Ein Ausweg ist nicht erkennbar

Der Iran erweist sich als schwer überwindbarer Gegner. Mit einem Frieden jetzt wäre aber nichts gewonnen.

Von Eidos Import

Vier Wochen dauert der Iran-Krieg nun bereits. Und wenn man ihn nach den ersten militärischen Erfolgen bewertet, läuft er nicht schlecht für die USA und Israel. Es gab bislang kaum Verluste unter ihren Soldaten oder ihrem Militärgerät. Die Spitzen des islamischen Regimes wurden gleich zu Beginn getötet, seine Marine ist weitgehend versenkt, Abschussrampen und Produktionsstätten von Raketen sind zerstört.

Besiegt ist der Iran trotzdem bisher nicht. Im Gegenteil – er überzieht die Nachbarländer weiterhin mit Drohnenangriffen. Das größte Druckmittel des Regimes, die Blockade der Öllieferungen aus dem Persischen Golf, hat US-Präsident Donald Trump bereits mehrfach zum Einlenken und zum Verlängern von Ultimaten gezwungen. Angeblich will Trump nun einen Friedensvertrag verhandeln. Das kann ein Bluff sein. Aber was, wenn nicht? Ein Ende des Krieges würde zwar die Zerstörungen sowie die Tötung von Zivilisten beenden und den Ölpreis sinken lassen, trüge aber gewaltige Risiken in sich.

Viele der verkündeten Kriegsziele der Amerikaner und Israelis sind bislang nicht erreicht. Das mag eine Genugtuung für alle sein, die diesen Krieg zu Recht für völkerrechtswidrig halten. Doch die Bedrohung durch den Iran bestünde auch im Falle eines Friedensvertrages fort.

Ein Atomabkommen gab es schließlich schon mal. Es wurde 2018 von Trump in seiner ersten Amtszeit aufgekündigt, und es hinderte den Iran nicht daran, unverdrossen Uran auf ein nuklearwaffenfähiges Niveau anzureichern. 400 Kilogramm – genug, um damit ein paar Atombomben zu bauen – sind immer noch verschwunden. Wer wollte das Mullah-Regime daran hindern, im Geheimen weiter daran zu forschen, zumal es die beiden Atommächte Russland und Nordkorea zu seinen Verbündeten zählt? Ähnliches gilt für die Produktion von Raketen, die inzwischen 4000 Kilometer weit fliegen, also Europa erreichen können. Oder für die Unterstützung von Stellvertreter-Milizen wie der Hisbollah und der Huthis.

Zudem hat die iranische Führung jetzt erkannt, wie mächtig ihr Würgegriff gegen den internationalen Ölhandel in der Straße von Hormus ist. Sie könnte dieses Druckmittel in jedem künftigen Konflikt erneut einsetzen.

Nach einem schnellen Kriegsende würde sich innerhalb des Irans auch machtpolitisch etwas verschieben. Die allgegenwärtigen, tief mit der Wirtschaft verbandelten Revolutionsgarden könnten mit dem Nimbus in die Zukunft gehen, sich im Endkampf mit den erklärten Todfeinden Israel und USA sowie gegen die stärkste Streitmacht der Welt behauptet zu haben. Für die iranische Bevölkerung wäre nichts gewonnen. Denn die Revolutionsgarden mit ihrer Basidsch-Freiwilligenmiliz würden weiterhin jegliche Freiheitsbestrebung im Volk unterdrücken.

Nicht zuletzt wäre im Falle eines fragwürdigen Friedensschlusses auch die Bundeswehr gefordert. Mitglieder der Bundesregierung haben die Bereitschaft Deutschlands unterstrichen, an der Absicherung der Straße von Hormus mitzuwirken, zuletzt Verteidigungsminister Boris Pistorius. Es wäre ein weiterer, gefährlicher Auftrag.

Aber vielleicht will Trump mit seinen Verhandlungsbemühungen auch nur Zeit gewinnen, um den Krieg demnächst mit neuer Kraft fortzusetzen, wenn genügend Bodentruppen vor Ort sind. Dass sein Verteidigungsminister Pete Hegseth, der sich Kriegsminister nennt, den US-Kongress um 200 Milliarden Dollar für den Krieg bittet und Tausende weitere Soldaten demnächst in Marsch gesetzt werden könnten, deutet zumindest darauf hin. Aus diesem verkorksten Krieg einen gesichtswahrenden Ausweg zu finden, ist inzwischen unmöglich geworden.