Wahlprognose USA

Diese Midterms-Ergebnisse erwartet die umstrittene Plattform Polymarket

Ob „Prognosemarkt“ oder Krypto-Wettbüro – die Polymarket-Wahlquoten werden viel beachtet. Was sie am 3. November aussagen und warum der Senat spannender bleibt als das Repräsentantenhaus.

Diese Midterms-Ergebnisse erwartet die umstrittene Plattform Polymarket

Mit Polymarket kann man auf globale Ereignisse wie den Ausgang der Midterms wetten.

Von Michael Maier

Die Demokraten gehen beim Polymarket als klare Favoriten in die US-Midterms 2026. Die Krypto-Prognosemärkte, deren Rolle und Aussagekraft durchaus umstritten sind, beziffern ihre Chance auf eine Mehrheit im Repräsentantenhaus auf rund 95 Prozent, im Senat auf rund 77 Prozent. Ein Sieg in beiden Kammern gilt demnach als wahrscheinlichstes Szenario. Doch die Zahlen zeigen zugleich, wo es noch etwas Unsicherheit gibt, und zwar im Rennen um den Senat.

Klare Verhältnisse im Repräsentantenhaus

Der für den 3. November, 10 Uhr MEZ, dokumentierte Kursstand macht den Abstand zwischen den beiden Kammern sichtbar. Polymarket liefert folgende Wahrscheinlichkeiten für eine Mehrheit:

Für das Repräsentantenhaus preist der Markt damit eine sehr starke demokratische Favoritenrolle ein. Beim Senat ist die Ausgangslage weniger eindeutig: Mit 23,5 Prozent bleibt eine republikanische Mehrheit ein relevantes Szenario. Eine hohe Gewinnwahrscheinlichkeit sagt außerdem nichts darüber aus, wie groß die spätere Sitzmehrheit ausfallen würde – gegebenenfalls wahrscheinlich sehr knapp, etwa mit 51:49.

Die Bewegung in der letzten Woche verlief ebenfalls zugunsten der Demokraten. Ihre Marktchance auf den Senat stieg im dokumentierten Vergleich um zehn Prozentpunkte, die auf das Repräsentantenhaus um drei Punkte. Besonders beim Senat hat sich die Einschätzung der Händler damit deutlich verschoben.

Mehrheit in beiden Kammern zu 77 Prozent wahrscheinlich

Im separaten Markt zur Machtverteilung im Kongress insgesamt zeigt Polymarket rund 77 Prozent für einen demokratischen Sieg in beiden Kammern an. Die nächstwahrscheinliche Kombination ist ein republikanischer Senat bei demokratischer Mehrheit im Repräsentantenhaus mit rund 19 Prozent.

Ein republikanischer Sieg in beiden Kammern wird mit rund sechs Prozent bewertet. Die umgekehrte Aufteilung, ein demokratischer Senat und ein republikanisches Repräsentantenhaus, liegt unter einem Prozent. Diese Werte stammen aus separat gehandelten Kontrakten. Zusammen mit der Rundung erklärt das, warum sich nicht immer eine exakt auf 100 Prozent summierte Verteilung ergibt.

Knappes Rennen in Iowa

Ein Blick auf einzelne Senatsrennen zeigt, wie unterschiedlich die Favoritenrollen in den Prognosemärkten ausfallen. In Iowa liegt der Demokrat Josh Turek in der abgerufenen Polymarket-Übersicht bei 53 Prozent. Das ist nur ein kleiner Vorsprung gegenüber einer ausgeglichenen Marktchance. In Kansas wird Adam Hamilton (D) mit 63 Prozent geführt, sein Parteifreund James Talarico in Texas mit 75 Prozent. Aus den Favoriten einzelner Rennen allein lässt sich allerdings noch keine sichere Senatsmehrheit ableiten.

Kryptische Wettbörse Polymarket

Polymarket bündelt die Einschätzungen von Krypto-Händlern in Preisen. Die angezeigte Wahrscheinlichkeit entspricht normalerweise dem Mittelwert zwischen dem höchsten Kaufgebot und dem niedrigsten Verkaufsangebot. Ist dieser Abstand größer als zehn Cent, verwendet die Plattform stattdessen den zuletzt gehandelten Preis. Die Werte verändern sich mit Angebot und Nachfrage. Mit Wohnsitz in Deutschland ist die Teilnahme an solchen Buchmacher-Wetten verboten.

Für die Wahlnacht bedeutet das: Die demokratische Favoritenrolle ist der Ausgangspunkt, an dem sich neue Informationen messen lassen. Besonders im Senat bleibt noch Raum für Überraschungen. Die vorliegenden Quoten beschreiben die Erwartungen vor der Auszählung, was nicht mit Umfragen demoskopischer Institute gemein hat. Wie die Wähler tatsächlich entschieden haben, zeigen erst die Ergebnisse.

Polymarket „ehrlicher“ als Umfragen?

Die Rolle und Aussagekraft von „Prediction Markets“ wie Polymarket ist umstritten. Kritiker monieren, dass es sich schlicht um Wetten und damit um Glücksspiel handelt, außerdem haben Teilnehmer nachweislich bereits mehrfach Insider-Kenntnisse in Gewinne umgemünzt. Befürworter argumentieren, weil es bei den Wetten ums Geld der Teilnehmer gehe, seien deren Einschätzungen „ehrlicher“ als bei klassischen Wahl-Umfragen, wo mehr gelogen werde, wenn Menschen etwa nicht zugeben wollten, dass sie Trump wählen.

Bei der Präsidentenwahl 2024 in den USA hatte Polymarket den Sieg von Donald Trump im Gegensatz zu traditionellen Umfragen korrekt prognostiziert. Mitunter liegt das Portal aber auch völlig falsch oder kann manipuliert werden. So wurde kürzlich etwa eine Wahrscheinlichkeit von über 70 Prozent für einen Wahlsieg von Vučić in Serbien ausgewiesen. Es kam bekanntlich ganz anders.

Diese Midterms-Ergebnisse erwartet die umstrittene Plattform Polymarket

Die Schere hat sich zugunsten der Demokraten geöffnet.