diese jämmerlich. Heute passen Schäfer die Termine meist genauer an die Wetterprognosen an.
Bauernregeln zu Pfingsten
Dass das Wetter rund um Pfingsten und den Juni-Beginn extrem unbeständig ist, wussten auch unsere Vorfahren. Sie beobachteten die Natur genau und hielten ihre Erfahrungen in Bauernregeln fest. Zwei dieser alten Regeln passen besonders gut zur aktuellen Lage:
Die erste Regel macht Hoffnung: Das sonnige und warme Pfingstwochenende verspricht demnach eine gute Ernte und einen stabilen weiteren Verlauf des Jahres.
Gewitter- und Hagel nach Pfingsten?
Die zweite Bauernregel ist zweischneidiger. Bleiben uns schwere Junigewitter erspart, stehen die Chancen für beständige Bedingungen im Juli und August gut. Andernfalls könnte ein „Schaukelsommer“ drohen, also ein lästiges Auf und Ab zwischen schwül und kühl mit hohem Gewitter- und Hagelrisiko
Siebenschläfertag am 27. Juni: Kippt der Sommer?
Müssen wir den Sommer also schon abschreiben? Keineswegs. Auch wenn uns die Schafskälte demnächst eine Jacke abverlangen könnte, machen die langfristigen Wettermodelle Mut. Insgesamt wird der Juni im mehrjährigen Mittel als leicht über dem Mittelwert berechnet.
Die Schafskälte ist also kein Dauerzustand, sondern lediglich ein oft notwendiges „Durchatmen“ der Atmosphäre, bevor der Sommer so richtig Fuß fassen kann. Spätestens am Siebenschläfertag (27. Juni) entscheidet sich dann in der Welt der Bauernregeln, wie das Wetter für die restlichen Sommerwochen wirklich wird.