Nach vielen Verzögerungen ist die bemannte Nasa-Mondmission „Artemis 2“ gestartet: Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sind wieder Menschen in die Nähe des Mondes unterwegs.
Die „Artemis 2“ der NASA mit dem Orion-Raumschiff auf der Startrampe 39-B des Kennedy Space Center in Cape Canaveral, Florida.
Von red/dpa
Erstmals seit mehr als einem halben Jahrhundert sind wieder Menschen auf dem Weg zum Mond. Vier Astronauten hoben dafür um 18:35 Uhr Ortszeit (00:35 Uhr MESZ) an Bord der „Orion“-Kapsel mit dem Raketensystem „Space Launch System“ vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral im US-Bundesstaat Florida ab. Der Start der krisengeplagten Mission „Artemis 2“ war zuvor wegen technischer Probleme mehrfach verschoben worden.
„Der heutige Start ist ein entscheidender Moment für unsere Nation und für alle, die an Erforschung glauben“, sagte Nasa-Chef Jared Isaacman. „„Artemis 2“ ist der Start von etwas, das größer ist als nur eine Mission. Es ist der Beginn unserer Rückkehr zum Mond, nicht nur zum Besuchen, sondern irgendwann auch zum Bleiben in unserer Mond-Station.“ Man lege die Basis für die nächsten „gigantischen Schritte“.
Kurz nach dem Start sei vorübergehend die Kommunikation zwischen den Astronauten an Bord der „Orion“-Kapsel und dem Kontrollzentrum auf der Erde abgebrochen, sagte Isaacman. Das Problem habe aber schnell wieder gelöst werden können und werde nun aufgearbeitet.
Trump nach Start: „ganz schön beeindruckend“
Es sei ein „historischer Tag“, sagte der deutsche Astronaut Alexander Gerst vor dem Start der Deutschen Presse-Agentur, sein Astronautenkollege Matthias Maurer sprach von einem „ganz neuen Kapitel für die Raumfahrt“.
US-Präsident Donald Trump hatte schon vor dem Start auf seiner Online-Plattform Truth Social kommentiert: „Wir gewinnen im Weltraum, auf der Erde und überall dazwischen – wirtschaftlich, militärisch und jetzt auch über die Sterne hinaus.“ Nach dem Start gratulierte er der Nasa und den „mutigen“ Astronauten zu Beginn einer Rede an die Nation. „Das war ganz schön beeindruckend.“
„Artemis 2“ baut auf den Erfahrungen der unbemannten Mission „Artemis 1“ von 2022 auf. An Bord der „Orion“-Kapsel soll die Crew – bestehend aus der US-Astronautin Christina Koch, ihren US-Kollegen Victor Glover und Reid Wiseman und dem kanadischen Raumfahrer Jeremy Hansen – etwa zehn Tage lang um den Mond herumfliegen, bevor die Kapsel wieder im Meer auf der Erde aufkommen soll. Kanadas Premierminister Mark Carney gratulierte US-Präsident Trump laut Mitteilung am Telefon zu dem erfolgreichen Start.
Mehr als 2,3 Millionen Kilometer um Mond und Erde
Der Flugverlauf von „Artemis 2“ gleicht insgesamt einer Acht um Erde und Mond. Die vier Astronauten sollen insgesamt mehr als 2,3 Millionen Kilometer zurücklegen. Am weitesten Punkt sollen sie sich etwa 370.000 Kilometer von der Erde entfernt, etwa 7.500 Kilometer hinter der erdabgewandten Seite des Mondes befinden. Von dort aus können sie dann Erde und Mond gleichzeitig sehen - und könnten sich weiter von der Erde entfernen als jemals Menschen zuvor.
Für Glover, Koch und Wiseman ist es der zweite Flug ins All, für Hansen der erste. Koch ist die erste Frau an Bord einer Mond-Mission der Nasa, Glover der erste nicht-weiße Mensch und Hansen der erste Kanadier.
Bislang zwölf Amerikaner auf dem Mond
Der erste Mensch auf dem Mond war am 20. Juli 1969 Neil Armstrong. Als bislang letzter Mensch verließ im Dezember 1972 der 2017 gestorbene Nasa-Astronaut Eugene Cernan mit der „Apollo 17“-Mission den Erdtrabanten. Insgesamt brachten die USA als bislang einziges Land mit den „Apollo“-Missionen zwischen 1969 und 1972 zwölf Astronauten auf den Mond.
Die „Orion“-Kapsel fliegt größtenteils vollautomatisch. Zu Testzwecken sollen die Astronauten aber immer wieder auch manuell steuern. Zudem müssen sie stets alle Systeme und auch ihre eigene Gesundheit mit Hilfe zahlreicher Tests, Sensoren und Messungen überprüfen, auch für wissenschaftliche Forschungen. Auch Fotos und Analysen von Erde und Mond gehören zu ihren Aufgaben.
Programm benannt nach der mythologischen Göttin des Mondes
Das milliardenschwere „Artemis“-Programm – benannt nach der Göttin des Mondes und Zwillingsschwester des Gottes Apollo aus der griechischen Mythologie – wurde von der Nasa 2017 verkündet. Ursprünglich sah es eine bemannte Mondlandung („Artemis 3“) bis 2024 vor. Seitdem kam es aber mehrfach zu Verschiebungen.
Der neue Nasa-Chef Jared Isaacman hat die „Artemis“-Pläne kürzlich noch einmal komplett umgeschmissen. Die Mission „Artemis 3“, mit der ursprünglich frühestens 2028 eine Crew auf dem Mond landen sollte, soll nun bereits im kommenden Jahr starten, aber nicht auf dem Mond landen.
Auch die europäische Raumfahrtbehörde Esa ist beteiligt
Stattdessen solle die „Orion“-Kapsel sich bei dieser Mission im Weltraum mit einem oder zwei Mondlandern zusammendocken. Zudem solle es dann 2028 möglicherweise sogar gleich zwei Mondlandungsversuche geben - „Artemis 4“ und „Artemis 5“. Außerdem werde eine dauerhafte menschliche Präsenz auf dem Mond anvisiert. Auch viele private Raumfahrtunternehmen und internationale Partner sind bei dem Programm involviert, darunter auch die europäische Raumfahrtbehörde Esa.
Die Esa steuert unter anderem ein im Bremer Airbus-Werk gefertigtes Servicemodul für die „Orion“-Kapsel bei. Auch die Teilnahme eines deutschen Astronauten ist für die Zukunft angedacht. „Wir stehen an der Schwelle einer historischen Rückkehr“, sagte Esa-Chef Josef Aschbacher bei einer Pressekonferenz in Cape Canaveral. „Die Nasa wird wieder Geschichte schreiben. Das ist sehr aufregend für uns alle.“
Der deutsche Astronaut Gerst sagte, er glaube daran, dass es eines Tages eine europäische Forschungsstation auf den Mond geben werde. „Der Mond ist einfach unser nächster Begleiter. Das ist unser achter Kontinent im Prinzip. Wir müssen den erforschen, einfach nur, weil er da ist schon mal.“
Zudem biete die Mondmission eine wichtige Perspektive, sagte Gerst weiter. „Die Faszination, dass man auch den nächsten Generationen zeigen kann: Wir können nicht nur Kriege führen hier auf der Erde, sondern wir können auch wieder was richtig Großartiges zusammen machen. Diese Perspektive einzufangen und zurückzubringen, das ist so unendlich wichtig für unser Selbstverständnis. Was sind wir eigentlich? Was machen wir mit unserer Erde? Was machen wir mit uns? Wie behandeln wir uns gegenseitig auf diesem Planeten? Das wird alles nochmal kristallklarer, wenn man das von außen sieht.“
Wettlauf der Raumfahrtnationen
Für die USA symbolisiert die Rückkehr zum Mond strategisch die technologische und geopolitische Führung im Wettlauf um den Weltraum. Eine dauerhafte Präsenz dort gilt als Weg, nationale Interessen in der Raumfahrt zu sichern und internationale Kooperationen prägen zu können. US-Präsident Trump, in dessen erster Amtszeit das Programm ins Leben gerufen worden war, verbucht es auch als persönlichen Erfolg.
Schon seit Jahren gibt es einen neuen Wettlauf von Raumfahrtnationen zum Mond. Größter Konkurrent der USA ist China mit dem Ziel, bis 2030 Menschen auf den Mond zu bringen. Auch Russland will mit Menschen auf den Mond, hat aber mit Verzögerungen wegen wirtschaftlicher Schwierigkeiten zu kämpfen.