Spinosaurus mirabilis

Der „Höllen-Reiher“ aus der Urzeit

Eine außergewöhnliche Dino-Entdeckung in der Wüste Afrikas: Forscher bergen fernab der Zivilisation die fossilen Überreste eines riesigen Spinosauriers. Dabei handelt es sich um eine vorher unentdeckte Art – mit einem wundersamen Aussehen.

Der „Höllen-Reiher“ aus der Urzeit

Illustration eines Spinosaurus mirabilis am Ufer eines Flusses im heutigen Niger, wo sich heute die Sahara-Wüste befindet.

Von Markus Brauer/Annett Stein (dpa)

Riesig, mit furchterregenden Zähnen und womöglich bunt leuchtendem Horn auf der Stirn: Ein Spinosaurus mirabilis muss wahrhaft furchteinflößend gewirkt haben.

Überreste der wohl mehr als sieben Tonnen schweren und gut zehn Meter langen Fischjäger haben Forscher in Niger an einem abgelegenen Ort in der zentralen Sahara gefunden. Das lateinische „mirabilis“ bedeutet erstaunlich, wundersam.

„Ich stelle mir diesen Dinosaurier als eine Art ‚Höllen-Reiher’ vor, der mit seinen kräftigen Beinen problemlos durch zwei Meter tiefes Wasser waten konnte, aber wahrscheinlich die meiste Zeit damit verbrachte, in flacheren Gewässern nach den vielen großen Fischen seiner Zeit zu jagen“, sagt Studienleiter Paul Sereno von der University of Chicago.

Größer noch als Tyrannosaurus rex

Tyrannosaurus ist der wohl bekannteste zweibeinige Raub-Dinosaurier, aber längst nicht der größte bekannte Vertreter dieser Gruppe. Spinosaurus, der vor etwa 100 bis 95 Millionen Jahren in Afrika lebte, war mit bis zu 18 Metern Länge noch größer.

Der Saurier mit dem knapp einen halben Meter hohen, Krummsäbelartigen Schädelkamm lebte zusammen mit langhalsigen Dinos, wahrscheinlich entlang von Flussufern, wie das Forscherteam im Fachjournal „Science“ berichtet. Dem Team zufolge handelt es sich um den ersten gesicherten Nachweis einer neuen Spinosaurus-Art seit über einem Jahrhundert.

A new Spinosaurus species uncovered in northern Niger appears to have been a wading predator of fish like its close relatives, but it lived as many as 1000 kilometers inland from the Tethys Sea. The fossil find may represent a third phase of evolution for this group of massive,… pic.twitter.com/VLrK9pruV0 — Science Magazine (@ScienceMagazine) February 19, 2026

Emotionaler Moment der Entdeckung

Der Fund des Riesenraubsauriers sei sehr emotional gewesen, erzählt Sereno. „Ich werde den Moment im Camp für immer in Erinnerung behalten, als wir uns um einen Laptop drängten, um die neue Spezies zum ersten Mal zu sehen, nachdem ein Mitglied unseres Teams 3D-Digitalmodelle der Knochen erstellt hatte, die wir gefunden hatten, um den Schädel zusammenzusetzen – mit Solarenergie mitten in der Sahara.“

Auf die Idee zu der Expedition gekommen war Sereno durch eine wissenschaftliche Abhandlung aus den 1950er Jahren, in der für dieses Areal ein einzelner riesiger Zahn beschrieben wurde. „Seit über 70 Jahren hatte niemand mehr diesen Fundort besucht“, erklärt der Dinoforscher.

Vor Ort habe dann ein heimischer Tuareg auf etwa eine Tagesreise entfernte, aus dem Sand ragende Fossilien hingewiesen. „Es war ein großes Abenteuer, durch die Sandmeere zu wandern, um einen Ort zu suchen, und dann ein noch abgelegeneres Fossiliengebiet mit der neuen Spezies zu finden.“

Kieferfragmente im Sahara-Sand

Einzelne Kieferfragmente ragten an der Fundstelle aus dem Sahara-Sand, später wurden weitere Knochenteile gefunden. Ein weiteres auffälliges Merkmal neben dem Kamm sind der anschließenden Untersuchung zufolge ineinandergreifende obere und untere Zahnreihen – eine tödliche Falle für glitschige Fische.

Zuvor wurden Überreste von Spinosauriern hauptsächlich unweit der Küste am afrikanischen Rand des einstigen Tethysmeeres gefunden, wie die Forscher weiter erläutern. Dieser urzeitliche Ozean lag zwischen den damaligen Großkontinenten.

Die nun gefundenen Fossilien überdauerten hingegen etwa 500 bis 1000 Kilometer von der nächsten Meeresküste entfernt die Jahrmillionen. Lebensraum der Tiere sei damals vermutlich von Flüssen durchzogener Wald gewesen, heißt es.