VW-Streichliste

Aus für Audi in Neckarsulm? „Wir werden auf allen Ebenen kämpfen“

Berichte über eine mögliche Schließung des Audi-Werks Neckarsulm alarmieren die Politik. Die Region kündigt nun geschlossenen Widerstand an, um die 15.000 Arbeitsplätze zu verteidigen.

Aus für Audi in Neckarsulm? „Wir werden auf allen Ebenen kämpfen“

Das Audi-Werk Neckarsulm steht im Fokus möglicher VW-Sparpläne.

Von Eberhard Wein

Die Spekulationen über ein Aus für das Audi-Werk in Neckarsulm alarmieren auch die örtliche Politik. „Die Berichte sorgen für große Besorgnis“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die der Heilbronner Landrat Norbert Heuser (parteilos) und die Oberbürgermeister von Heilbronn und Neckarsulm, Harry Mergel und Steffen Hertwig (beide SPD), am Montag veröffentlicht haben.

Eine Schließung hätte gravierende Auswirkungen auf die gesamte Region Heilbronn-Franken, heißt es darin. Bei Audi in Neckarsulm sind 15.000 Menschen beschäftigt, eine Außenstelle existiert in Heilbronn. Zudem hängen zahlreiche Betriebe im Umfeld des Werks von Audi ab. Eine Schließung wäre ein „Horrorszenario“, sagte Hertwig unserer Zeitung. „Das hätte schwerwiegendste Folgen. Das möchte ich mir gar nicht erst ausmalen.“

VW will weltweit 100.000 Stellen streichen

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass der Mutterkonzern Volkswagen seinen ohnehin radikalen Sparkurs weiter verschärfen und statt 50.000 nun 100.000 Stellen weltweit streichen will. In einem internen Papier für den Aufsichtsrat sollen dabei auch Werkschließungen vorgeschlagen worden sein; mit auf der Streichliste: das Neckarsulmer Audi-Werk. Zwar gebe es bisher noch keine belastbaren Entscheidungen, betonen die drei Kommunalpolitiker. Trotzdem wende man sich schon jetzt geschlossen gegen derartige Überlegungen. Die jüngsten Medienberichte habe man „mit großer Irritation aufgenommen“, sagte Heuser. Die Menschen seien verunsichert. „Volkswagen muss jetzt rasch Klarheit schaffen“, erklärte Hertwig.

Er habe die Hoffnung, dass es um eine Anpassung der Produktionskapazitäten, aber nicht um eine Werkschließung gehe, sagte Hertwig. Andernfalls kündigten die drei Politiker an, „auf allen politischen Ebenen für den Erhalt des Standorts Neckarsulm kämpfen“. Erste Maßnahmen seien bereits geplant. Landkreis, Stadt Heilbronn und Stadt Neckarsulm wollten ihre politischen Gespräche mit Land, Bund, Unternehmensseite und Arbeitnehmervertretungen intensivieren.

Region als „Schlüsselstandort“ für KI

Hertwig stellte klar: „Neckarsulm ist kein Auslaufmodell, sondern ein industrieller Kernstandort mit Zukunftspotenzial.“ Sein Heilbronner Amtskollege Mergel wies darauf hin, dass Audi-Chef Gernot Döllner Neckarsulm erst vor Kurzem „als Schlüsselstandort“ für Künstliche Intelligenz und Digitalisierung bezeichnet habe. „Vor diesem Hintergrund wäre es nur schwer nachvollziehbar, wenn der VW-Konzern ausgerechnet diesen Standort infrage stellen würde“, sagte Mergel. In Heilbronn baut die Schwarz-Stiftung gerade ein bundesweit beachtetes Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz.

Am Freitag hatten Werksleitung und örtlicher Betriebsrat auf die Berichte reagiert und in einer Mail an die Belegschaft versucht, die Wogen zu glätten. Es seien noch keine Entscheidungen gefallen, das immer wieder Informationen gezielt an die Presse gegeben würden, sei „inakzeptabel“, hieß es. Der Audi-Vorstand und der Gesamtbetriebsrat hätten gemeinsam zugesichert, sich für den Standort Neckarsulm einzusetzen. Die Mail liegt unserer Zeitung vor.

Der Chef des Audi-Gesamtbetriebsrats, Jörg Schlagbauer (Ingolstadt), und sein Stellvertreter, Alexander Reinhart (Neckarsulm) erklärten, dass eine Schließung des Neckarsulmer Werks für die Arbeitnehmervertretungen überhaupt nicht zur Debatte stehe. „Neckarsulm ist Teil der Audi DNA - darüber wird nicht verhandelt.“ Laut einer Zukunftsvereinbarung vom März 2025 sind betriebsbedingte Kündigungen bei Audi bis 2033 ohnehin ausgeschlossen.

Bei einer Betriebsversammlung in der vergangenen Woche war von Überlegungen für eine Werkschließung ebenfalls keine Rede gewesen. Der Arbeitsdirektor Xavier Ros hatte die jüngsten Erfolge bei der Senkung der Fabrikkosten und der Implementierung neuer Fahrzeugmodelle gelobt. Zugleich hatte er aber auch klar gestellt, dass das Unternehmen stärker unter Druck stehe als je zuvor. „Märkte schrumpfen, neue Wettbewerber greifen an, unser bisheriges Geschäftsmodell trägt so nicht mehr. Wir haben bereits viel erreicht, aber wir müssen nachlegen.“ Dies schaffe man nur gemeinsam.