Caren Miosga

Ende des Iran-Kriegs? Nahost-Experte macht Hoffnung

Im ARD-Talk zum USA-Iran-Konflikt überwiegen die skeptischen Stimmen. Nur der Orientalist Daniel Gerlach deutet eine Lösung an.

Ende des Iran-Kriegs? Nahost-Experte macht Hoffnung

Im Bild v.l.: Bojan Pancevski, Claudia Major, Caren Miosga, Hubertus Heil und Daniel Gerlach am 26. April 2026.

Von Christoph Link

Die Situation ist verfahren am Persischen Golf. US-Präsident Donald Trump steckt mit seinem Krieg gegen den Iran in der Sackgasse. Er hatte widersprüchliche Ziele und vermutlich kein einziges erreicht. Im Gegenteil, er hat die Position der USA im Nahen Osten geschwächt und die Straße von Hormuz für die Iraner zum Hebel der Macht gemacht.

Das war die allgemeine Lesart in der Talkrunde von Caren Miosga am Sonntag in der ARD. Der Zickzackkurs in diesem Konflikt ist überaus deutlich: Waffenruhe mit Frist, Verlängerung der Frist, Blockaden der Straße von Hormus, erst durch Iran, dann auch durch die USA, das Ankündigen von Verhandlungen, das Platzen eines Termins.

„Durchhalten heißt das neue Siegen“

Das düsterste Szenario enthüllte die Verteidigungsexpertin Claudia Major, die andeutete, in ein bis vier Jahren könne Iran die in sein Waffenarsenal gerissenen Löcher durch Nachproduktion wieder auffüllen. „Iran hat es geschafft, diesen militärischen Konflikt in einen politischen zu übersetzen“, sagte Major. Das Regime in Teheran wisse zwar, dass es den Krieg nicht militärisch gewinnen könne, aber: „Länger durchhalten heißt das neue Siegen.“ Überdies funktioniere die staatliche Kontrolle im Lande immer noch.

Und auch militärisch ist der Iran offenbar nicht am Ende. Die Datenlage sei nicht verlässlich, so Major, aber laut Schätzungen seien von 2500 iranischen Raketen erst 1000 abgeschossen worden, „da ist also noch was“. Auch seien erst 60 Prozent der Abschussrampen zerstört worden. Auf der anderen Seite hätten die USA schon viele teure Patriot-Abwehrraketen und Tomahawk-Marschflugkörper verloren – „die wir gerne hätten“. „Es sind alles nur schlechte Nachrichten“, meinte Major.

Trump verkalkuliert sich: USA fehlen 600.000 Soldaten

Von Bojan Pancevski, Korrespondent des „Wall Street Journals“, ist der Lagebericht ergänzt worden: In 48 Stunden hätten die Amerikaner einmal 620 Patriots verschossen, das sei mehr als die Jahresproduktion von 800 Stück. Der „Hasardeur“ Trump habe sich „verkalkuliert“ und „verloren“. Laut CIA bräuchten die USA eine Truppenstärke von 800.000 Mann, um den Iran militärisch zu besetzen, die USA verfügten aber nur über 200.000 kampfbereite Soldaten. Dass Trump die Waffenruhe unilateral verlängert habe, das zeige schon seine Hilflosigkeit, die Limitierung seiner Macht. „Für Europa bedeutet das alles nichts Gutes“, meinte Pancevski. Dass das iranische Regime an einem internationalen Seeweg von den Schiffen Maut verlangen wolle, das sei nicht hinnehmbar, gerade für eine Exportnation wie Deutschland.

Pancevski machte auch auf das erschütterte Vertrauen der Golfstaaten in die USA aufmerksam. Ein Land wie Saudi-Arabien habe 30 Jahre lang auf die Schutzmacht der Amerikaner gesetzt. Es müsse nun erkennen, dass der Schutz nicht greife und werde sich möglicherweise China zuwenden. Auch im Inneren des Iran ist nichts besser geworden. Fünf bis sechs führende Köpfe der Revolutionsgarden hätten jetzt die Macht inne, die Basidsch-Milizen kontrollierten wieder die Straßen. Das Regime könne dem Volk Konzessionen machen, es könne aber die Repression auch verschärfen.

Einen möglichen Ausweg aus der Krise zeigte immerhin Daniel Gerlach, Orientalist und Chefredakteur der Zeitschrift „Zenith“ auf. Spätestens am 1. Mai muss Trump dem US-Kongress über den Krieg berichten und ihn genehmigen lassen. Für Gerlach wäre das die Chance für Trump, sich elegant aus der Affäre zu ziehen und den Waffengang zu beenden: „Er könnte sagen, der Kongress will den Krieg nicht.“ Flankiert werden könnte dies von einem Abkommen mit dem Iran, in dem der auf eine Uran-Anreicherung verzichtet und internationale Garantien für eine freie Straße von Hormuz zustimmt.

Mehr als die anderen Studiogäste sieht Gerlach auch das Regime in Teheran unter Druck. Alle Führungskräfte dort lebten mit der Angst, jederzeit getötet werden zu können. 80 Prozent des iranischen Handels laufe über den Seeweg und mit einer geschlossenen Straße von Hormuz und einer Blockade der Ölexporte würde die Wirtschaft des Landes zerrüttet. Für eine Verhandlungslösung brauche es aber einen „internationalen Akteur“, meinte Gerlach, und dass müsse „nicht nur Pakistan“ sein.

Zustimmung zum Kanzler-Wort

Keinen Widerspruch in der Runde erhielt Kanzler Friedrich Merz (CDU) für die von ihm beim EU-Gipfel auf Zypern gemachte Bemerkung, wonach die Sanktionen gegen den Iran schrittweise gelockert werden könnten, wenn Teheran zu einer umfassenden Verständigung bereit sei und die dauerhafte Öffnung der Straße von Hormus garantiere. „Wir müssen alle Initiativen unterstützen, die auf eine friedliche Lösung des Konflikts hinwirken“, sagte Hubertus Heil (SPD), Ex-Arbeitsminister und jetzt Mitglied im Auswärtigen Ausschuss des Bundestages. Er finde, da habe der Kanzler „den richtigen Ton getroffen“. „Ich weiß gar nicht, wer diesen Krieg noch richtig findet. Da muss man die Kräfte bündeln.“

Heil warnte vor den globalen Effekten der Blockade der Straße von Hormuz gerade für weniger entwickelte Länder. Die Düngemittel werden knapp, Lebensmittel verteuerten sich weltweit, die Menschen hungerten deshalb. In Bangladesch seien wegen der hohen Energiepreise schon Tankwarte erschlagen worden. „Wir müssen hinkommen zu einem dauerhaften Waffenstillstand“, meinte Heil. An die deutsche Innenpolitik hatte der Ex-Minister auch einen Appell: Man müsse statt über Entlastungen jetzt auch übers Energiesparen reden. Von fossiler Energie müsse man unabhängig werden. „In unserer Energiepolitik hatten wir zu oft einen Zickzack-Kurs“. Man dürfe die Erneuerbaren Energien jetzt nicht ausbremsen, „das wäre die Rolle rückwärts“. Wer genau dies anstrebe, das wurde Heil nicht gefragt.