Kein Friedennobelpreis für Donald Trump

Der US-Präsident geht wieder leer aus und ist „not amused“

Dass er ihn verdient hat, steht für Donald Trump außer Frage. Und dennoch ist die höchste Friedensauszeichnung auf dem Planeten wieder nicht ihm, dem „Friedenspräsidenten“, dargeboten worden. Der US-Präsident wittert dahinter Kalkül und macht aus seinem Ärger kein Geheimnis.

Der US-Präsident geht wieder leer aus und ist „not amused“

Gebeugt vom schweren Amt und der Entscheidung des Nobelpreiskomitees, ihm wieder nicht den Friedensnobelpreis zu überreichen: US-Präsident Donalds Trump hat es derzeit wirklich nicht leicht.

Von Markus Brauer

Laut dem Testament von Alfred Nobel vom 27. November 1895 wird der Friedensnobelpreis an Personen oder Organisationen vergeben, die im abgelaufenen Jahr „am meisten oder besten für die Verbrüderung der Völker, für die Abschaffung oder Verminderung der stehenden Heere sowie für die Bildung und Verbreitung von Friedenskongressen gewirkt haben“.

Trump hat er wieder versucht – und ist leer ausgegangen

Und wer hat das nach Meinung von Donald Trump „am meisten oder besten“ getan? Natürlich Donald Trump. Aber weil er schon im vergangenen Jahr bei der Preisverleihung leer ausgegangen war, hatte sich der US-Präsident Donald bereits auf eine erneute Niederlage eingestellt.

Dennoch unternahm der 80-Jährige noch in letzter Minute einen Vorstoß und argumentierte diese Woche im Oval Office des Weißen Hauses in Washington, er habe den Friedensnobelpreis verdient, da er weltweit bei der Beilegung oder Verhinderung von Konflikten interveniert habe. Und wie schon im vergangenen Jahr – ohne Erfolg.

Man kann Trump viel unterstellen, aber eines ganz sicher nicht: Dass er nicht hartnäckig sei. Aber das Leben kann so grausam sein. Auch für den mächtigsten Mann der Welt.

Südafrikanische Juristin erhält Preis

Am Freitag (9. Oktober) hat das Norwegische Nobelkomitee den Preis an die südafrikanische Juristin Navi Pillay für ihren Einsatz für Frieden und Völkerrecht verliehen. Pillay hat ihre berufliche Laufbahn der Förderung der Menschenrechte gewidmet, indem sie die Anti-Apartheid-Bewegung in Südafrika verteidigte und Verbrechen gegen die Menschlichkeit am Internationalen Strafgerichtshof in den Haag untersuchte.

Mit dieser Entscheidung bleibt Donald Trump eine Auszeichnung verwehrt, die er lange begehrt und deren Ausbleiben er häufig beklagt hatte. Und das nur Monate, nachdem er den venezolanischen Staatschef Nicolás Maduro in einer Militäroperation gestürzt und einen Krieg gegen den Iran begonnen hatte.

„Das System des Völkerrechts steht unter enormem Druck“

Die Entscheidung des Norwegischen Nobelkomitees, Pillay zu würdigen, ist zugleich eine Zurückweisung der Bemühungen der Trump-Regierung, Sanktionen gegen den Internationalen Strafgerichtshof zu verhängen. Dieser hatte zuvor Haftbefehl gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu wegen mutmaßlicher Verbrechen erlassen, die Israel im Krieg gegen die Hamas begangen haben soll.

„Das System des Völkerrechts steht unter enormem Druck, und seine Institutionen werden angegriffen“, erklärt Jørgen Watne Frydnes, der Vorsitzende des Komitees. „Wir beobachten eine Verschiebung hin zur Machtpolitik zulasten rechtlicher Rahmenbedingungen und der weltweiten Achtung von Recht und Gerechtigkeit.“

Trump: „Ich habe weitaus mehr geleistet“

Trump hatte bereits vor der Bekanntgabe eingeräumt, dass die Auszeichnung höchstwahrscheinlich nicht an ihn gehen würde. „Ich weiß nicht, wie ihre Entscheidung ausfallen wird. Sie haben den Ruf, ihn Leuten wie mir vielleicht nicht zu verleihen. Aber ob ich ihn bekomme oder nicht – ich habe weitaus mehr geleistet, und ich denke, es wäre ein schlechtes Zeugnis für sie“, erklärte Trump am 7. Oktober vor Reportern im Oval Office.

Trump hat betont, er verdiene den Preis für die Beilegung von acht Konflikten, darunter der Krieg zwischen Israel und der Hamas, in dem seit Oktober 2025 ein formeller Waffenstillstand herrscht.

Die republikanische Abgeordnete Anna Paulina Luna aus Florida gehört zu den Verbündeten Trumps, die nach eigenen Angaben Trump für den Friedensnobelpreis nominiert haben – wegen der Vermittlung eines Waffenstillstands in diesem Konflikt und der Rückführung von Geiseln.

Krieg, Zölle, Ukraine-Deal: Trumps Taten für „Frieden“

Zu der vom Präsidenten angeführten Liste zählt auch ein Konflikt zwischen dem Iran und Israel wegen Teherans Atomprogramm. Dieser war zunächst beendet, flammte jedoch wieder auf, als die USA und Israel im Februar gemeinsam den Iran bombardierten. Der Präsident erklärte diese Woche, sein militärisches Eingreifen, um den Iran am Erwerb einer Atomwaffe zu hindern, sei einer der Gründe, warum er den diesjährigen Preis gewinnen sollte.

Zudem verwies er auf die von ihm verhängten Zölle gegen Staaten weltweit sowie auf die unter US-Führung geführten Verhandlungen zur Beendigung des russischen Krieges in der Ukraine. „Ich prahle nicht. Ich nenne Ihnen nur die Fakten. Wahrscheinlich hat kein Präsident Kriege beigelegt. Ich habe acht Kriege beendet – und zwar große“, so Trump weiter.

Vielleicht haben sich die Mitglieder des Nobelpreiskomitees auch gedacht: Diesem Dem selbsternannten „Friedenspräsidenten“ fällt es offenbar leichter, Kriege anzuzetteln, als sie zu beenden.

Vier US-Friedens-Präsidenten - und Trump geht leer aus

Vier US-Präsidenten haben den Friedensnobelpreis erhalten: Theodore Roosevelt, Woodrow Wilson, Jimmy Carter und Barack Obama, der die Auszeichnung bereits in seinem ersten Amtsjahr gewann. Insbesondere Obamas Auszeichnung hat Trump geärgert. Er vertritt die Ansicht, Obama habe „einen Preis für nichts“ erhalten.

Vorerst muss sich Trump mit anderen Friedenspreisen begnügen. FIFA-Präsident Gianni Infantino ernannte Trump im Dezember 2025 zum ersten Empfänger des FIFA-Friedenspreises, nachdem das Nobelpreiskomitee Trump in jenem Jahr übergangen hatte.

Einen Monat später überreichte die venezolanische Oppositionsführerin María Corina Machado – ihrerseits Trägerin des Friedensnobelpreises 2025 – ihren Preis an Trump, und zwar nach dem US-Militäreinsatz zum Sturz Maduros.

Das Norwegische Nobelinstitut hat erklärt, dass der Preis nicht übertragbar sei. „Die Fakten sind klar und eindeutig“, teilte das Institut bereits zuvor in einer Erklärung mit. „Sobald ein Nobelpreis verkündet wurde, kann er nicht mehr aberkannt werden.“