Lautlose Killer auf dem Vormarsch

Ebola ist zurück: Was wir über die Viren-Epidemie im Kongo wissen

Der Fluss Ebola hat dem Virus den Namen gegeben. Der Katastrophenfilm „Outbreak – Lautlose Killer“ unter der Regie von Wolfgang Petersen hat es auch in Europa bekannt gemacht. Was über den neuen Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo bekannt ist.

Ebola ist zurück: Was wir über die Viren-Epidemie im Kongo wissen

Gummistiefel und Handschuhe zum Infektionsschutz vor Ebola hängen zum Trocknen in einem Hopital in Goma in der Demokratischen Republik Kongo.

Von Markus Brauer/AFP/KNA

Der Ebola-Ausbruch in der Demokratischen Republik Kongo hat international große Besorgnis ausgelöst. In Deutschland soll nun ein im Kongo an Ebola erkrankter US-Bürger behandelt werden. Die Zahl der Todesopfer im Zusammenhang mit der dortigen Epidemie ist auf über 130 gestiegen.

Wegen der Verbreitung der seltenen Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus gilt seit Sonntag (17. Mai) eine „gesundheitliche Notlage von internationaler Tragweite“ – die zweithöchste Alarmstufe der Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Mit der Erklärung einer solchen Notlage rüttelt die WHO Regierungen auf, ihre Überwachung zu verstärken, nach Ausbrüchen Ausschau zu halten und sich auf eine mögliche Ausbreitung vorzubereiten. Alle Maßnahmen werden von den jeweiligen Regierungen beschlossen, die WHO hat keine Befugnisse, Maßnahmen anzuordnen.

Wie viele Opfer hat der aktuelle Ebola-Ausbruch bisher gefordert?

Mit dem aktuellen Ebola-Ausbruch werden laut dem kongolesischen Gesundheitsminister Samuel Roger Kamba bereits mehr als 130 Todesopfer in Verbindung gebracht. Insgesamt wurden etwa 500 Verdachtsfälle gemeldet.

Das Epizentrum der Epidemie befindet sich in Ituri, einer Provinz im Nordosten der Demokratischen Republik Kongo, die an Uganda und den Südsudan grenzt. In der Region wird Gold gefördert. Das hat zur Folge, dass dort viele Menschen unterwegs sind. Der Zugang in einige Gebieten der Provinz wird dadurch erschwert, dass dort verschiedene bewaffnete Gruppen aktiv sind.

 

Warum besteht zurzeit nur ein regionales Risiko?

Das Virus hat sich bereits über die Grenzen der Provinz Ituri und des Kongos hinweg ausgebreitet. Am Sonntag wurde ein Fall aus Goma gemeldet, der Hauptstadt von Ituris Nachbarprovinz Nord-Kivu, die von der aufständischen M23-Miliz kontrolliert wird.

Nach WHO-Angaben vom Montag (18. Mai) meldete zudem das Nachbarland Uganda zwei Todesfälle. Es handelte sich allerdings um aus dem Kongo eingereiste Menschen. Ein eigener Ausbruchsherd wurde in Uganda bislang nicht festgestellt.

Die Gesundheitsbehörde der Afrikanischen Union rief am Montagabend für den gesamten Kontinent den Notstand aus. Sie begründete dies unter anderem mit dem „hohen Risiko einer regionalen Ausbreitung“ sowie wegen des „intensiven grenzüberschreitenden Personenverkehrs“ und der „Mobilität im Zusammenhang mit Bergbauaktivitäten“.

Was bedeutet die WHO-Alarmstufe?

Die WHO setzte nach der Ausrufung der zweithöchsten Warnstufe für Dienstag (19. Mai) eine Krisensitzung an. WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus sagte vor den Teilnehmern der derzeitigen Weltgesundheitsversammlung in Genf, er sei „zutiefst besorgt“ über das „Ausmaß und die Geschwindigkeit“ der Ausbreitung des Ebola-Virus.

Was ist Ebola?



Welche unterschiedliche Formen der Erkrankung existieren?

Die Gattung Ebolavirus gehört zur Familie der Filoviren und wird in fünf Spezies unterteilt:

Wo kommt das Ebolavirus her?

Vermutlich sind Flughunde oder Fledermäuse das Reservoir für das Ebolavirus. Allerdings ist diese Frage noch nicht abschließend geklärt. Für den Ausbruch 2014/2015 in Westafrika gibt es Hinweise, dass eine Fledermaus-Art eine mögliche Wildtier-Quelle für das Ebolavirus war.

Wie wird Ebola übertragen?

In der Regel beginnt ein Ausbruch in einem Endemiegebiet mit einer einzelnen Übertragung von Tier zu Mensch. Die Folgefälle sind dann aber meist Mensch-zu-Mensch-Übertragungen. Sie erfolgen durch direkten körperlichen Kontakt zu Ebolafieber-Erkrankten oder -Verstorbenen, insbesondere durch direkten Kontakt mit deren Körperflüssigkeiten wie etwa Blut, Urin, Speichel oder Erbrochenes übertragen..

Auch bei Kontakt mit infektiösen Tieren oder Tierprodukten kann das Ebolavirus auf den Menschen übertragen werden, zum Beispiel bei der Jagd oder bei der Schlachtung, Zubereitung und dem Verzehr von unzureichend erhitztem Fleisch aus betroffenen Gebieten.

Mit dem Ebolavirus infizierte Menschen sind erst dann ansteckend, wenn sie Krankheitssymptome zeigen. Für eine Tröpfchen-Übertragung durch die Luft gibt es keine Hinweise.

Gibt es erprobte Impfungen?

Die gegenwärtige Ebola-Epidemie wird von der seltenen Bundibugyo-Variante verursacht. Gegen sie gibt es keinen Impfstoff und keine gezielte Therapie. Im Zentrum der Eindämmungsbemühungen stehen daher Abstandsregeln und der schnelle Nachweis neuer Infektionen, um die Zahl der Kontaktpersonen klein zu halten.

Die WHO-Repräsentantin für die DR Kongo, Anne Ancia, erklärte, es werde auf internationaler Ebene geprüft, „welcher Impfstoff-Kandidat oder welche Behandlung verfügbar sind und ob irgendwelche davon bei diesem Ausbruch von Nutzen sein könnten“.

Die existierenden Ebola-Impfstoffe schützen vor der Zaire-Variante, die einige der größten Ebola-Ausbrüche in Afrika verursacht hat. Die Bundibugyo-Variante verursachte vor der aktuellen Epidemie bislang nur zwei Ausbrüche weltweit: 2007 in Uganda und 2012 im Kongo. Die Sterblichkeitsrate liegt bei dieser Variante bei 30 bis 50 Prozent und damit deutlich niedriger als bei der Zaire-Variante mit fast 90 Prozent.

Wie schnell breitet sich Ebola aus?

Die bislang tödlichste Ebola-Epidemie ereignete sich zwischen 2018 und 2020 in der Demokratischen Republik Kongo. Damals starben fast 2300 der insgesamt rund 3500 Erkrankten. Bei der letzten Ebola-Epidemie gab es laut WHO zwischen September und Dezember vergangenen Jahres 45 Todesopfer.

Das große zentralafrikanische Land Kongo mit seinen mehr als 100 Millionen Einwohnern hat schon viel Erfahrung im Umgang mit Ebola-Ausbrüchen. Die Besonderheiten der gegenwärtigen 17. Ebola-Epidemie im Land bereiten Experten allerdings Sorgen.

„Das ist eine Epidemie, die sich sehr schnell ausbreiten wird, umso mehr, als sie sich in einer sehr stark bevölkerten Provinz ereignet“, warnt der Virologe Jean-Jacques Muyembe. Er gehört zu den Entdeckern des Ebola-Virus und leitet das kongolesische Institut, das den erneuten Ebola-Ausbruch nachgewiesen hat.

Was löste die aktuelle Epidemie aus?

Derzeit laufen epidemiologischen Untersuchungen, um zu bestimmen, wie die aktuelle Ebola-Epidemie ausgelöst wurde. Bei dem ersten nachgewiesenen Fall handelte es sich um einen Krankenpfleger, der sich am 24. April mit auf Ebola hindeutenden Symptomen in einer Gesundheitseinrichtung in Ituris Hauptstadt Bunia meldete. Der mutmaßliche Ausbruchsherd wurde aber rund 90 Kilometer davon entfernt lokalisiert, in der Kleinstadt Mongbwalu.

Die WHO wurde am 5. Mai über den Ausbruch einer Krankheit mit hoher Sterblichkeitsrate informiert, nachdem binnen vier Tagen in der Gegend von Mongbwalu vier Menschen gestorben waren, die im medizinischen Bereich arbeiteten.

Warum gilt Ebola als „mystische Krankheit?

Menschen, die an der Bundibugyo-Variante des Ebola-Virus erkranken, entwickeln zunächst Symptome wie bei einer Grippe oder Malaria. Dies kann die Diagnose verzögern.

Laut dem kongolesischen Gesundheitsminister Kamba wurde die Entdeckung des Ebola-Ausbruchs zudem dadurch verzögert, dass die betroffenen Gemeinden zunächst an eine „mystische Krankheit“ oder „Hexerei“ geglaubt und sich daher nicht an Gesundheitseinrichtungen und die Behörden gewandt hätten.