<div></div>Am 11. Mai 2026 unterzeichneten Manuel Hagel (CDU; li.) und Cem Özdemir (Bündnis 90 / Die Grünen), den Koalitionsvertrag für das grün-schwarze Regierungsbündnis.
Von Rainer Pörtner
Die CDU verliert in Baden-Württemberg deutlich an Rückhalt, während gleichzeitig die AfD zulegt und nun gleichauf mit den Christdemokraten liegt. Stärkste politische Kraft im Südwesten bleiben klar die Grünen. Das sind wesentliche Befunde des neuen BWTrend, der landespolitischen Umfrage von SWR, Stuttgarter Zeitung und Südwest Presse.
Rund sieben Monate nach der Landtagswahl ermittelte das Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap für die Grünen 30 Prozent Zustimmung. Die Partei von Ministerpräsident Cem Özdemir bestätigt damit ihr Wahlergebnis vom März 2026, als sie 30,2 Prozent holte.
Die mitregierende CDU kann hingegen nicht an ihren Wählerrückhalt aus dem März anknüpfen, sie hätte aktuell 23 Prozent in Aussicht. Das sind fast sieben Prozentpunkte weniger als am Wahltag, damals holte sie 29,7 Prozent. Die AfD kann sich laut neuem BWTrend auf 23 Prozent verbessern (18,8 Prozent) und zur CDU aufschließen. Sie verzeichnet damit einen neuen Bestwert im Südwesten.
Die SPD läge bei 7 Prozent (5,5 Prozent), die Linke bei 6 Prozent (4,4 Prozent). Die FDP würde mit 4 Prozent (4,4 Prozent) erneut an der Mandatsschwelle scheitern. Alle anderen Parteien kämen zusammengenommen auf 7 Prozent.
Hälfte der Bürger zufrieden mit der Landesregierung
Im Mai 2026 haben Grüne und CDU ihr grün-schwarzes Regierungsbündnis erneuert, statt Winfried Kretschmann und Thomas Strobl bilden seither allerdings Cem Özdemir und Manuel Hagel das Führungsduo der Koalition.
Rund fünf Monate nach Amtsantritt stößt die Arbeit dieser grün-schwarzen Landesregierung bei der Hälfte der Bürgerinnen und Bürger auf ein positives Echo. 51 Prozent sind mit der Arbeit der Stuttgarter Koalition sehr zufrieden oder zufrieden, rund vier von zehn (43 Prozent) kommen zu einem kritischen Urteil. Die Landesregierung steht damit ähnlich da wie die Vorgängerregierung unter Ministerpräsident Winfried Kretschmann kurz vor der Landtagswahl im März.
Ministerpräsident Özdemir baut Ansehen aus
Der grüne Ministerpräsident Özdemir konnte sein Ansehen in den ersten Monaten seiner Amtszeit weiter ausbauen. Mit seiner Arbeit als Ministerpräsident sind aktuell 58 Prozent der Wahlberechtigten in Baden-Württemberg zufrieden, plus 7 Punkte gegenüber März. Ein knappes Drittel (31 Prozent) äußert sich kritisch.
Der stellvertretende Ministerpräsident und CDU-Innenminister Manuel Hagel konnte seine Bekanntheit seit März etwas steigern, in eine bessere persönliche Bewertung übersetzt sich die höhere Sichtbarkeit bislang jedoch nicht: Er bekommt von 30 Prozent der Befragten Lob (+1), 37 Prozent (+6) sind hingegen weniger oder gar nicht zufrieden mit seiner politischen Arbeit.
Das Ansehen von Regierungschef Özdemir reicht weit über die eigenen Anhänger hinaus. Die Grünen-Anhänger äußern sich nahezu geschlossen positiv (93 Prozent), aber auch die Anhänger der mitregierenden CDU (68 Prozent) sowie die Anhänger der SPD (78 Prozent) sind mehrheitlich zufrieden mit der Arbeit des Ministerpräsidenten. Bei den Anhängern der CDU genießt der grüne Ministerpräsident damit sogar etwas größeres Ansehen als der CDU-Parteivorsitzende Manuel Hagel, mit dessen Arbeit 61 Prozent der CDU-Anhänger zufrieden sind.
Große Sorge um die Autoindustrie
Die Sorge um die wirtschaftliche Lage im Südwesten ist weiterhin groß. Derzeit bewerten knapp vier von zehn Befragten (38 Prozent; +1 zu März 2026) die Lage der heimischen Wirtschaft positiv, eine Mehrheit (59 Prozent; -2) sieht die Situation aber pessimistisch. Die wirtschaftliche Stimmung bleibt damit ähnlich eingetrübt wie im Frühjahr.
Eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger hat Sorge um den Fortbestand des wichtigsten Industriezweigs im Südwesten: 62 Prozent befürchten, dass die Automobilindustrie in Baden-Württemberg keine Zukunft hat (+2 im Vergleich zu März 2026). Damit wächst zugleich die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz: Ein gutes Fünftel der Erwerbstätigen fürchtet einen möglichen Arbeitsplatzverlust (22 Prozent, +6).
Knapp die Hälfte sorgt sich außerdem, den eigenen Lebensstandard künftig nicht mehr halten zu können (46 Prozent, -4) oder im Alter in finanzielle Schwierigkeiten zu geraten (48 Prozent, -8). Ebenso viele befürchten, ihre Rechnungen aufgrund steigender Preise nicht mehr bezahlen zu können (46 Prozent, -6). Ein knappes Drittel (31 Prozent) befürchtet, sich künftig die Wohnung nicht mehr leisten zu können – eine Sorge, die sowohl in ländlichen wie urbanen Gegenden anzutreffen ist.
So entsteht der BWTrend
Die Werte des neuen BWTrend beruhen auf den Auskünften von 1.191 Wahlberechtigten in Baden-Württemberg. Sie wurden vom Meinungsforschungsinstitut Infratest dimap in der Zeit vom 8. bis 13. Oktober 2026 telefonisch und online befragt.