Noch wird auf dem Weindorf gefeiert, doch bald schon beginnt das Cannstatter Volksfest. Für die Maß müssen die Besucher tiefer in die Tasche greifen.
Ein Prosit der Gemütlichkeit.
Von Frank Rothfuß
Stuttgart - Die Bürger waren grantig und forderten Abhilfe, erst mit Worten, dann mit Fäusten. Das Bier sollte teurer werden. Einen ganzen Pfennig! Also stürmten die Menschen die Brauereien, schlugen sie kurz und klein. Die herbeigerufenen Soldaten verbrüderten sich mit den Protestierern. Schließlich kuschte König Ludwig I. und machte das Bier wieder billiger. Diese Episode von 1844 ging als Bierkrieg in die Münchner Stadtgeschichte ein. Immer wieder entzündete sich dort an teurem Bier der Volkszorn. 2004 sah der Bayerische Trachtenverband die Wiesn auf dem Weg zu einer „reinen Remmidemmi-Veranstaltung“. Die Maß Bier kostete erstmals mehr als sieben Euro. Einheimische könnten sich das unmöglich leisten. Anno 2004 verlangte man in Bad Cannstatt 7,20 Euro. 21 Jahre später sind wir bei über 15 Euro angelangt.
Wie hoch der Preis beim Volksfest (26. September bis 12. Oktober) ganz genau ist, will Dinkelacker-Wirt Werner Klauss noch nicht sagen. Er hat wie seine Kollegen nie einen Hehl daraus gemacht, der er den Bierpreis schon lange als viel zu einfältigen Maßstab betrachtet, um seine Arbeit und sein Angebot zu bewerten und einzuordnen. In München wird der Bierpreis dagegen immer noch mit Brimborium verkündet nach dem Motto: Ist doch gut, wenn die Leute sich aufregen. Hauptsache, das Oktoberfest ist im Gespräch.
Was sagen die Volksfest-Wirte?
So barock ist der Schwabe halt nicht unterwegs, da muss man die Wirte einzeln anrufen und ausquetschen. Wirtesprecher Werner Klauss und Bruder Dieter haben den Preis noch nicht festgelegt. Den werden sie in der Woche vor dem Fest mitteilen. Aber da sie im Vorjahr schon bei 15,20 Euro für die Maß lagen und einem die Erfahrung sagt, dass der Bierpreis tendenziell eher steigt denn sinkt, werden sie wieder über 15 Euro liegen.
An dieser Grenze kratzt Hofbräu-Wirt Marcel Benz mit seinen 14,90 Euro. Göckelesmaier-Wirt Karl Maier liegt bei 14,60 Euro. „Eigentlich müssten wir auf 14,80 Euro erhöhen“, sagt er, „die Erhöhung der Tarifverträge schlägt bei uns ins Kontor.“ Aber das könne er seinen Bedienungen nicht antun, dann sinkt deren Trinkgeld. Der Gast, rundet halt gerne auf, gerade im fortgeschrittenen Zustand der trunkenen Glückseligkeit.
Wo gibt es ein Fass auf dem Volksfest?
Beim Wasenwirt verlangt man 14,40 Euro für die Maß. Nina Renoldi in ihrer Almhütte schenkt ja gleich im Fass aus, zehn Liter gibt es für 140 Euro. Michael Wilhelmer hat sich für sein Schwabenbräu-Zelt noch nicht entschieden, auch Sonja Merz will erst demnächst den Preis festlegen. Und der Neue? Jochen Mörz im Fürstenberg-Zelt werde sich in der Bandbreite der anderen einordnen, sagt er. Eilig haben sie es deshalb nicht, weil die Biermarken schon lange nicht mehr die Leitwährung sind.
Bei Jochen Mörz, dem neuen Wirt im Fürstenberg-Zelt, kann man werktags einen Tisch für zehn Personen reservieren für 300 Euro Wertgutscheine und zehn Einlassbänder je 1,50 Euro. Also 31,50 Euro je Gast. Am Wochenende sind das dann 61,50 Euro je Gast, abends kommen noch 5 Euro dazu. Und wer den Tisch eingedeckt haben möchte samt „Versperle“ legt noch mal zehn Euro drauf.
Und Aufstände scheinen also der Vergangenheit anzugehören. Oder nur in München statt zu finden. Aber da kostet die Maß ja auch schon bis zu 15,80 Euro.