Der VfB kombiniert im Stil eines Topteams

Drei Tage nach dem Europa-Aus von Porto zeigen die Stuttgarter eine starke Mannschaftsleistung. Mit dem 5:2 beim überforderten FC Augsburg springt die Hoeneß-Elf in der Tabelle auf Platz drei – und Angelo Stiller darf ein zweites Mal jubeln: Er wird für die Nationalelf nachnominiert.

Von Dirk Preiß

Augsburg - Der VfB hat das Ausscheiden im Achtelfinale der Europa League beim FC Porto bestens weggesteckt. Als hätte es das 0:2 im Estádio do Dragão nie gegeben, klatschten sich Ermedin Demirovic und Deniz Undav nach Abpfiff gelassen ab. Wie die Kollegen konnten auch sie stolz auf das Geleistete im Gastspiel beim phasenweise hilflos wirkenden FC Augsburg sein. Es war ein nie gefährdeter Auswärtssieg, bei dem die Cannstatter spielerisch zu gefallen wussten.

Der VfB kommt seinem großen Ziel, sich womöglich wie in der Vizemeister-Saison 2023/24 erneut für die Champions League zu qualifizieren, also Stück für Stück näher. Beim FC Augsburg gab es einen ungefährdeten 5:2(3:0)-Auswärtssieg durch Tore von Doppelpacker Deniz Undav (12./58.), Tiago Tomas (29.), Nikolas Nartey (31.) und Ermedin Demirovic (83.) bei Gegentreffern durch Fabian Rieder (57.) und Anton Kade (71.).

„Wir haben nach Porto eine super Reaktion gezeigt. Da kann ich vor meinem Team nur den Hut ziehen. Es ist super für uns, dass wir mit dem Sieg in die Länderspielpause gehen“, sagte Trainer Sebastian Hoeneß, dessen Elf sieben Spieltage vor Saisonschluss mit drei Punkten Vorsprung auf RB Leipzig auf Tabellenplatz drei der Bundesliga vorrückt. Im Vergleich zur Europa League in Porto hatte Hoeneß fünf Veränderungen an der Startelf vorgenommen: Für Luca Jaquez, Ramon Hendriks, Atakan Karazor, Bilal El Khannouss und Ermedin Demirovic rückten Lorenz Assignon, Finn Jeltsch, Chema, Nikolas Nartey und Tiago Tomas ins Team.

Zwölf Minuten waren erst gespielt, da führte der VfB schon mit 1:0. Ausgangspunkt war Chris Führich, der auf links den Ball eroberte und ihn zu Angelo Stiller passte. Dessen Flanke von der Grundlinie landete über die zu kurze Abwehr von FCA-Keeper Finn Dahmen direkt vor den Füßen von Deniz Undav, der aus kurzer Distanz mit seinem 17. Saisontreffer nach links einschob.

Stiller konnte sich also einen Assist gutschreiben – und durfte sich zudem froher Kunde von Julian Nagelsmann erfreuen: Weil Bayerns Sechser Aleksandar Pavlovic mit Problemen am Hüftbeuger am Sonntag absagen musste, nominierte der Bundestrainer den 24-jährigen VfB-Regisseur für die Länderspiele in Basel gegen die Schweiz am Freitag sowie gegen Ghana in Stuttgart am Montag der nächsten Woche nach.

In Augsburg spielte weiterhin nur der VfB – die fünf Wechsel konnten dem Spielfluss der Hoeneß-Elf also nichts anhaben. Ganz im Gegenteil, die Stuttgarter Pass- und Laufwege stimmten: In der 29. Minute dann das 2:0 nach einer Aktion zum Zungeschnalzen für alle Stuttgarter Fans. Eine zu kurze Augsburger Abwehr köpfte Chema steil in den Strafraum zu Nartey, der legte mit der linken Hacke zurück auf Tomas, der wiederum mit rechts seinen vierten Saisontreffer erzielte.

Kurz darauf Tor Nummer drei für den Pokalsieger, der die gewaltigen Lücken im Defensivspiel der Fuggerstädter eiskalt ausnutzte. Diesmal flankte Maximilian Mittelstädt unbedrängt von links an den Fünfmeterraum zu Nartey, der wenig Mühe hatte, zum beruhigenden 3:0 einzuschieben (31.). Wie sein Vordermann Führich, der seit Wochen stark aufspielt, gefiel auch Mittelstädt durch eine ansehnliche Mischung aus Tempo, Technik und Einsatz. Gerade so, als wollte das für den anstehenden Länderspielblock verschmähte Duo dem Bundestrainer Julian Nagelsmann noch einmal eindrücklich demonstrieren, was er verpasst.

Nach der Pause schaltete der VfB dann als Kollektiv nach einer bärenstarken ersten Hälfte einen Gang herunter. Die drei wichtigen Punkte gerieten aber dennoch niemals in Gefahr, obwohl der Ex-Stuttgarter Fabian Rieder mit links zum 1:3 traf (57.). Denn im direkten Gegenzug stellte erneut Undav auf 4:1. (58.), ehe Kade das 2:4 gelang (71.) und Demirovic mit seinem neunten Saisontor den 5:2-Endstand herstellte (83.).

Nach der Länderspielpause wartet auf den VfB am Osterwochenende, genauer am Samstag, den 4. April (Anpfiff um 18.30 Uhr), das Bundesliga-Topspiel des Zweiten beim Dritten, wenn Borussia Dortmund mit Trainer Niko Kovac am Neckarufer zu Gast ist.