Manuel Hagel ging in Ehingen an die Urne, Cem Özdemir hat in Stuttgart seine Stimme abgegeben.
Von red
Stuttgart - CDU-Landeschef und Spitzenkandidat Manuel Hagel hat seine Stimme zuhause in Ehingen (Alb-Donau-Kreis) abgegeben. Der 37-Jährige kam in Begleitung seiner Frau Franziska ins Wahllokal. Hagel will Nachfolger von Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) werden, der nach drei Amtszeiten nicht mehr antritt. Chancen auf Kretschmanns Nachfolge hat neben Hagel auch Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir. Zuletzt sahen die Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen Grünen und CDU. In der letzten Umfrage des ZDF-„Politbarometers“ lagen beide mit 28 Prozent gleichauf. Zuvor hatten die Grünen den Abstand auf die lange führende CDU stark verkürzt.
Nur fünf Minuten bleibt er da, doch die Medienpräsenz ist beachtlich: Gegen 10.10 Uhr wählt der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir im Stuttgarter Karls-Gymnasium. Er kommt zu Fuß und im Anzug zum Wahllokal spaziert. Kurz fragt er die beiden anwesenden Polizisten, ob diese trotz Dienst heute hoffentlich Zeit hätten, wählen zu gehen – und eine junge Familie mit Baby, ob alle drei ihre Stimmen abgegeben hätten. Dann verschwindet er im Wahlraum und ist kurz darauf auch schon wieder weg. Abends gebe es noch Zeit für Interviews, vertröstet er die vielen anwesenden Presseleute.
Die Grünen bedanken sich in ihrem Newsletter schon mal bei Ihren Anhängern (mit vielen Sternchen): „Bevor die Ergebnisse kommen, möchten wir vor allem eines sagen: Danke. Dieser Wahlkampf wäre ohne euch nicht möglich gewesen. In den letzten Wochen und Monaten haben unzählige Menschen im ganzen Land unglaublich viel geleistet. Ihr wart auf Marktplätzen und an Infoständen, habt an Hunderttausenden Türen geklingelt, wart bei Veranstaltungen und Aktionen. Ihr habt unseren Wahlkampf finanziell unterstützt und tausendfach Beiträge geteilt. Ihr habt Freund*innen, Familie und Kolleg*innen angesprochen und Menschen motiviert, wählen zu gehen.“
Die Wahlbeteiligung bei der Landtagswahl in Stuttgart liegt laut Wahlamtsleiter Matthias Fatke deutlich höher als vor fünf Jahren. Damals wurden 64,8 Prozent erreicht. „Die Wahlbeteiligung ist heute ausgesprochen hoch, wir schätzen eine Beteiligung von rund 74 Prozent, also in Richtung zehn Prozent mehr als 2021“, sagte er um 16.45 Uhr. Die Beteiligung wird in zehn zufällig ausgewählten Wahllokalen erhoben. Insgesamt sind in Stuttgart 265 Wahllokale bis 18 Uhr geöffnet.
Insgesamt sind bei der Landtagswahl im März laut Statistischem Landesamt 7,7 Millionen Bürger wahlberechtigt, so viele wie noch nie. 8,4 Prozent davon sind Erstwähler. Erstmals dürfen auch Jugendliche ab 16 Jahren wählen.
Die Polizei ist im Einsatz, um einen störungsfreien Ablauf der Landtagswahl zu garantieren. Die gute Nachricht eine Stunde vor Schließung der Wahllokale: Es ist ruhig, keine Zwischenfälle zu vermelden, so der Polizeisprecher Timo Brenner. Wo Politikprominenz erwartet wird - etwa bei den temporären Medienzentren - sind zum Schutz Poller aufgestellt, wie beispielsweise am Stuttgarter Schlossplatz.
Der Abbau der Großplakate beginnt bereits, obwohl die Wahllokale noch geöffnet sind.
Die beiden Spitzenkandidaten haben den Wahlkampf am Samstag unterschiedlich ausklingen lassen. Manuel Hagel hat in Ehingen mit Wahlhelfern gefeiert. Cem Özdemir war am Samstagabend in der Weinstube Fröhlich im Leonhardsviertel essen.
Es ist kurz nach 11 Uhr und das Wahllokal der Gewerblichen Schule im Hoppenlau in Stuttgart West wird gerade von vielen Wählerinnen und Wählern angesteuert. Der hippe Bezirk gilt als Hochburg der Grünen. Unter den Personen sind viele junge Menschen. Zwei Freundinnen (26 und 30 Jahre alt) wollen die Linke wählen. „Die haben als einzige Partei soziale Gerechtigkeit auf dem Schirm“, sagt die 30-jährige Innenarchitektin. Viele andere junge Menschen machen den Eindruck, als hätten sie nichts vom Wahlkampf mitbekommen. „Ich gehe nur wählen, um die AfD zu verhindern“, sagt eine Frau, als sie aus dem Wahllokal kommt. /AFP