Ölexporte im Iran-Krieg

Exportkrise am Golf: Länder wollen Straße von Hormus umgehen

Millionen Barrel Rohöl wurden durch den Iran-Krieg in der Golfregion faktisch blockiert. Im Wettlauf gegen die Zeit suchen Exportländer nun nach Wegen, den Rohstoff anders ans Ziel zu bringen.

Exportkrise am Golf: Länder wollen Straße von Hormus umgehen

Ein normaler Verkehr durch die Straße von Hormus ist weiterhin nicht absehbar. (Archivbild)

Von Von Johannes Sadek und Ramadan Al-Fatash, dpa

Dubai - In der Golfregion träumen einige von einer Zukunft, in der die Straße von Hormus beim Exportgeschäft weniger wichtig ist. Rund vier Monate dauert die weitgehende Blockade nun schon - und selbst nach dem Rahmenabkommen zwischen den USA und dem Iran weiß niemand, wann der Krieg enden und der Seeweg wieder normal befahrbar sein könnte. Mit den jüngsten Angriffen beider Seiten ist die Lage wieder eskaliert. Der Iran beansprucht in der Meerenge zudem erneut die vollständige Kontrolle. 

Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait und der Irak suchen dringend nach Alternativen. Es geht vor allem um neue Pipelines, aber auch um den Landweg auf Straßen und Schienen, damit Öl oder auch Containerwaren auf einer anderen Route ans Ziel kommen. Saudi-Arabien denkt auch darüber nach, seine Lagerkapazitäten für Öl weltweit zu erhöhen.

Warum gibt es nicht längst andere Exportwege?

Die gibt es teils, aber Pipelines über Land sind teuer, über Ländergrenzen hinweg politisch oft schwierig umsetzbar und geplagt von Verzögerungen. Das Problem einer möglichen Blockade ist aber bekannt. Der Iran hat schon vor mehr als 40 Jahren damit gedroht, die Straße von Hormus faktisch zu schließen, damals im Krieg mit dem benachbarten Irak. Schon lang forderten Energieexperten deshalb, dass die Golfstaaten andere Wege finden müssten für ihre Exporte. 

Nun - mit laufenden Verlusten in Milliardenhöhe - ist der Druck nochmals gestiegen. Die niederländische Denkfabrik HCSS spricht vom "größten und komplexesten Energie-Schock der Geschichte". Ein Viertel des weltweiten Erdöltransports zur See läuft über die Straße von Hormus. Ein Teil davon kann über bestehende Pipelines in Saudi-Arabien, den Emiraten und dem Irak umgeleitet werden - der Rest ist weitgehend blockiert. 

Dies sind einige der Ideen für alternative Strecken:

VEREINIGTE ARABISCHE EMIRATE

KUWAIT

IRAK

Was passiert mit anderen Gütern unabhängig vom Öl?

Auch hier gibt es Versuche, die Straße vor Hormus zu umgehen. Die Reederei MSC kündigte im Mai neue Routen an, die teils mit Lastwagen quer durch Saudi-Arabiens Wüste bedient werden, um "die herausfordernde Lage im Nahen Osten" zu bewältigen. Auch die dänische Großreederei Maersk informiert Kunden seit Wochen über neue "Landbrücken", um Lieferungen etwa aus und nach Saudi-Arabien, Bahrain und Katar möglich zu machen.

Mit Zügen wollen die Türkei und Saudi-Arabien unterdessen gemeinsam eine Zugstrecke über Jordanien und Syrien wiederbeleben, deren Anfänge bis ins Osmanische Reich zurückgehen. Dahinter stehen zwar auch geopolitische Ambitionen - und es ist unklar, wann der Betrieb starten kann und wer das Projekt überhaupt finanziert. 

Dennoch werde der Handel im "multimodalen Verkehr" - also mit verschiedenen Verkehrsmitteln - wegen der sinkenden Verlässlichkeit von Seewegen in der Region "neu geschrieben", sagt Kyle Henderson, der den globalen Containerverkehr beobachtet, dem Fachmagazin "FDI Intelligence". Transfers von Gütern in Saudi-Arabien, dem Oman und der Türkei vom See- auf den Landweg würden zu "entscheidenden Verbindungen im weltweiten Containerfluss" und das auf eine Weise, "die es so vorher noch nie gab".

Exportkrise am Golf: Länder wollen Straße von Hormus umgehen

Saudi-Arabien kann einen Teil seines Öls über Pipelines auf den Weltmarkt bringen. (Archivbild)

Exportkrise am Golf: Länder wollen Straße von Hormus umgehen

Kuwait exportierte im April erstmals seit 1991 überhaupt kein Öl mehr. (Archivbild)