Warum wurde Fabian getötet? Diese Frage soll der Mordprozess klären, der in wenigen Tagen beginnt. Angeklagt ist eine 30-Jährige. Rück- und Ausblick auf ein erschütterndes Verbrechen an einem Kind.
Der gewaltsame Tod des Grundschülers Fabian sorgte für Trauer und Fassungslosigkeit. (Archivbild)
Von Von Helen Hoffmann, Helmut Reuter und Christopher Hirsch, dpa
Rostock/Güstrow - Als der acht Jahre alte Fabian aus Güstrow am 10. Oktober 2025 verschwindet, beginnt ein Hoffen und Bangen. Zahlreiche Einsatzkräfte suchen nach dem Grundschüler. Spürhunde, Boote und ein Hubschrauber sind im Einsatz.
Vier Tage später folgt der Schock: Eine Spaziergängerin, die mit ihrem Hund unterwegs ist, entdeckt Fabians verbrannte Leiche in einem Wald nahe Klein Upahl südwestlich von Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Die Obduktion des Leichnams bestätigt: Das Kind wurde gewaltsam getötet.
Tatverdächtig ist eine 30 Jahre alte Bekannte des Jungen. Die Staatsanwaltschaft wirft ihr vor, Fabian "heimtückisch und aus sonst niedrigen Beweggründen" getötet zu haben. Die Angeklagte sitzt in Untersuchungshaft. Für sie gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Die Hintergründe des Gewaltverbrechens sind unklar. Der Mordprozess, der am 28. April beginnt, soll Aufklärung bringen.
Was ist über den Tag der Tat bekannt?
Der Junge blieb wegen Unwohlseins zu Hause, während seine Mutter zur Arbeit ging. Als die Frau zurückkam, war Fabian verschwunden. Auch zur sonst üblichen Zeit tauchte er nicht auf. Gegen 20.30 Uhr meldete die Mutter ihren Sohn als vermisst. Der Junge gelte als zuverlässig und nicht als Ausreißer, hieß es.
Die Eltern des Kindes leben getrennt. Fabian wohnte bei der Mutter in Güstrow. Er hatte auch Kontakt zu seinem Vater, der in einem Dorf südlich davon wohnt. Zunächst nahmen die Ermittler an, dass das Kind an dem Tag möglicherweise auf dem Weg zu seinem Vater war. Später fanden sie heraus, dass Fabian zur Zeit der Vermisstenmeldung nicht mehr lebte. Demnach starb das Kind zwischen 11.00 und 15.00 Uhr - gewaltsam durch mindestens sechs Messerstiche.
Laut Anklage soll die beschuldigte Frau den Jungen unter einem Vorwand aus seiner Wohnung gelockt haben. Sie soll mit ihm in ihrem Auto zu einem Feldstück in der Nähe von Klein Upahl rund 15 Kilometer südlich von Güstrow gefahren und dort zu einem schlecht einsehbaren Teich gelaufen sein.
Um die Spuren der Tat zu beseitigen, soll sie den Leichnam mittels Brandbeschleuniger angezündet haben, so die Ermittler. Demnach soll sie den Mord allein geplant und begangen haben.
Wie kamen die Ermittler auf die Spur der Tatverdächtigen?
Nach dem Fund der Kinderleiche richtete die Kriminalpolizeiinspektion Rostock eine Mordkommission ein. Mehrfach untersuchten Ermittler und Ermittlerinnen den Fundort. Einsatzkräfte ermittelten auch auf einem landwirtschaftlichen Betrieb. Mit Mistgabeln durchsuchten sie einen Misthaufen.
Am 5. November war der Fall Thema in der ZDF-Sendung "Aktenzeichen XY... ungelöst". Mehr als 30 Hinweise gingen danach bei den Ermittlern ein.
Am Folgetag durchsuchte die Polizei mit rund 120 Kräften mehrere Objekte in Reimershagen und im Ortsteil Rum Kogel in der Nähe von Güstrow im Landkreis Rostock. Sie stellten mögliche Beweismittel sicher. Unter dringendem Mordverdacht verhafteten die Einsatzkräfte die Frau.
Was ist über die Tatverdächtige bekannt?
Zum Tatzeitpunkt war die Frau 29 Jahre alt, inzwischen ist sie 30. Näheres zu ihrer Person teilten die Ermittler nicht mit. "Wir sind dort in einer relativ kleinstädtischen oder dörflichen Umgebung", sagte Staatsanwalt Harald Nowack in Rostock. Weitere Angaben ermöglichten die Identifizierung. Zu den schweren Vorwürfen machte die Frau zunächst keine Angaben.
Der Anwalt der 30-Jährigen versuchte juristisch zu erreichen, dass die Frau aus der Untersuchungshaft entlassen wird. Er verwies darauf, dass es in der Ermittlungsakte keine "handfesten Beweise" gebe. Die Tatwaffe sei nicht gefunden worden. Erfolg hatte der Jurist damit nicht.
Was wird von dem Mordprozess erwartet?
Die Verhandlung soll klären, ob die Vorwürfe gegen die Frau zutreffen. Nach dem Auftakt am 28. April sind 16 weitere Termine bis Anfang Juli angesetzt. Aufgabe des Prozesses ist, wichtige Fragen zu beantworten: Was ist am Tattag genau passiert? Wer ist dafür verantwortlich? Das Gericht wird auch versuchen, das Motiv für diese schreckliche Tat zu klären.
Die Kammer prüft zudem, ob die Tat Mord oder Totschlag oder eine andere Straftat war. Bei einer Verurteilung wegen Mordes droht einer voll schuldfähigen Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe.
Welche Folgen hatte das Verbrechen?
Für Fabians Familie und Freunde bedeutet die Gewalttat unfassbares Leid. Güstrow war nach der Tat im Ausnahmezustand. Bürgermeister Sascha Zimmermann berichtete damals von einer Art Schockstarre in dem Ort, "weil man nicht begreifen kann, warum so etwas passiert. Warum jemand einem Kind so etwas antut und ein Kind tötet." Weit über die Grenzen Mecklenburg-Vorpommerns hinaus sorgte die Tat für Trauer und Entsetzen.
Im Gedenken an den getöteten Fabian haben zahlreiche Menschen Kerzen und Kuscheltiere niedergelegt. (Archivbild)
Am 28. April soll der Mordprozess beginnen, der das Verbrechen an Fabian klären soll. (Archivbild)