Geldanlagen

EU-Parlament verlangt schärfere Regeln für „Finfluencer“

Anleger sollen besser vor riskanten und undurchsichtigen Finanz-Tipps in Sozialen Medien geschützt werden.

EU-Parlament verlangt schärfere Regeln für „Finfluencer“

Immer mehr Menschen informieren sich im Internet über die Möglichkeit, das eigene Geld anzulegen. Sie verlassen sich dabei oft auf die Tipps von sogenannten Finfluencern. Die müssen sich bis jetzt an sehr wenige Regeln halten, das will die EU nun ändern.

Von Knut Krohn

Das Internet hat auf alle Fragen eine Antwort. Auch darauf, wie man mit geschickten Investitionen schnell reicht wird. Inzwischen bieten unzählige sogenannte „Finfluencer“ im Netz ihre Dienste an. Doch die Erfahrung zeigt, dass sich dort immer mehr Pseudofachleute und finanztechnische Scharlatane tummeln, die vor allem den eigenen Verdienst im Auge haben.

Dieser Zustand ist den Abgeordneten im Europaparlament ein Dorn im Auge. Sie wollen in Zukunft Mindeststandards für Finanzkommunikation in sozialen Medien setzen und den Schutz von Verbrauchern vor Betrug, Desinformation und riskanten Anlageempfehlungen stärken. Dieser sogenannte Initiativbericht ist rechtlich nicht bindend, fordert aber die EU-Kommission auf, konkrete Gesetzesvorschläge auszuarbeiten und zeitnah vorzulegen.

Finfluencer auf Tiktok und Instagram

„Informationen zu Finanzen auf TikTok und Instagram müssen denselben Standards entsprechen wie von Bankberatern“, betont der SPD-Europaabgeordnete René Repasi. „Für viele, besonders junge Menschen, sind soziale Medien die wichtigste Quelle für Finanzinformationen und Anlageentscheidungen.“ Doch die Verlockung vom vermeintlich schnellen Geld könne zu riskanten Investments verleiten, begründet der Sozialdemokrat die Entscheidung des Parlaments.

Die Abgeordneten betonen, dass Finfluencer eine durchaus positive Rolle bei der Sensibilisierung und Förderung des Engagements der Menschen an den Finanzmärkten spielen können, doch gleichzeitig schafften sie ein risikoreiches Umfeld. Konkret kritisieren die EU-Politiker versteckte Werbung, Interessenkonflikte, irreführende Behauptungen bis hin zu gezieltem Betrug, bei dem bisweilen auch KI-gestützte Deepfakes eingesetzt würden.

Gefordert wird einen bessere Ausbildung

In dem Bericht wird unter anderem eine bessere Ausbildung in Finanzfragen gefordert, sowohl in der Schule als auch in der Erwachsenenbildung. Diese Kompetenz sollen den Bürgern ermöglichen, Betrugsmaschen zu erkennen und eine kritische Distanz zu Finanzangeboten im Internet aufzubauen. „Finanzbildung ist kein Nischenthema für Börsenfans, sondern eine Grundvoraussetzung für Eigenverantwortung, Vermögensaufbau und Teilhabe“, betont auch der CSU-Europaabgeordnete Markus Ferber. „Wer will, dass mehr Menschen kluge Entscheidungen über Sparen, Vorsorge und Investitionen treffen, muss Finanzwissen viel früher und viel breiter vermitteln.“

Die Europaparlamentarier sind nicht die ersten, die vor dem bisweilen dubiosen Geschäftsgebaren mancher Finfluencer warnen. So geben die Verbraucherzentralen Tipps, wie unseriöse Angebote zu erkennen sind. Ein Warnsignal sind etwa unrealistisch hohe oder schnelle Gewinnversprechungen durch eine ganz bestimmte Geldanlage. Dabei werde die Risiken oft ausgeblendet. So können etwa spekulative Produkte wie Derivate hohe Verluste verursachen. Zu den seriösen Inhalten zählt die Verbraucherzentrale dagegen Beratungen zu langfristigem Vermögensaufbau, Rentenabsicherung oder Sparplänen.

Finanzpläne nicht voreilig abschließen

Skeptisch werden sollte jeder Anleger auch, wenn Geheimtipps angepriesen werden, die mit angeblichen Insiderinformationen begründet werden. Auch sollte man sich nicht durch kurze Fristen oder Formulierungen wie „Nur noch heute“ oder „Jetzt abschließen“ zu einem Abschluss drängen lassen. Die Verbraucherzentrale empfiehlt, Finanzpläne nicht voreilig zu unterschreiben.

Ein Punkt, den Europaparlamentarier und Verbraucherschützer gemeinsam monieren sind die Intransparenz und die unklaren Kosten vieler Angebote im Internet. Was als kostenlos oder risikofrei beginnt, entpuppt sich später bisweilen als Geschäftsmodell, denn Beteiligungen an Gewinnen, versteckte Gebühren oder Bedingungen werden erst im Nachhinein sichtbar.

Bei Verlusten schlecht abgesichert

Die Verbraucherzentralen weisen auch darauf hin, dass die Verbraucher bei Verlusten oft schlecht abgesichert sind. Seriöse Finanzberater unterliegen einem Beratervertrag mit bestimmten Sorgfaltspflichten. So darf etwa nicht behauptet werden, was nicht den Tatsachen entspricht. Zudem dürfen hohe Risiken, die für den Verbraucher von Bedeutung sind, nicht einfach verschwiegen werden. Ein sogenannter Finanzcoach im Internet unterliegt diesen Regeln aber nicht. Statt auf eine solide Ausbildung kann er oft allein auf seine Follower-Zahlen verweisen, die sind allerdings alles andere als ein Qualitätsmerkmal für eine seriöse Beratung.