Liselotte Rommel ist es gewesen, die den jungen Manfred einst „auf die richtige Bahn“ gelenkt hat. Jetzt ist die Ehefrau des früheren Oberbürgermeisters von Stuttgart 97-jährig gestorben.
Liselotte und Manfred Rommel nach der gewonnenen OB-Wahl 1974
Von Jan Sellner
Stuttgart - „Wir haben in aller Stille Abschied genommen“, steht unter den Lebensdaten von Liselotte Rommel, geborene Daiber (18. März 1929 – 21. Mai 2026). Darüber ein Satz des lebensweisen französischen Dichters Antoine de Saint-Exupéry: „Erst die Zeit, die du investiert hast, macht etwas wirklich bedeutsam.“
Die von der Pflegetochter Catherine Rommel und anderen Familienmitgliedern gezeichnete Todesanzeige sagt einiges aus über die Frau des früheren Stuttgarter Oberbürgermeisters Manfred Rommel (1928-2013), die jetzt 97-jährig verstarb. In aller Stille lebte sie jahrelang in dem gemeinsamen Einfamilienhaus in Stuttgart-Sillenbuch. In aller Stille wirkte sie als Frau des viel beschäftigten und viel beachteten Manfred Rommel ohne jede Ambitionen auf eine „First-Lady“-Rolle in der Stadt – im Gegensatz etwa zu Yvonne Klett, der Frau von Rommels Vorgänger Arnulf Klett.
Liselotte – genannt Lilo – Rommel hielt sich mit wenigen Ausnahmen im Hintergrund. Eine Schiffstaufe 1980 in Rotterdam, eine Tunneltaufe 1982 an der Neuen Weinsteige, dazu ein paar Schirmherrschaften und das Engagement beim Deutsch-Amerikanischen Frauenclub und beim Schwäbischen Frauenverein – das war's an öffentlichkeitswirksamen Tätigkeiten. Auch sonst machte sie während der 22-jährigen Amtszeit ihres omnipräsenten Mannes und darüber hinaus kein Aufhebens von sich. Bitte keinen Aufwand, keinen Empfang – diese Formulierungen wiederholten sich, ob bei ihrem 70., 75. oder 80. Geburtstag. Sie wolle in aller Stille, im Familienkreis, feiern, ließ sie wissen. Dabei blieb es.
Liselotte Rommel liebte das Internationale
Zeit investierte die gebürtige Ulmerin und studierte Romanistin in ihren Beruf als Lehrerin am Königin-Katharina-Stift, an dem sie Französisch und Geschichte unterrichtete und den sie 14 Jahre lang ausübte. Sie sprach überdies Englisch, Italienisch und auch etwas Russisch. Das Internationale lag ihr. Zu den eindrücklichsten Erlebnissen zählte sie später Reisen in die Stuttgarter Partnerstädte Cardiff, St. Louis und Kairo sowie Begegnungen mit Persönlichkeiten, wie Jerusalems Bürgermeister Teddy Kollek und dem ägyptischen Präsidenten Anwar el Sadat. Auch ein Besuch einer russischen Delegation in ihrem Garten in Sillenbuch hinterließ einen nachhaltigen Eindruck.
Zeit investierte sie auch in die Erziehung der Nichte Catherine, die als Neunjährige zu den Rommels kam und von diesen adoptiert wurde. Sie hätten gerne auch eigene Kinder gehabt, aber „man kann nichts erzwingen“, sagte Rommel später im Gespräch mit dem Journalisten Josef Schunder, der eine lesenswerte Rommel-Biografie verfasst hat („Manfred Rommel – ein gelernter Demokrat“). Darin schildert er auch, was der Stuttgarter OB meinte, als er sagte, sie – Lilo –, die er bei gemeinsamen Zugfahrten von Ulm nach Tübingen kennenlernte, habe ihn auf die richtige Bahn gelenkt: „Allein schon die Person der fleißigen und wohlorganisierten Studentin beflügelte den Träumer, sich auf sein Studium (der Juristerei) zu konzentrieren und den Grundstein für seine spätere Karriere zu legen.“ 1954 heirateten die beiden.
Achtsam porträtiert wurde Liselotte Rommel auch von der Journalistin Heidemarie Hechtel, die sie mehrfach traf, und der sie offen beschrieb, wie wenig Raum der Beruf ihres Mannes ließ, gemeinsam Zeit zu verbringen. „Interessant, strapaziös und ermüdend“ nannte sie dessen Amtszeit: „Abends brauchte er seine Ruhe, sonntags schrieb er seine Reden.“ Für Privates war kaum Zeit. Zwei Wochen Sommerurlaub in den Bergen – das musste genügen, weil die Leute sonst bemerkt hätten, dass sie ihn gar nicht bräuchten, wie Manfred Rommel zu witzeln pflegte.
Doch auch von ihr ist ein Bonmot überliefert, das aus der Feder ihres Mannes stammen könnte und dezent zum Ausdruck bringt, woran es in ihrem vollen Leben wohl doch manchmal fehlte: „Ich habe damals im ersten Moment gedacht, er regiert jetzt Stuttgart. Es war eher so, dass Stuttgart ihn regiert hat.“