„The Mandalorian and Grogu“

Baby Yoda und Mando sind wieder da!

„Star Wars“ ist zurück. In „The Mandalorian and Grogu“ geraten die Titelhelden in wilde Action-Abenteuer. Etwas Entscheidendes fehlt dem Kino-Spektakel allerdings.

Baby Yoda und Mando sind wieder da!

Die Titelhelden – hinter dem Helm steckt Pedro Pascal als Mando

Von Martin Schwickert

George Lucas’ legendäres „Star Wars“-Franchise war 43 Jahre lang ausschließlich auf der großen Leinwand beheimatet. Die drei Trilogien, die in nicht chronologischer Folge seit 1977 das Publikum in weit, weit entfernte Galaxien entführten, galten als Inbegriff eines Kinos, das sehr viel „larger than life“ war und auch technologisch in immer neue Universen vordrang. Aber die letzte Folge „Der Aufstieg Luke Skywalkers” (2019) unter der Regie von J.J.Abrams drohte unter überbordenden Effekten und Verästelungen zu ersticken und löste bei Kritik wie Fans gemischte Gefühle aus. Und so wählte Creator Jon Favreau für die erste „Star Wars“-TV-Serie „The Mandalorian”, die 2020 pünktlich zur Pandemie bei Disney+ eingespeist wurde, einen anderen Weg.

Er besann sich auf die Ursprünge der Science-Fiction-Saga, die im Western und in den japanischen Samurai-Filmen liegen. Keinen strahlenden Helden, sondern einen Outcast stellte er mit Din Djarin alias Mando (Pedro Pascal) ins Zentrum, der durch die ausgefransten Ränder der Galaxie reiste und sein Brot als Kopfgeldjäger verdiente.

Immer mit Helm und Rüstung

Die ersten Folgen sahen aus wie ein futuristischer Sergio-Leone-Film und überzeugten gerade durch die Schnörkellosigkeit, mit welcher der Titelheld, dessen Gesicht und Körper stets von Helm und Rüstung bedeckt sind, seine Aufträge professionell und actionreich absolvierte. Und dann trat auch noch Grogu auf den Plan. Das hellgrüne Jedi-Kind mit den schwarzen Kulleraugen und den spitzen Ohren eroberte im Sturm als „Baby Yoda” die Herzen der Fangemeinde. Das putzige Wesen mit den machtsensitiven Fähigkeiten weckte auch in Mando väterliche Gefühle, der fortan als alleinerziehender Kopfgeldjäger ohne Kitaplatz-Ansprüche über drei Staffeln durchs Universum reiste.

Freiberuflicher Held fürs Gute

Nun erscheint für die Marktstrategen von Disney die Zeit reif, den Mandalorianer, der einer jungen Publikumsgeneration als „ihr” „Star Wars“ ans Herz gestreamt wurde, nun auch im Kino einen großen, gewinnträchtigen Auftritt zu verschaffen. Mittlerweile stellt Din Djarin seine Fähigkeiten in den Dienst der „Neuen Republik“. Aus dem professionellen, gewissenlosen Dienstleister ist im Zuge seiner Adoptivvaterschaft ein freiberuflicher Held fürs Gute geworden. Von seiner Chefin Colonel Ward (Sigourney Weaver) bekommt er einen diffizilen Auftrag. Für die Zwillingsdiktatoren des Planeten Hutt soll er deren Neffen Rotta aus der Gefangenschaft eines kriminellen Salzhändlers in Chicago befreien.

Angekommen in der futuristisch heruntergekommenen Erdenstadt, muss Mando allerdings feststellen, dass Rotta sich ganz und gar nicht wie ein Gefangener fühlt. Als Gladiator wird er in der örtlichen Arena gefeiert und soll nach dem nächsten Kampf in die Freiheit entlassen werden. Zurück zu seinem Heimatplaneten, wo die Zwillingsonkel dem potenziellen Thronfolger nach dem Leben trachten, will er auf keinen Fall. In der Arena müssen sich Rotta und Mando dann vor johlendem Publikum einer Vielzahl mordlustiger Kreaturen erwehren und können schließlich gemeinsam entkommen. Mando hat Zweifel, ob er den gutmütigen Rotta an seine verbrecherische Verwandtschaft ausliefern soll.

Weit über die erste Hälfte des Films reiht sich eine Kampf- und Befreiungsaktion an die nächste. Für Schaueffekte ist bei den Gefechten am Himmel, in der Arena, auf den Straßen der Metropole und einem hochgefährlichen Dschungelplaneten gesorgt. Erst als der vermeintlich unbesiegbare Mandalorianer nach einem Drachenschlangenbiss ins Koma fällt, kommt der Film zur Ruhe. Denn nun dreht sich das Fürsorgeverhältnis zwischen Kopfgeldjäger und Ziehsohn um. In den wilden Sümpfen des Planeten Hutta baut Grogu aus Lehm eine Schutzbehausung für den Bewusstlosen und versorgt dessen Wunden.

Das Spektakel funktioniert – aber etwas fehlt

Der Fokus auf den kleinen Jedi rettet den Film zeitweilig vor den Redundanzen endloser Kampfszenarien, die jedoch nach einer gründlichen Atempause zum Finale wieder aufgenommen werden. Mit „The Mandalorian and Grogu“ folgt Favreau seinem bewährten Serienkonzept, das die beiden Helden in geradlinige Action-Abenteuer stürzt. In der Konzeption futuristischer Welten und einer äußerst bizarren Tier- und Monsterpopulation zeigt der Film seine kreativen Stärken. Vom Film noir über den Western bis zum klassischen Survival-Thriller reichen Favreaus Genreanleihen, die mit allerhand Kreuz-und Querverweisen aus dem „Star Wars“-Universum angereichert werden. Aus alledem entsteht zwar ein funktionierendes Spektakel, aber kein epischer Atem. Dafür fehlt ein größerer Erzählrahmen, zwischenmenschliches Konfliktpotenzial und moralische Antriebskräfte. Auch die Vater-Sohn-Dynamik zwischen Kopfgeldjäger und ach so süßem „Baby Yoda“ kommt nicht wirklich in Gang. Das Konzept, einen behelmten Kämpfer, dessen Gesicht nur einmal für wenige Minuten enthüllt wird, und eine hellgrüne Puppenkreatur als Hauptfiguren durch die Handlung zu lotsen, kommt auf der großen Leinwand an seine Grenzen. Das spürt man deutlich, sobald Sigourney Weaver in einigen wenigen Auftritten daran erinnert, dass auch im Multi-Spezies-Universum von „Star Wars“ das Ausdrucksvermögen eines menschlichen Gesichts von unschätzbarem Wert ist.

Star Wars: The Mandalorian and Grogu:  USA 2026, Regie: Jon Favreau. Mit Pedro Pascal, Sigourney Weaver. 132 Minuten. Ab 12 Jahren.