Das Stuttgarter Marienhospital ist insolvent

Am Mittwochnachmittag wurden die Mitarbeiter informiert. Politik und Krankenhausgesellschaft sind alarmiert. Wie es weiter geht, ist offen.

Von Jens Schmitz und Annika Grah

Stuttgart - Das Marienhospital ist zahlungsunfähig. Nach Informationen unserer Redaktion wurden die Mitarbeiter am Mittwochnachmittag in einer Versammlung darüber informiert, dass der Stuttgarter Zentralversorger eine Insolvenz in Eigenverwaltung anstrebt. Das Krankenhaus bestätigte dies inzwischen. Eine Insolvenz in Eigenverwaltung ist ein spezielles deutsches Verfahren, bei dem das bisherige Management die unternehmerische Führung behält und die Sanierung selbst gestaltet. Statt eines Insolvenzverwalters überwacht ein gerichtlich bestellter Sachwalter die Schritte.

Die Baden-Württembergische Krankenhausgesellschaft (BWKG) sieht damit ihre schlimmsten Befürchtungen bestätigt. „Diese Insolvenz ist ein klares Zeichen dafür, dass die Politik des Bundes selbst bedarfsnotwendige große Krankenhäuser massiv bedroht und die Trägervielfalt gefährdet,“ sagte der Vorstandsvorsitzende der Baden-Württembergischen Krankenhausgesellschaft (BWKG), Heiner Scheffold. Noch nie habe ein Krankenhaus dieser Größenordnung in Baden-Württemberg Insolvenz anmelden müssen.

Landes-Gesundheitsminister Oliver Hildenbrand (Grüne) hatte erst am Dienstag erneut auf die angespannte wirtschaftliche Lage der Kliniken hingewiesen und gewarnt, die geplante Gesundheitsreform von Bundesgesundheitsministerin Nina Warken (CDU) gefährde die finanzielle Stabilität der Krankenhäuser im Land weiter. Ein Sprecher des Sozialministeriums sagte, angesichts der wirtschaftlich äußerst angespannten Situation seien weitere Insolvenzen von Kliniken zu befürchten. Das Sozialministerium will das Verfahren des Marienhospitals nun begleiten, um im Sinne der Patientinnen und Patienten, aber auch im Sinne der Beschäftigen zu einer guten Lösung beizutragen.

Dass das Marienhospital, wie aktuell viele Krankenhäuser, in einer schwierigen finanziellen Situation ist, war seit Monaten klar. Im April trennte sich der katholische Träger der Klinik, die Genossenschaft der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul in Untermarchtal, von den beiden bisherigen Geschäftsführerinnen und setzte als Interimschefs zwei Manager ein, die in der Branche einen Ruf als Sanierer haben. „Ziel der interimistischen Führung ist es, die Kontinuität des Gesellschafters sicherzustellen und die Organisation der Einrichtungen in der aktuellen Übergangsphase stabil zu begleiten, bis eine geregelte Nachfolge gefunden wurde“, teilte das Hospital damals mit. Im Zuge des nun eingeleiteten Sanierungsverfahrens bleibt die Interims-Geschäftsführung im Amt und führt die Geschäfte begleitet durch einen Restrukturierungsbevollmächtigten fort.

Die Insolvenz erstreckt sich auf alle Einrichtungen der Vinzenz von Paul Kliniken gGmbH, also auf das Marienhospital Stuttgart, die Vinzenz Klinik und die Vinzenz Therme in Bad Ditzenbach sowie die Luise von Marillac Klinik in Bad Überkingen. Betroffen sind rund 3000 Mitarbeiter. Das 1890 gegründete Marienhospital hat nach eigenen Angaben gut 2000 Mitarbeiter, 760 Betten und versorgt jährlich rund 30.000 Patienten stationär sowie 91.000 ambulant. Schlenker sagte, es sei sichergestellt, dass Patientinnen und Patienten auch weiterhin an allen Standorten behandelt würden.