Lago Maggiore im Fokus

Das Paradies am Lago geht an die Börse

Die Familie Borromeo, der die gleichnamigen Inseln gehören, will ihr Know-how bei der Vermarktung der Kleinode im Lago Maggiore nutzen.

Das Paradies am Lago  geht an die Börse

Die Isola Bella gehört zu den Borromäischen Inseln.

Von Gerhard Bläske

Die Borromäischen Inseln im Lago Maggiore sind ein wahres Paradies für Natur-, Kunst- und Kulturliebhaber. Das milde Mikro-Klima lässt in den üppigen subtropischen Gärten Kamelien, Magnolien, Zitrusbäume, Kakteen und Palmen gedeihen. Hunderttausende Besucher zieht es jedes Jahr allein in die Pflanzenwelt und den Renaissance-Palast auf der zweitgrößten Insel Isola Bella.

Sie füllen mit dem Erwerb der Eintritts-Tickets und ihren Käufen und Ausgaben die Kassen der Gesellschaft Kaleon, die die insgesamt fünf Inseln sowie diverse Burgen und Parks am See verwaltet.

Eigentümer von Kaleon und der paradiesischen Latifundien ist die alt-ehrwürdige Adelsfamilie Borromeo aus Mailand. Die Familie, aus der sieben Kardinäle hervorgingen, herrscht seit Jahrhunderten über die Inseln und einst sogar über einen Mini-Staat an dem norditalienischen See.

An die Börse in Mailand und Paris

Die Familie will Kaleon nun sowohl in Mailand als auch in Paris an die Börse bringen. Das Unternehmen soll künftig im Kleinwertesegment Euronext Growth notiert sein. Die geplante Kapitalerhöhung von 15 Millionen Euro kann auf 17,25 Millionen Euro erweitert werden. Damit kann nun jeder Anleger ein kleines Stück vom Paradies erwerben. Eine Mehrheit der Gesellschaft von etwa 60 bis 65 Prozent soll jedoch bei der Familie bleiben.

Wer jedoch davon träumt, künftig auf einem eigenen Stück Strand oder einer Bank im Paradies zu sitzen, wird enttäuscht. Die Anleger werden nicht Miteigentümer der Parks, Burgen und Inseln. Die Immobilien bleiben zu hundert Prozent bei der Familie, versichert das Unternehmen auf Anfrage.

Einflussreiche Familie

Familienoberhaupt und Kaleon-Chairman Vitaliano XI Borromeo, dem Kaleon (griechisch für schön) gehört, will vielmehr das in Jahrzehnten erworbene Know-how bei der Verwaltung und Verwertung der Attraktionen vermarkten. „Wir wollen unsere professionelle Expertise in diesen Fragen anderen Eigentümern von kulturellen Schätzen wie Burgen, Schlössern und Parks anbieten“, erklärt Borromeo. Er will also expandieren. Es geht um Dinge wie den Verkauf der Eintrittskarten, die Veranstaltung und Organisation privater Veranstaltungen und Feste, Führungen, Beherbergungen sowie die Einnahmen von Restaurants, Cafés oder des Einzelhandels.

Der Cousin von Lavinia Borromeo, der Frau des Fiat-Erben und Ferrari- und Stellantis-Großaktionärs John Elkann, sieht große Wachstums-Chancen. Denn viele dieser Natur- und Kunstschätze würden bisher nicht professionell vermarket.

Elkann schaut sich nicht nur in Italien, sondern auch in der nahen Schweiz und in anderen Ländern wie Frankreich oder Deutschland nach Kunden um. Das Potenzial des Kulturtourismus, der jährliche Zuwachsraten von 14 Prozent verzeichne und bis 2028 auf ein Volumen von elf Milliarden Euro allein in Italien komme, werde noch nicht ausreichend erkannt und genutzt, meint der Adlige.

Berichte, es sei eine Einigung über die Vermarktung auch der im Schweizer Teil des Sees liegenden Brissago-Inseln erzielt worden, dementiert Kaleon. Auch auf diesen beiden Inseln gibt es einen Botanischen Garten, ein Restaurant und ein Hotel.

Mit dem Börsengang will das Unternehmen, das 2024 bei einem Umsatz von 21,7 Millionen Euro auf einen Nettogewinn von mehr als zwei Millionen Euro kam, die nötigen Mittel für eine Expansion hereinbekommen.

Wird der Overtourism gefördert?

Außerdem soll mit der Notierung der Bekanntheitsgrad gesteigert werden. Vorwürfe, er leiste damit dem Overtourism Vorschub, weist der Adlige, der die Hälfte des Kaleon-Gewinns an die Aktionäre ausschütten will, weit von sich: Es gehe darum, das Vergangene zu bewahren, um die Zukunft zu inspirieren.

Dabei wollen die Borromei auch mit der Zeit gehen. So sollen beispielsweise zwei eigens angeschaffte Roboter Besucher über die Isola Bella führen.

Schon jetzt ziehen die Besitzungen der Familie Borromeo am und um den Lago Maggiore jährlich mehr als eine Million Besucher an. Fast zwei Drittel von ihnen zieht es auf die Isola Bella.

Traumhafte Umgebung

KleinodeZu Kaleon gehören neben den Borromäischen Inseln mit ihren Palästen und terrassenförmigen Gartenanlagen auch die Burg Rocca Borromeo di Angera, die seit 1449 ununterbrochen in Familienbesitz ist.

PalästeAußerdem sind der Parco Pallavicino in Stresa mit seinen Tieren, der Parco del Mottarone und die Castelli di Cannero Teil der Gesellschaft. Die Paläste auf den Inseln werden zum Teil als Sommerresidenz der Familie genutzt. bl