Luxuskonzern LVMH

Eine schrecklich reiche Familie

Bernard Arnault, Vorsitzender des Luxusgüterkonzerns LVMH, bringt seine Kinder für seine Nachfolge in Stellung. Aber zuerst erhöht er noch die eigene Altersgrenze.

Eine schrecklich reiche Familie

Ein Teil der Familie: Helene Mercier-Arnault , ihr Mann Bernard, Schwiegertochter Natalia Vodianova und Sohn Antoine.

Von Stefan Brändle

LVMH ist mit seinen 60 Marken wie Louis Vuitton, Dior oder Bulgari der weltgrößte Luxuskonzern und gehört in jedes bessere Finanzportfolio. Umso heftiger wogt die Debatte seit der jüngsten Jahresversammlung, an der Arnault für eine Premiere gesorgt hatte: Der 77-jährige Gründer und Vorsteher des Luxusimperiums lud erstmals seine Kinder ein, vor den Aktionären ihre jeweilige Sparte zu präsentieren. Es ist bemerkenswert: Alle fünf Sprösslinge arbeiten für LVMH. Jean, mit 27 Jahren der Benjamin, stellte die Uhren Louis Vuitton vor, als deren Markendirektor er fungiert; Frédéric (30) pries die italienische Kaschmir-Marke Loro Piana, die er aus Paris leitet, und Alexandre (33) die amerikanische Schmuck-Herstellerin Tiffany.

Vier der fünf Kinder gehören zum Verwaltungsrat des Konzerns

Fest etabliert im Familienkonzern sind die zwei Älteren aus Arnaults erster Ehe: Delphine (51) präsentierte die Dior-Mode, Antoine (48) die Image-Strategie des Konzerns. Beide wirken schon seit längerem im Leitungsausschuss des Markenreiches. Vier der fünf Arnault-Kinder gehören ferner zum Verwaltungsrat.

Der Familien- und Konzernchef verfolgte die Auftritte vom Podium aus. „Okay, jetzt haben Sie die Kinder selber gesehen“, meinte Arnault im Anschluss leicht amüsiert. «Wirken sie sehr ehrgeizig? Ich weiß nicht. Sagen Sie es mir!“

Seither liest man bissige Kommentare, Arnault habe seine Kinder den Aktionären wie im Zirkus vorgeführt. Wohlmeinende Stimmen heben dagegen hervor, wie stolz der Patriarch sei, dass all seine Töchter und Söhne seinem Weg gefolgt seien und bereits Führungspositionen einnähmen.

Spekulationen über einen „Erbfolgekrieg“

Der Grund für die offenbar kurzfristig organisierten Auftritte ist wohl prosaischer. Im Vorfeld der Jahresversammlung hatte das Pariser Wochenmagazins Obs über den „Erbfolgekrieg“ in der Familie spekuliert. Die Familie sei „zerrissen“, ja „zersetzt“, hieß es ohne handfeste Belege oder Aussagen. In der Folge gab die heutige Arnault-Gattin Hélène Mercier, Profi-Pianistin und Mutter der drei jüngsten Söhne, eine Reihe von Interviews, in denen sie die „Einheit“ der Familie herausstrich.

Die Frage um den Zusammenhalt der Arnaults ist Milliarden wert. LVMH steckt wie die meisten Namen der Luxusbranche unter Druck. Schon im letzten Jahr gingen die Verkäufe beim Cognac Hennessy und den Champagnermarken Moët&Chandon oder Dom Pérignon zurück. Jetzt leiden auch andere Stammsparten kriegsbedingt unter dem Verlust ihrer reichen Klientel in China und am Golf. Das ist neu für den erfolgsverwöhnten LVMH-Konzern: Der Jahresumsatz ging 2025 um fünf Prozent auf 80,8 Milliarden Euro zurück, der Reingewinn um 13 Prozent auf 10,9 Milliarden. Der Aktienkurs hat binnen eines Jahres ein Viertel seines Wertes eingebüßt.

Der „Wolf im Kaschmir“ will noch länger weitermachen

Bernard Arnault, der mit einem kursbedingt fluktuierenden Vermögen von 160 Milliarden Euro seit langem der reichste Franzose ist, wird für diesen konjunkturellen Rückgang nicht selber verantwortlich gemacht. Das zeigte sich an der Aktionärsversammlung, als der 77-Jährige vorschlug, seine Altersgrenze wie schon früher einmal um weitere fünf Jahre auf 85 anzuheben. 99 Prozent der Stimmen billigten das neue Limit – ein klarer Vertrauensbeweis für den „Wolf im Kaschmir“, wie Arnault branchenintern genannt wird. Sein Kommentar zur Nachfolgefrage: „Wir werden in sieben, acht Jahren wieder darüber sprechen.“

Seine Kinder wissen nun, dass sie sich gedulden müssen. Das heißt nicht, dass sie in den Familien-Villen in Saint-Tropez, Beverly Hills oder den Bahamas auf der faulen Haut liegen können. Arnault wird sie im Berufsalltag, dem Verwaltungsrat und dem Leitungsausschuss testen und stählen. Er würde es natürlich vorziehen, dass „ein“ oder „eine“ Arnault einmal den Konzernvorsitz übernimmt. Mit seiner ironisch distanzierten Bemerkung zu den Auftritten seines Nachwuchses macht er aber klar, dass letztlich die Aktionäre entscheiden werden.

Die Familie Arnault hält die Mehrheit im Konzern

Darben müssen Jean, Frédéric, Alexandre, Delphine und Antoine aber kaum. Sie sind an mehreren Finanzinstrumenten beteiligt, die der Familie insgesamt 50,1 Prozent der Anteile und zwei Drittel der Stimmrechte einräumt. Der Rest wird an der Börse gehandelt. Vielleicht um ihre Einheit zu konsolidieren, teilen sich die fünf Kinder in eine Kommanditgesellschaft Aktien, an der sie je 20 Prozent halten. Der Schätzwert liegt zwischen 125 und 150 Milliarden Euro, was auch durch fünf geteilt einen hübschen Betrag gibt. Warum da noch Konzernchef werden wollen?