Der Flughafen Rom will mit einem Riesen-Investitionsprogramm der größte Airport Westeuropas werden.
Die Lufthansa hat die italienische Ita übernommen und profitiert so auch vom Ausbau des römischen Airports.
Von Gerhard Bläske
Der römische Flughafen Fiumicino soll in den nächsten Jahren mit Investitionen von neun Milliarden Euro massiv ausgebaut werden. Marco Troncone, CEO der Flughafengesellschaft Aeroporti di Roma (ADR), zu der auch der wesentlich kleinere Airport in Rom Ciampino gehört, sagte unserer Zeitung, Kernstück sei eine neue Start- und Landebahn – die vierte. Die Zahl der Passagiere soll bis 2033 von heute knapp 53 Millionen auf jährlich hundert Millionen wachsen. Das Wachstum solle vor allem von Touristen aus China, Indien und Südostasien kommen. Rom Fiumicino wäre damit der größte Flughafen Westeuropas.
Verkehrsminister und Lega-Chef Matteo Salvini unterstützte bei der Vorstellung des Nationalen Plans der Flughäfen 2026 bis 2033 die Erweiterung sowie den Bau einer vierten Start- und Landebahn vorbehaltlos. Der Ausbau sei „zentral“ für die Hauptstadt und Italien, sagte auch Roms Bürgermeister Roberto Gualtieri. Italien sei in der Lage, es mit den großen Hubs weltweit aufzunehmen und sich eine zentrale Rolle im europäischen Flughafensystem zu sichern, heißt es bei der Flughafengesellschaft.
Investiert werden rund 4 Milliarden Euro
Die geplanten Investitionen sollen bis 2033, dem nächsten Heiligen Jahr, abgeschlossen werden. Rund vier Milliarden Euro sollen Troncone zufolge in die Modernisierung und Wartung bestehender Strukturen fließen. Weitere fünf Milliarden sind für ein weiteres Terminal und die neue Start- und Landebahn vorgesehen.
„Wir finanzieren die geplante Erweiterung aus unseren Eigenmitteln und aus der Aufnahme von Schulden. Das können wir tun, weil unsere Netto-Verschuldung von etwa zwei Milliarden Euro im Vergleich zu der Verschuldung anderer Airports niedrig ist“, erklärt Troncone.
„Alle Projekte dieser Art stoßen auf Widerstände und das ist normal, denn dazu braucht es viele Flächen, es ist komplex und führt zu Diskussionen aller Art“, sagt Troncone Kritikern des Ausbaus: „Der Gemeinderat von Fiumicino hat unseren Strategieplan gebilligt und auch die Regierung unterstützt das Vorhaben. Der Flughafen ist auch ökonomisch sehr wichtig für das Land und schafft Beschäftigung.“, Der Flughafenchef weist darauf hin, dass ADR auch 300 Millionen Euro in Infrastrukturen investiert, die „zwar in Verbindung mit dem Flughafen stehen, aber der Region zugute kommen.“
Der Golfkrieg und seine Folgen wirkten sich kaum aus: „Bisher sind die Folgen begrenzt.“ Der Verkehr habe sogar zugenommen, weil Passagiere andere Destinationen gewählt hätten und es mehr Direktflüge etwa in den Fernen Osten gebe. „Wenn sich der Konflikt ausweiten sollte und andere Länder wie Ägypten erfasst würden, wären die Folgen gravierender.“ Gleiches gelte für den Fall „dauerhaft hoher Kerosinpreise“ oder bei Engpässen in der Kerosinversorgung. Einigen italienischen Airports wie Mailand Linate oder Brindisi ging vor einigen Wochen vorübergehend das Kerosin aus. „Noch haben die Gesellschaften den Großteil der Kosten gehedged, also abgesichert. Das würde sich ändern, sollte der Krieg länger dauern“, meint Troncone.
Er begrüßt, dass die nationale italienische Airline Ita Airways nun Teil der Lufthansa-Gruppe ist. „Rom kann das Wachstum Itas und der Lufthansa-Gruppe beschleunigen. Es ist das südlichste Hub der Gruppe und ist ideal positioniert für Flugverkehre zwischen Osten und Westen, aber auch zwischen Mittel- und Nordeuropa und Südamerika sowie in Zukunft zunehmend auch Afrika. Wir bringen also Zusatznutzen und großes Potenzial für künftiges Wachstum“, meint er. Dieses Argument habe auch Lufthansa-CEO Carsten Spohr überzeugt. Dazu komme, dass Fiumicino sehr kosteneffizient und wettbewerbsfähig gegenüber anderen Hubs sei.
Fiumicino will Heathrow überflügeln
Rom Fiumicino profitiere auch davon, dass Ita Teil des Luftfahrtbündnisses Star Alliance mit einem sehr großen Network sowie der transatlantischen Allianz A++, der strategischen Partnerschaft mit Air Canada und United für Flüge zwischen Nord- und Mittelamerika und Europa, Afrika und dem Nahen Osten, ist.
Die Flughafengesellschaft ADR ist Teil des großen Straßen-, Flughafen- und Mobilitätsinfrastrukturkonzerns Mundys, der 2025 auf einen Umsatz von 9,6 Milliarden Euro und ein Bruttobetriebsergebnis von 5,9 Milliarden Euro kam. Zu dem bis 2022 börsennotierten Konzern, der bis 2023 Atlantia hieß und der von der Familie Benetton kontrolliert wird, gehören auch der Flughafen Nizza und regionale Airports.
Über Abertis ist Mundys Konzessionär eines etwa 10.000 Kilometer langen Autobahnnetzes in Europa, den USA, Lateinamerika und Indien. Auch die Maut- und Verkehrsgesellschaft Telepass und die frühere Siemens-Straßenverkehrstechnik-Tochter Yunex Traffic gehören zu Mundys.
„Mundys verfolgt eine langfristige Strategie – anders als manche kurzfristige Investmentfonds, die bereits beim Einstieg am Ausstiegsszenario arbeiten“, meint Troncone dazu.
Flughafen Rom expandiert
FiumicinoDer Airport Rom Fiumicino war 2025 der achtgrößte Flughafen Europas. Auf Platz eins lag London Heathrow mit 84,5 Millionen Passagieren. Frankfurt am Main ist mit 63,2 Millionen Passagieren die Nummer sechs.