Armut im Alter

Babyboomer in Rente: Millionen Senioren droht „Wohnarmut“

In den nächsten zehn Jahren gehen die Babyboomer in den Ruhestand. Millionen von ihnen werden nur Minirenten bekommen und mit teuren Mieten zu kämpfen haben.

Babyboomer in Rente: Millionen Senioren droht „Wohnarmut“

Eine wachsende Zahl von Rentnern ist auf staatliche Unterstützung angewiesen. Knapp 739.000 Menschen erhielten zum Jahresende 2024 Grundsicherung im Alter. Das heißt, sie können ihren Lebensunterhalt nicht aus eigenem Einkommen oder Vermögen bestreiten.

Von Markus Brauer/dpa

Rund fünf Millionen Babyboomer werden laut Berechnungen des Pestel-Instituts nach ihrem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben nur Mini-Renten von weniger als 800 Euro im Monat beziehen. Das wären demnach etwa 40 Prozent der etwa 12,9 Millionen Menschen, die in den nächsten zehn Jahren in Rente gehen werden.

„Dauerhaft auf Hilfe vom Staat angewiesen“

Auftraggeber der Untersuchung war die Gewerkschaft IG Bau. Deren Vorsitzender Robert Feiger warnt vor steigenden Sozialausgaben: „Mit so einer Niedrigrente werden viele Betroffene dauerhaft auf Hilfe vom Staat angewiesen sein.“ Spätestens die Miete werde einen Großteil der Babyboomer dann in die Wohnarmut drängen.

Nicht nur Frauen bekommen niedrige Renten„Wohnarmut“ bezieht sich auf das vor allem in teuren Großstädten wie München, Stuttgart oder Frankfurt am Main bekannte Problem, dass die Miete nach der Verrentung zu teuer wird.

In manchen Fällen müssen sich die Betroffenen dann günstigere Wohnungen suchen, zum Teil weit außerhalb ihrer vorherigen Wohnorte. Statistische Daten dazu gibt es nicht, doch tauchen derartige Fälle immer wieder in örtlichen Medien auf.

Von niedrigen Renten seien sowohl Frauen als auch viele Männer betroffen, erklärt Matthias Günther, der Leiter des Pestel-Instituts. Als Gründe nannte der Ökonom Teilzeitjobs, Arbeitslosigkeit oder auch Niedriglohnbeschäftigung über viele Jahre.

Ohne Gegenmaßnahmen werde die Altersarmut steigen

Viele Arbeitnehmer werden zwar nicht allein auf die gesetzliche Rente angewiesen sein, weil sie Anspruch auf eine Betriebsrente haben, Mitglied in einem berufsständischen Versorgungswerk sind oder auch privat eine Lebensversicherung abgeschlossen haben. Doch Niedrigverdiener haben häufig weder privat vorgesorgt noch Anspruch auf eine Betriebsrente, erläutert Günther.

Würden keine Maßnahmen wie etwa eine deutlich über der Grundsicherung liegende Grundrente ergriffen, könnte die Altersarmut weiter steigen. „Und arm im Alter heißt arm bis zum Tod.“

Der Anteil der auf Grundsicherung angewiesenen Rentner sei bereits in den letzten 15 Jahren von 2,5 auf 4,3 Prozent gestiegen, betont IG Bau-Chef Feiger. Die Schere zwischen der Rente und steigenden Wohnkosten werde für die kommende Rentnergeneration immer weiter auseinandergehen. „Die Rente muss im unteren Bereich steigen“, fordert der Gewerkschaftschef. „Hohe Renten können im Gegenzug sinken.“

Merz: Rente nur noch Basisabsicherung im Alter

„Die gesetzliche Rentenversicherung allein wird allenfalls noch die Basisabsicherung sein für das Alter“, hatte Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) am 20. April beim Empfang zum 75. Jubiläum des deutschen Bankenverbands erklärt. „Sie wird nicht mehr ausreichen, auf Dauer den Lebensstandard zu sichern.“

Es seien zusätzlich „kapitalgedeckte Elemente einer betrieblichen und privaten Altersversorgung“ nötig, erklärte Merz. „Und zwar in weit größerem Umfang, als wir sie gegenwärtig weitgehend auf der Basis von Freiwilligkeit haben.“

Immer mehr Rentner verarmen

In Deutschland gab es im Jahr 2024 rund 22,3 Millionen Rentenempfänger. Die Durchschnittsrente liegt nach Abzügen bei rund 1459 Euro netto. Männer erhalten im Schnitt 1606 Euro netto, während Frauen häufig nur auf 1281 Euro netto kommen. Ein Grund ist die geringere Erwerbstätigkeit von Frauen. Dieser sogenannte Gender Pension Gap verkleinerte sich zuletzt etwas.

Viele Rentner sind von Altersarmut bedroht, insbesondere Frauen. Rund 3,7 Millionen Rentner ab 65 Jahren gelten als von Altersarmut bedroht. 42 Prozent der Rentner erhalten weniger als 1000 Euro im Monat. Der demografische Wandel führt dazu, dass nur noch rund zwei Beitragszahler auf einen Rentner kommen.

Alterseinkünfte sind bei meisten Haupteinkommen

Ein weiteres Fünftel der Ruheständler über 65 Jahren verfügt laut Statistischem Bundesamt in Wiesbaden über monatlich 1400 Euro bis 1790 Euro, wie das mitgeteilt hat. Die 20 Prozent der Älteren mit dem höchsten Einkommen haben monatlich mehr als rund 2870 Euro netto.

Das Einkommen von Rentnerhaushalten besteht überwiegend aus Alterseinkünften. Bei Haushalten, in denen ausschließlich Ruheständler lebten, machten Renten und Pensionen im Jahr 2024 durchschnittlich 92 Prozent des Einkommens aus.

Fünf Prozent waren Einnahmen aus Vermögen, zwei Prozent stammten aus Erwerbstätigkeit und ein Prozent aus Transferzahlungen wie etwa Grundsicherung im Alter. Zu den Alterseinkünften zählen Altersrenten und -pensionen, Hinterbliebenenrenten und -pensionen sowie Renten aus individueller privater Vorsorge.