Die Europareise des VfB geht zu Ende

Nach einer über weite Strecken guten Leistung verliert der VfB Stuttgart das Achtelfinal-Rückspiel in der Europa League beim FC Porto mit 0:2. Damit endet die internationale Saison, weiter geht es am Sonntag beim FC Augsburg.

Von David Scheu

Porto - Es war 21.30 Uhr Ortszeit in Porto, die Partie des VfB Stuttgart gegen den heimischen FC noch lange nicht vorüber – die Europareise der Gäste aus dem deutschen Südwesten allerdings bereits dem Ende geweiht. Der VfB hatte im Achtelfinal-Rückspiel der Europa League eine über weite Strecken gute Partie abgeliefert, doch wie schon im Hinspiel eine Woche zuvor reichten dem FC Porto einige starke Szenen, um den Einzug ins Viertelfinale perfekt zu machen. Alles klar war dann in dieser 72. Minute.

Der Däne Victor Froholdt traf sehenswert zum 2:0. Das Aus des VfB war bei einem Gesamtstand von 1:4 besiegelt. Das wussten die elf Spieler auf dem Feld. Das wusste auch Sebastian Hoeneß an der Seitenlinie. „Wir sind gegen eine der besten Mannschaften des Wettbewerbs ausgeschieden“, sagte er nach dem Schlusspfiff. Der Coach des VfB hatte seine Startformation gegenüber dem 1:0-Erfolg gegen RB Leipzig am vergangenen Sonntag auf zwei Positionen verändert. Jamie Leweling fehlte angeschlagen, seine muskulären Probleme ließen einen Einsatz nicht zu. Dazu musste Finn Jeltsch seinen Platz in der Dreier-Abwehrkette räumen. Ihn ersetzte Jeff Chabot, auf der rechten Außenbahn agierte der Linksverteidiger Maximilian Mittelstädt. Das mutete ungewöhnlich an – aber der Hoeneß-Plan („Klug spielen, aber mit heißem Herzen“) ging zunächst auf.

Der VfB demonstrierte den Willen, die 1:2-Niederlage aus dem Hinspiel mindestens auszugleichen. Und die Stuttgarter kamen auch schnell in die für den FC Porto gefährliche Zone. Jeff Chabot köpfte übers Tor (2. Minute), den Schuss von Chris Führich lenkte Keeper Diogo Costa über die Latte, und in der 13. Minute hatten alle VfB-Fans im Estadio do Dragao den Torschrei schon auf den Lippen. Der Schuss von Deniz Undav verfehlte aber knapp das Tor.

Es blieb zunächst beim 0:0, der VfB war aber viel besser im Spiel als noch vor einer Woche – doch dann passierte das, was nicht passieren sollte. In der verflixten 21. Minute reichten wie im Hinspiel ein paar kleine Unpässlichkeiten, um für Unheil zu sorgen.

Atakan Karazor musste ins Laufduell mit Borja Sainz. Er bekam rechtzeitig Hilfe, doch sein Klärungsversuch im eigenen Strafraum erreichte dann fast zufällig William Gomes – der einschieben konnte, weil VfB-Abwehrspieler Ramon Hendriks ihn in seinem Rücken übersehen hatte. Zum selben Zeitpunkt wie im Heimspiel kassierten die Stuttgarter also das Gegentor – und brauchten nun zwei eigene Treffer, um in der Gesamtrechnung zumindest auszugleichen.

Schon zu Beginn der zweiten Hälfte erhöhte Hoeneß daher das Maß an Offensivdrang. So entwickelte sich früh eine Art Powerplay – auch, weil die Portugiesen sich schnell darauf zurückzogen, den Vorsprung zu verteidigen. Der VfB hatte es schwer, zu Chancen zu kommen. Und wenn es eine gab, demonstrierte Diogo Costa seine Klasse. So wie bei einem weiteren Schuss von Deniz Undav, den der FC-Keeper mit einem Mega-Reflex parierte (54. Minute). „Er hat Bälle gehalten, die man nicht halten muss“, sagte der Angreifer später über den Torwart und lobte: „Er war brutal.“ Hoeneß ergänzte: „Vor ihm müssen wir den Hut ziehen.“

Die Gäste ließen nicht nach. Kombinierten, flankten, bauten Angriff für Angriff neu auf, wurden aber nur noch selten richtig gefährlich. „Wir hatten das Spiel komplett im Griff. Was uns gefehlt hat, waren Tore“, sagte Hoeneß, der seiner Mannschaft ein „Riesenkompliment“ machte. Doch dieses Team bekam vom FC Porto dann gnadenlos vorgeführt, was eine effiziente Spielweise ist.

Nach einem hohen Ball in die Stuttgarter Hälfte scheiterten mehrere Klärungsversuche des VfB. Am Ende war Victor Froholdt am Ball, und der Däne drosch die Kugel traumhaft schön ins linke, obere Toreck. Wenig später sah Stuttgarts Däne Nikolas Nartey noch Gelb-Rot innerhalb von zwei Minuten. Dann war bald Schluss.

Mit dem Spiel. Und mit den internationalen Auftritten des VfB – der nun noch zwei Ziele verfolgt in dieser Saison. „Wir haben alles gegeben und können heute traurig sein“, sagte Undav, richtete den Blick aber schnell nach vorn. „Wir wollen im Pokal ins Finale und in der Liga in den Champions-League-Plätzen bleiben.“ Am Sonntag (19.30 Uhr) in Augsburg braucht es dafür wieder eine gute Leistung. Und dann auch ein gutes Ergebnis.