Raumsonde blickt tief ins Weltall

„Euclid“ sendet superscharfe Bilder vom Zentrum der Milchstraße

Eigentlich soll die Sonde „Euclid“ bei der Erforschung von Dunkler Materie und Dunkler Energie helfen. Nun hat sie einen besonders hellen Bereich in den Blick genommen – im Zentrum der Milchstraße.

„Euclid“ sendet superscharfe Bilder vom Zentrum der Milchstraße

Im Herzen unserer Galaxie, der Milchstraße, befindet sich ein Schwerkraft-Gigant, ein Masse-Monster: das supermassereiche Schwarze Loch Sagittarius A*.

Von Markus Brauer/dpa

 Die europäische Raumsonde „Euclid“ hat ein besonderes Bild vom inneren Bereich der Milchstraße geliefert.

Es sei das bisher größte und detaillierteste Foto des Zentrums unserer Galaxie im sichtbaren Licht, schreibt die Europäische Weltraumorganisation (Esa). Darauf seien mehr als 60 Millionen Sterne im Herzen der Milchstraße abgebildet. Hinzu kämen Sternenhaufen und kosmische Nebel.

Bulge für 26 Stunden beobachtet

Wie die Esa mit Sitz in Paris mitteilt, nahm „Euclid“ diese auch Bulge genannte Zone Ende März vergangenen Jahres für etwa 26 Stunden in den Blick. Der Bulge im Zentrum der Milchstraße ist sehr hell, dort befinden sich vor allem ältere und kühlere Sterne. Doch „Euclids“ Kamera ist der Esa zufolge empfindlich genug, um dennoch einzelne Sterne abzubilden.

Das Bild ist demnach eine Zusammensetzung aus neun einzelnen Aufnahmen der Sonde. Für die Farben wurden auch Aufnahmen eines weiteren Teleskops hinzugezogen.

Die Beobachtungen könnten Forschern helfen, eine Bestätigung für die Existenz weiterer Exoplaneten zu finden und deren Masse zu bestimmen. Exoplaneten sind Planeten außerhalb unseres Sonnensystems, die andere Sterne umkreisen. Erstmals wurden solche Himmelskörper 1995 beobachtet. Seitdem wurden mehrere Tausend von ihnen identifiziert.

„Euclid“ soll 3D-Karte des Alls erstellen

„Euclid“ war im Sommer 2023 ins All gestartet und begann vor gut einem Jahr seine eigentliche Arbeit. Die 1,9 Milliarden Euro teure Mission soll bis mindestens 2029 dauern oder – wenn alles gut geht – auch noch länger. Die Sonde ist etwa 4,7 Meter groß, 3,5 Meter breit und wiegt knapp unter zwei Tonnen.

Herzstück der Sonde, die Dunkle Materie und Dunkle Energie nachforschen soll, ist ein hochauflösendes Teleskop, das mit zwei Kameras ausgestattet ist: eine für den sichtbaren Wellenlängenbereich und eine für den Nah-Infrarotbereich. Sie sollen die Bewegungen und Formen von Galaxien abbilden beziehungsweise dabei helfen, auf die Entfernung von Galaxien zu schließen.

Sie sollen die Formen von Galaxien abbilden beziehungsweise dabei helfen, auf die Entfernung von Galaxien zu schließen. Für die Nah-Infrarot-Kamera haben das Max-Planck-Institut für extraterrestrische Physik in Garching bei München und das Max-Planck-Institut für Astronomie in Heidelberg wichtige Teile beigesteuert.

Sie sollen die Formen von Galaxien abbilden beziehungsweise dabei helfen, auf die Entfernung von Galaxien zu schließen.

Die Esa will so einen Blick in die Vergangenheit des Universums werfen und dessen Entwicklung innerhalb der letzten zehn Milliarden Jahre erforschen. Insgesamt sollen Daten zu Milliarden Galaxien gesammelt werden und eine 3D-Karte des Alls mit der Zeit als zusätzlicher Komponente entstehen.

So ist die Milchstraße aufgebaut

Die Milchstraße besteht unter anderem aus einer dicken und einer dünnen Scheibe. Die meisten Sterne befinden sich in der dünnen Scheibe und folgen einer organisierten Rotation um das galaktische Zentrum.

Massemonster in der Mitte der Milchstraße

Im Zentrum der Milchstraße geht es turbulent zu. Wie Beobachtungen eines Forscherteams aus den USA und Australien mit dem Weltraumteleskop James Webb zeigen, flackert die Strahlung aus der Umgebung des supermassereichen Schwarzen Lochs Sagittarius A* auf überraschende Art und Weise.

Sagittarius A* ist das der Erde am nächsten gelegene supermassereiche Schwarze Loch. Es bietet Astronomen daher die Chance, durch genaue Beobachtungen die Prozesse in der Umgebung solcher Objekte zu erforschen.