Im Streit um die Einführung des digitalen Euro liefert US-Präsident Trump inzwischen die besten Argumente für diesen Schritt.
Die EU arbeitet an einem digitalen Euro – doch das Bargeld wird dadurch nicht abgeschafft.
Von Knut Krohn
Es gibt sehr viele Argumente für die Einführung des digitalen Euro. Inzwischen liefert US-Präsident Donald Trump mit seinem erratischen Handeln fast täglich neue hinzu. Einem in seinen Augen unbotmäßigen Richter am Internationalen Strafgerichtshof in Den Haag gezielt die Kreditkarten zu sperren, ist ein eher bizarr anmutender Fingerzeig, wozu der Mann im Weißen Haus fähig ist. Der Fall zeigt allerdings an einem sehr konkreten Beispiel, wie gefährlich es ist, dass Europa bei der Abwicklung eines Großteils des Zahlungsverkehrs abhängig von US-Unternehmen ist.
Das Versagen der Wirtschaftsbosse
Wer auf die mäßigenden Kräfte des Marktes gehofft hatte, sieht sich bitter enttäuscht. Ausgerechnet die Chefs der schier übermächtigen Internet-Giganten und Onlineplattformen übernehmen in Trumps Spiel eine wenig rühmliche Rolle. Eine Lehre daraus muss sein: In einer Welt, in der das Recht immer weniger und die Macht immer mehr wiegt, ist es überlebenswichtig, sich schrittweise unabhängig zu machen.
Bargeld wird immer weniger genutzt
Doch nicht nur die beängstigenden Entwicklungen in der Weltpolitik sprechen für die digitale europäische Währung. Immer weniger Menschen bezahlen ihre Einkäufe bar. Waren es 2017 in Deutschland noch rund drei Viertel der Verbraucher, greift inzwischen über die Hälfte zur Karte, zum Handy oder der Smartwatch. In anderen Ländern ist dieser Trend noch deutlicher. In Schweden bezahlen rund 90 Prozent der Menschen bargeldlos.
Und ein vor allem in Deutschland wichtiges Argument lautet: Das Bargeld wird nicht abgeschafft. Jeder Mensch wird auch in Zukunft seine Ersparnisse im Tresor deponieren oder mit Münzen und Scheinen beim Bäcker bezahlen können – ganz ohne elektronische Spuren zu hinterlassen.