Schwund an Eisschilden

Elf Billionen Tonnen Eis seit 1979 geschmolzen

Grönland und die Antarktis sind die zwei großen Eisschilde der Erde. Wenn das Eis dort schwindet, hat das gravierende Auswirkungen auf den Meeresspiegel. Fachleute legen nun ein umfassendes Bild vor.

Elf Billionen Tonnen Eis seit 1979 geschmolzen

Eisberge brechen von einem Gletscher in einen Fjord in Grönland.

Von Markus Brauer

Die zwei großen Eisschilde der Erde in Grönland und der Antarktis haben in den vergangenen knapp 50 Jahren mehr als 11 Billionen Tonnen Eis verloren. Dieser Eisverlust zwischen 1979 und 2023 habe den Meeresspiegel um 3,14 Zentimeter steigen lassen, berichtet ein Forschungsteam im Fachjournal „Scientific Data“.

Für ihre Untersuchung haben die Polarforscher der Ice Sheet Mass Balance Intercomparison Exercise (IMBIE) 42 einzelne Erhebungen betrachtet, die sich wiederum auf die Daten von 27 Satelliten-Missionen stützen. Ihr Ziel war es, ein konsistentes Bild davon zu bekommen, wie sich die Eisschilde über die Jahrzehnte verändert haben. Konkret haben sie sich angeschaut, wo genau wie viel Eis verloren ging und wie stark der Prozess sich beschleunigt hat.

Eisverlust hat sich rasant beschleunigt

Ein Großteil des Eisschwunds kam dabei nicht von oben. „Mehr als vier Fünftel des Eisverlusts wurde durch schneller strömende Gletscher in den Ozean abgegeben und ist nicht an der Oberfläche geschmolzen“, erklärt Co-Autorin Inès Otosaka von der britischen Northumbria Universität. „Das sagt uns, dass der langfristige Trend von der dynamischen Antwort der Eisschilde auf einen sich erwärmenden Ozean getrieben wird.“

In der Antarktis ging der Verlust von Eis sogar vollständig darauf zurück, dass der Gletscherfluss sich beschleunigte und Eis durch den wärmeren Ozean abschmolz.

Was drei Zentimeter Anstieg beim Meeresspiegel bedeuten

Die Eisschilde haben einen enormen Einfluss auf den Anstieg des Meeresspiegels. Der europäischen Raumfahrtbehörde Esa zufolge, die die Untersuchung unterstützte, sind Grönland und die Antarktis für etwa ein Viertel des steigenden Meeresspiegels verantwortlich. Die übrigen grob drei Viertel gehen auf das Konto der schmelzenden Gebirgsgletscher und vor allem der thermischen Ausdehnung des wärmeren Meerwassers.

Der bisherige Beitrag der Eisschilde zum steigenden Meeresspiegel ist beachtlich. „Etwas mehr als drei Zentimeter Anstieg des Meeresspiegels mag nach wenig klingen, aber dies setzt weitere sechs bis neun Millionen Menschen der Gefahr von Überflutungen und Erosion an der Küste aus“, erläutert Andrew Shepherd, ebenfalls von der Northumbria Universität.

Wird Eisverlust langsamer?

In den letzten Jahren der Untersuchung, zwischen 2020 und 2023, ist der Verlust von Eis etwas langsamer geworden. Die Fachleute warnen allerdings, dass dies keine Umkehr des langfristigen Trends ist. Die Eisschilde verlören weiterhin mehr, als sie wachsen würden. (Text: dpa)

Elf Billionen Tonnen Eis seit 1979 geschmolzen

Dieses von der ESA zur Verfügung gestellte Foto zeigt den Thwaites-Gletscher in der Antarktis (undatierte Aufnahme). Eine neue Studie zeigt, dass Grönland und die Antarktis in den vergangenen Jahrzehnten immer schneller Eis verloren haben, insgesamt mehr als 11 Billionen Tonnen.