Porsche Tennis Grand Prix

Coco Gauff – der US-Star will seine Stuttgart-Bilanz aufbessern

Die Weltranglistendritte startet mit großen Ambitionen in die Sandplatz-Saison – und positioniert sich immer wieder auch abseits des Sports.

Coco Gauff – der US-Star will seine Stuttgart-Bilanz aufbessern

Nummer zwei der Setzliste in Stuttgart: Coco Gauff

Von David Scheu

Dass Coco Gauff Jahr für Jahr überaus gerne nach Stuttgart kommt, würde man angesichts ihrer sportlichen Bilanz beim dortigen WTA-Turnier nicht zwingend vermuten. Nie ging es für die 22-jährige Weltranglistendritte beim Porsche Tennis Grand Prix über das Viertelfinale hinaus, selten spielte sie dabei an ihrem persönlichen Leistungslevel. Aber: Die Station im Schwabenland ist fester Bestandteil im Kalender des US-amerikanischen Stars, der in diesem Jahr bereits zum fünften Mal in Folge in Stuttgart aufschlagen wird – und dafür auch Turniere wie jenes in der Heimat in Charlotte nächste Woche auslässt. Das hat Gründe.

Zum einen mag Gauff Herausforderungen. Die Rahmenbedingungen in Stuttgart gibt es in dieser Form selten, der Mix aus Sandplatz und Hallendach ist ein ungewöhnlicher. Der Untergrund hier, sagt Gauff, sei etwas rutschig. „Aber es ist großartig, die Sandplatz-Saison zu starten mit einem Turnier, das ein wenig herausfordernder ist.“ Zum anderen schätzt sie das Umfeld. Die Bedingungen abseits des Platzes, die reibungslose Organisation, die Abläufe: „Auch wenn es hier sportlich mal nicht gut für mich läuft, habe ich eine gute Zeit. Darauf kommt es an. Ich bin froh, zurück hier in Stuttgart zu sein. Ich komme gerne hier her“, sagt die Amerikanerin.

Das tut Gauff mit großen Ambitionen. Die Nummer drei der Welt möchte perspektivisch noch zwei Plätze klettern, die Spitze der Rangliste ist das erklärte Ziel der 1,75 Meter großen Rechtshänderin. In der Geldrangliste hat sie das bereits erreicht: Gauff ist die bestverdienende Sportlerin der Welt, seit nunmehr drei Jahren schon führt sie das Ranking des US-amerikanischen Sportbusiness-Portals Sportico an.

Gauff geht als Nummer zwei der Setzliste ins Turnier

Demnach beliefen sich ihre Einnahmen im Jahr 2025 auf insgesamt 31 Millionen Dollar, wobei die erspielten Preisgelder nur den kleineren Teil ausmachten und alleine 23 Millionen durch Sponsoringverträge zusammenkamen. Was zeigt: Gauff ist trotz ihres jungen Alters längst eine Berühmtheit, vor zwei Jahren trug sie bereits bei der Eröffnungsfeier der Olympischen Sommerspiele die Flagge des US-amerikanischen Teams. Gemeinsam mit dem Basketball-Star LeBron James.

Gauffs Popularität fußt dabei jedoch nicht nur auf ihren Erfolgen und ihrer öffentlichen Präsenz. Sie schaut über den Tellerrand, liest jährlich duzende Bücher, besichtigt während der Turniere gerne mal historische Stätten wie zum Beispiel in den vergangenen Jahren Berlin – und nutzt ihr Standing, um sich öffentlich für Gleichberechtigung und die afroamerikanische Bevölkerung einzusetzen.

Nach ihrem Sieg bei den French Open vor zehn Monaten äußerte sie dabei auch deutliche Kritik am amtierenden US-Präsidenten Donald Trump. Implizit zwar, aber dennoch unmissverständlich. „Es bedeutet mir sehr viel“, betonte Gauff damals in Paris, „ein Repräsentant von Menschen in Amerika zu sein, die so aussehen wie ich und sich in dieser Zeit vielleicht nicht so unterstützt fühlen. Ich will einfach ein Spiegel der Hoffnung und des Lichts für diese Menschen sein.“

Das ist mittlerweile knapp ein Jahr her. Nun rücken mit dem Start der Sandplatz-Saison die French Open 2026 näher, bei denen die Augen auch auf Titelverteidigerin Gauff gerichtet sein werden. Spätestens dann, Ende Mai, will sie auf dem Untergrund ihre Topform in ihrem Spiel mit den geradlinigen langen Schlägen erreicht haben, darauf sind die kommenden Wochen und Turniere ausgerichtet. In Stuttgart fällt nun der Startschuss mit der Partie gegen Liudmila Samsonova, Gauff geht als Nummer zwei der Setzliste hinter der Kasachin Elena Rybakina ins Rennen.

Ihr Fokus? Liegt dabei weniger auf den reinen Ergebnissen und eher auf der Weiterentwicklung ihres Spiels. „Es geht darum“, sagt Gauff, „die Details zu verbessern. Return, Aufschlag, Vorhand, alles. Und ich habe definitiv das Gefühl, dass ich besser werde.“ Die Nummer drei der Welt schlägt also mit einem guten Gefühl beim Tennis Grand Prix auf – und könnte in den kommenden Tagen damit auch ihre persönliche Stuttgart-Bilanz aufpolieren.