Viel mehr Spannung und Starpotenzial geht im Frauentennis nicht - und deshalb treten Aryna Sabalenka und Naomi Osaka auch im Abendmatch an. Vorausgegangen war aber eine Ansetzungsdebatte.
Naomi Osaka ist ein Star - und darf nun auch ein Match in der Nightsession bei den French Open spielen.
Von dpa
Paris - Ein Topduell mit großem Glamour-Faktor - und plötzlich ist auch ein Frauen-Match zur Primetime bei den French Open möglich. Nach einer tagelangen Ansetzungsdebatte haben die Organisatoren das Achtelfinale am Montag zwischen der belarussischen Weltranglistenersten Aryna Sabalenka und der japanischen Stilikone Naomi Osaka für die sogenannte Nightsession um 20.15 Uhr auf dem Court Philippe Chatrier angesetzt.
Seit der Einführung der Nightsession im Jahr 2021 ist es erst das fünfte Mal, dass zwei Spielerinnen auf den prestigeträchtigen Spot gesetzt werden. Das letzte Mal war es vor drei Jahren bei der Begegnung zwischen Sabalenka und Sloane Stephens aus den USA der Fall. In 2024, 2025 und bislang auch 2026 gab es nur Männer-Matches am späten Abend. Und das hatte für Kritik gesorgt.
Becker: "Die Veranstalter haben Schiss"
"Ich verstehe es auch nicht", hatte Tennis-Idol Boris Becker bei Eurosport vor der Ansetzung für Montag gesagt. In Zeiten der Gleichberechtigung "müssen auch mal die Damen abends ran, egal wie lang das Match ist". Denn der Hauptgrund, warum die Organisatoren vor einer Frauen-Ansetzung in der Regel zurückschrecken, liege auf der Hand. "Die Veranstalter haben Schiss, dass ein Damenmatch nach einer Stunde rum ist", erklärte Becker.
Fans zahlen für das Match zwischen 60 und 280 Euro - und wollen dafür verständlicherweise möglichst viel Tennis sehen. Bei Frauen, die zwei Gewinnsätze zum Weiterkommen brauchen, kann die Begegnung womöglich schon nach rund einer Stunde vorbei sei. Bei den Männern mit ihrem Best-of-five-Modus kann das nicht passieren.
Direktorin betont: "Keine Frage des Könnens"
Die Turnierdirektorin der French Open ist eine Frau und eine ehemalige Topspielerin: Amélie Mauresmo. Sie stand in der Diskussion zuletzt in der Kritik und musste sich rechtfertigen. "Es geht ganz sicher nicht darum, dass die Frauen es nicht verdient hätten, in der Abendsession zu spielen", sagte die frühere Weltranglistenerste: "Es ist keine Frage des Könnens." Sie gab aber zu: "Die Spielzeit wird selbstverständlich berücksichtigt. Wir müssen die 15.000 Zuschauer, die zu den Abendspielen anwesend sein werden, im Blick behalten."
Eine Lösung für mehr Gleichberechtigung in dieser Frage könnte sein, abends zwei Frauen-Matches anzusetzen. Oder wie bei den Australian Open und US Open je ein Frauen- und ein Männer-Match. Doch Änderungen am Modus schloss Mauresmo zumindest für die laufende Ausgabe aus: "Das System mit einem einzigen Abendspiel bleibt unverändert."
Osaka und das "Popcorn-Match"
Osaka, die mit ihren schillernden Outfits auch über den Sport hinaus ein Star ist, zeigte sich in der Debatte entspannt. "Mir ist es wirklich egal, auf welchem Platz oder zu welcher Uhrzeit ich spiele", sagte die viermalige Grand-Slam-Turniersiegerin. Sie hätte aber nichts dagegen, auch mal so ein "Popcorn-Match" zu bestreiten. Das bekommt sie nun.