Oft werden sie belächelt, doch „Prepper“ sind nach Worten eines Experten durchaus Coaches in eigener Sache. Er hat untersucht, warum manche Menschen exzessiv Vorsorge betreiben.
Leere Regale im Supermarkt: Wenn es so weit gekommen ist, lassen sich auch keine Nahrungsmittelvorräte für den Notfall mehr anlegen.
Von Markus Brauer/KNA
Die Realität ist komplexer, als Klischees über sogenannte Prepper vermuten lassen: In seiner Forschung habe er mit sehr unterschiedlichen Menschen gesprochen, die sich selbst als Prepper bezeichnen, sagt der Sozialwissenschaftler Mischa Ley. Unter ihnen gebe es sowohl humorvolle als auch misstrauische Personen.
„Be prepared“
Selbst ist der Mann oder die Frau, wer nicht auf staatliche Warnungen und Katastrophen-Prävention vertraut. Prepper wollen vorbereitet sein, sollte eines Tages die öffentliche Ordnung zusammenbrechen, eine Katastrophe eintreten oder gar die Welt vor dem Untergang stehen.
Das Spektrum der Szene ist Experten zufolge weit gefächert. Während die einen Konserven hamstern und auf Überlebenstraining im Wald setzen, stehen andere möglicherweise Rechtsextremen und Reichsbürgern nahe.
Der Begriff Prepper leitet sich vom englischen „To be prepared“ ab, was „vorbereitet sein“ bedeutet. Es handelt sich also bei Preppern um Menschen, „die sich auf ein erhebliches Großschadensereignis bis hin zu einem Untergang der Zivilisation vorbereiten“, wie es beim Bayerischen Landesamt für Verfassungsschutz (BayLfV) heißt. Etwa durch das Anlegen von Vorräten, den Bau von Bunkern bis zum Training von Überlebensfähigkeiten in speziellen Kursen.
Aufbau von Notvorräten und Survival-Training
Manche dieser Prepper begännen mit dem Aufbau von Notvorräten oder einem Survival-Training, weil sie bereits Mangelerfahrungen gemacht hätten, erläutert Ley. „Etwa wenn Menschen einen langanhaltenden Stromausfall erlebt haben oder auf der Autobahn eingeschneit waren“.
Wer diese Form von Unsicherheit und Angst erlebt habe, frage sich mitunter, ob Ähnliches erneut passieren könne. Auch familiäre Erzählungen, etwa über das Hungern nach dem Zweiten Weltkrieg, könnten diese Haltung befördern.
Nicht alle sind Verschwörungstheoretiker
Manche Prepper hätten durchaus „eine manifeste verschwörungsideologische Weltanschauung“, konstatiert der Forscher. In Teilen der Szene gebe es „ein starkes Misstrauen gegenüber Mitmenschen, staatlichen Institutionen, Technik und Politik. Dieses Misstrauen mischt sich bei manchen mit dem Gefühl, in unsicheren Zeiten zu leben, sowie mit kulturpessimistischen Zeitdiagnosen von moralischem Verfall und Dekadenz.“
Davor wollten Menschen sich und ihre Familien schützen,betont Ley. „Preppen ist daher auch als eine Art proaktives Coaching zu verstehen, das Gefühlen von Verunsicherung, Ohnmacht und Verwundbarkeit entgegenwirken soll.“
Manche strebten eher an, im Krisenfall in abgelegene Gegenden ausweichen zu können: „Ihr Ziel ist, sich den Gegebenheiten vor Ort anzupassen und als Jäger und Sammler zu überleben.“ Andere rüsteten Haus oder Wohnung auf, um in einer Notlage ihren gewohnten Lebensstandard aufrecht erhalten zu können.
Was passiert bei einem Blackout?
Kritische Infrastrukturen Kurze, regionale Stromausfälle in Deutschland sind nicht gerade selten. Doch ein Blackout wäre ein ganz anderes Kaliber. Als Blackout wird ein großflächiger, langanhaltender Stromausfall bezeichnet. Neben dem BBK („Kritische Infrastrukturen“) hat auch die Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) sich mit dem Thema beschäftigt. Im Mai 2015 hat die AGBF das Grundsatzpapier „Kritische Infrastrukturen – KRITIS“ veröffentlicht. Darin wird in sechs Phasen beschrieben wie ein solcher Blackout ablaufen und wie er sich auf kritische Infrastrukturen auswirken:
Phase 1: Die ersten 10 Minuten bei einem Blackout In den ersten zehn Minuten gehen vermehrt Meldungen und Nachfragen von besorgten Bürgern, Firmen und anderen Institutionen ein, die entsprechende Störungen in ihrem Bereich melden. Allerdings gibt es bereits erste Einschränkungen bei der öffentlichen Telekommunikation, da das Festnetz bereits ausgefallen und der Mobilfunk überlastet ist. Dadurch ist auch die Kommunikation mit anderen Behörden der Gefahrenabwehr (Polizei, Feuerwehr, etc.) gestört. Erste Menschen melden sich auch aufgrund stecken gebliebener Aufzüge und darin festsitzendern Personen.
Phase 2: Die erste Stunde bei einem Blackout Aufgrund von Betriebsstörungen werden automatische Brandmeldeanlagen ausgelöst und durch das Anlaufen von Notstromaggregaten kann es zu fehlerhaften Meldungen von Bränden kommen. Jetzt brechen auch die Mobiltelefonnetze zusammen, zu einen aufgrund der Überlastung und zum anderen, da auch die Pufferbatterien der Sendemasten leer sind. Der öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) kommt weitgehend zum Erliegen. Elektrisch angetriebene Bahnen bleiben stehen und Menschen sitzen auf Brücken und in Tunnels fest. Auf den Straßen in den Metropolen kommt es zu chaotischen Zuständen, weil die Ampelanlagen ausfallen. Dazu steigt auch noch das Verkehrsaufkommen, da wegen der liegen gebliebenen öffentlichen Verkehrsmittel noch mehr Menschen auf das Auto umsteigen.
Phase 3: Zwischen erster und zweiter Stunden Im privaten Bereich kommt es zu Einschränkungen bei der Versorgung von Patienten, denn Beatmungsmaschinen, Sauerstoff- oder Dialysegeräte funktionieren ohne Strom nicht mehr. Erste Hilfesuchende suchen die lokalen Rettungsdienste oder Notrufzentralen auf. Je nach Jahreszeit macht sich jetzt auch schon der Ausfall von Heizungen und Klimaanlagen bemerkbar.
Phase 4: Der Zeitraum von zwei bis acht Stunden In diesem Zeitraum nehmen die Hilferufe nicht mehr versorgter Patienten immer stärker zu. Mittlerweile fällt auch der BOS-Funk, den Sicherheitsbehörden in Deutschland und Österreich sowie die Bundeswehr nutzen, nach und nach aus. Denn in den Basisstationen der Funkanlagen sind die Akkus leer. Weiter kommt es zu ersten Ausfällen bei der Wasserversorgung – dort arbeiten die elektrischen Pumpen und Filtersysteme nicht mehr. Auch in der Massentierhaltung treten erste Probleme auf. Kühe können zum Beispiel nicht mehr gemolken werden und in den Legebatterien steigt die Temperatur auf zu hohe Werte, weil die elektrischen Lüfter nicht mehr laufen.
Phase 5: Nach acht Stunden bis zum dritten Tag Sämtliche batteriegepufferte Sicherheitsanlagen von Alarmanlagen bis zur Brandmeldeanlagen fallen nach und nach aus. In der Massentierhaltung kommt es zu massiven Problemen. Erste Fahrzeuge bleiben ohne Kraftstoff liegen, da es an Tankstellen keinen Sprit mehr gibt. Es kommt zu ersten Versorgungsengpässen bei Lebensmitteln und Trinkwasser. Immer mehr Menschen hantieren mit offenem Feuer um zu kochen oder mit Kerzen, um die ausgefallenen elektrischen Lampen zu ersetzen. Dabei kommt es vermehrt zu Bränden. Die lokalen Katastrophenschutz-Einrichtungen haben nahezu alle Einsatzkräfte mobilisiert.
Phase 6: Nach dem dritten Tag Bei allen Dingen des täglichen Bedarfs kommt es zu massiven Versorgungsengpässen. Auch in den Haushalten, die Vorsorge getroffen haben, gehen nach und nach die Lebensmittel und das Trinkwasser aus. Öffentliche Dienstleistungen sind völlig funktionsunfähig. Es kommt vermehrt zu Plünderungen und zu einer Destabilisierung der gesellschaftlichen Ordnung. Auch der lokale Katastrophenschutz hat keine Ressourcen mehr.