Zukunft der Wälder

Forscher prophezeien massive Waldschäden in Europa

Eine neue Studie prognostiziert eine drastische Zunahme der Waldschäden in Europa. Selbst im optimistischsten Szenario sieht sie eine düstere Zukunft mit stark anwachsenden Schäden durch Brände und Stürme. In Deutschland ist ein kritischer Punkt dabei bereits überschritten.

Forscher prophezeien massive Waldschäden in Europa

Waldsterben bei Bad Homburg im Taunus.

Von Markus Brauer/dpa

Schon heute leidet der Wald unter Stürmen, Waldbränden und Borkenkäfern. Forscher haben nun berechnet, was in der Zukunft auf Wälder in Europa zukommt, wenn sich die Klimakrise weiter zuspitzt.

Dafür hat das Team von der Technischen Universität München und dem Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung (PIK) verschiedene mögliche Szenarien der weiteren Erderwärmung zugrunde gelegt. Selbst im optimistischsten Szenario sieht es düster aus für den Wald, wie die Forscher im Fachjournal „Science“ darlegen.

Zwei Szenarien für den Wald bis 2100

UN prognostziziert 2,8 Grad Erwärmung

Anders als im Worst-Case-Szenario wird bei einer Erderwärmung von zwei Grad vorhergesagt, dass die Schäden in den 2050er Jahren ihren negativen Höhepunkt erreichen und danach auf hohem Niveau wieder leicht zurückgehen werden. Auch Jahre mit extrem vielen Waldbränden würden deutlich häufiger vorkommen.

Derzeit steuert die Erde den Vereinten Nationen zufolge mit der weltweiten Klimapolitik bis zum Ende des Jahrhunderts auf 2,8 Grad Erwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit zu. Die UN sehen die Überschreitung der international vereinbarten 1,5-Grad-Grenze genauso wie Klimaforscher als kaum noch vermeidbar an.

Süd- und Westeuropa besonders betroffen

„In Zukunft werden Europas Wälder voraussichtlich weniger Kohlenstoff aufnehmen“, erklärt Christopher Reyer, Wissenschaftler am PIK und Mitautor der Studie. „Wenn Wälder weniger Kohlenstoff binden oder möglicherweise sogar mehr freisetzen als sie aufnehmen, erhöht das den Druck auf andere Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft, ihre Emissionen schneller zu senken. Gleichzeitig sollte die Waldbewirtschaftung stärker die Resilienz von Wäldern fördern.“

Besonders stark betroffen sind der Studie zufolge Süd- und Westeuropa, wo die Veränderungen am ausgeprägtesten ausfallen dürften. Nordeuropa wird insgesamt weniger stark betroffen sein, allerdings könnten auch dort regionale Hotspots mit erhöhtem Schadensrisiko entstehen.

In allen betrachteten Szenarien werden den Forschern zufolge die Schäden für den Wald zunehmen. Das hat auch Einfluss auf seine Funktionen – wie etwa die Aufgabe, Kohlenstoff zu speichern und damit ein wichtiger natürlicher Klimaschützer zu sein.

Eigenes KI-Modell für Prognosen

Das Forscherteam entwickelte für seine Prognosen ein eigenes KI-Modell: Dieses wurde mit Informationen zu Wäldern an 13.000 Orten in Europa trainiert und unter anderem mit Satellitendaten zu bereits entstandenen Waldschäden kombiniert.

Die Autoren geben an, mit ihrer Methode Störfaktoren und deren Folgen auf den Hektar genau berechnen zu können und unterschiedliche regionale Entwicklungen sehr präzise abbilden zu können. So werden der Studie zufolge Süd- und Westeuropa deutlich stärker betroffen sein als Nordeuropa.

Wald wird als Klimaschützer schwächer

„Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir auch in den nächsten Jahren große Schäden im Wald haben werden“, betont Studienautor Rupert Seidl von der Technischen Universität München. „Das heißt einerseits, dass wir größere Schwankungen in den Leistungen des Waldes abpuffern werden müssen.“ Andererseits böten Schäden die Chance, einen neuen, klimaangepassten Wald zu schaffen.

Christopher Reyer vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung (PIK), erklärt: „Wenn Wälder weniger Kohlenstoff binden oder möglicherweise sogar mehr freisetzen als sie aufnehmen, erhöht das den Druck auf andere Sektoren wie Verkehr und Landwirtschaft, ihre Emissionen schneller zu senken.“

Schon seit einigen Jahren stößt der Wald in Deutschland mehr CO2 aus, als er speichert, wie die sogenannte Bundeswaldinventur des Landwirtschaftsministeriums aus dem Jahr 2022 festhält. „Seit 2017 ist der Wald vor allem durch den Verlust an lebender Biomasse durch die Klimakrise zur Quelle geworden“, heißt es darin.