Emotionale Kampagne

Frauen drehen Film: „Wir brauchen mehr Professorinnen im Land!“

Werdet Professorin in Baden-Württemberg! Dazu fordern zwei Professorinnen in einem emotionalen Kurzfilm auf. Verbreitet wird der Film über die „The Länd“-Kampagne. Was steckt dahinter?

Frauen drehen Film: „Wir brauchen mehr Professorinnen im Land!“

Zwei Professorinnen als Filmschaffende: Kathrin Kölbl (rechts) und Yvonne Zajontz werben mit weiteren Professorinnen für mehr weibliche Spitzenkräfte an den Hochschulen des Landes.

Von Daniel Gräfe

Als knapp 200 Professorinnen aus Baden-Württemberg vor zwei Jahren eine Einladung zu einem Filmdreh erhielten, wussten sie nicht viel mehr, als dass es um ihre Arbeit an der Hochschule ging. Und dass die Kleidung Professorinnen-like sein solle.

46 kamen. Sie alle forschten und lehrten an den neun Standorten der Dualen Hochschule Baden-Württemberg (DHBW), der größten Hochschule im Land. In Heilbronn erwarteten sie die Professorinnen-Kolleginnen Yvonne Zajontz und Kathrin Kölbl. Die gemeinsame Herzensangelegenheit: „Wir brauchen mehr Professorinnen im Land!“

Die Kampagne hat einen nüchternen Hintergrund. Obwohl derzeit bundesweit 53 Prozent der Hochschulabschlüsse und 46 Prozent der Promotionen auf Frauen entfallen, beträgt ihr Anteil bei den Professuren lediglich 30 Prozent. In Baden-Württemberg beträgt der Anteil im Schnitt nur 27 Prozent, und an der Dualen Hochschule Baden-Württemberg ist sogar nur jede vierte Professur von einer Frau besetzt.

Zutrauen in eigenes Können fehlt manchmal

Bei der Präsentation des Films im Ratskeller des Stuttgarter Rathauses sehen die Expertinnen einen Teil der Gründe auch bei den Frauen selbst. „Manchmal ist das Zutrauen in das eigene Können nicht da“, sagt die Sozialbürgermeisterin der Stadt, Alexandra Sußmann. Dazu komme die meist von Frauen getragene Carearbeit.

„Frauen neigen dazu, die in den Stellenanzeigen geforderten Anforderungen strikter zu sehen als Männer“, erläutert die baden-württembergische Regionalchefin der Bundesagentur für Arbeit, Martina Musati. Und Simone Burel, Herausgeberin der Buchreihe „Sprache & Wirtschaft“, ergänzt: „Frauen bewerben sich häufig erst, wenn sie aktiv angesprochen werden.“

Der Film lebt vom Überraschungseffekt

Dafür soll nun der Film sorgen, für den die Heilbronner Professorinnen und Gleichstellungsbeauftragten Zajontz und Kölbl „kämpften“, wie sie sagen. Dass es klappen könnte, zeigt der authentische wie nahbare Ansatz des Siebenminüters, der in Zusammenarbeit mit der Heilbronner Filmproduktion HNYwood entstand.

Der Film lebt von dem Überraschungseffekt der eingeladenen Professorinnen, die sich spontan auf Fragen wie „Wer von Ihnen dachte einst: ,Professur – das ist nichts für mich‘“? oder „Wer von Ihnen glaubt, dass Frauen eine Hochschule besser machen“? sich auf ein Ja-Feld stellen oder stehen bleiben müssen. Und es geht auch um persönliche Erfahrungen, wenn eine Professorin von einer sexistischen Bemerkung berichtet: „Eine Frau mit drei Kindern gehört nach Hause“.

Aufforderung, sich zu bewerben

Mit der Vielfalt der Gruppe will auch die Hochschule Berührungsängste nehmen. Unter den Professorinnen ist eine Videospielerin dabei, eine andere hat „eine Hühnerkommune gegründet“, und nur eine ernährt sich vegan. Multitasking kann die Mehrheit – zumindest im Vergleich zu Männern, wie sie sagen. Viele kommen aus Nicht-Akademiker-Familien. Was sie eint, sind berufliche Anerkennung, freie Zeiteinteilung, Hingabe und Disziplin.

Das verfilmte Gemeinschaftserlebnis mit dem Titel „Dein Platz ist hier!“ ist gleichzeitig die Aufforderung, sich zu bewerben. „Und dann bleibst du einfach da“, heißt es, und: „Es ist vielleicht leichter, als du denkst.“

Auch mithilfe des Films will die Duale Hochschule Baden-Württemberg einen Professorinnenanteil von 32 Prozent erreichen, langfristig soll es die Hälfte sein. „Mehr Professorinnen bedeuten mehr Perspektiven, mehr Innovation und ein Wissenschaftssystem, das unsere Gesellschaft realistisch widerspiegelt“, betont Yvonne Zajontz, und Mitinitiatorin Kathrin Kölbl ergänzt: „Unser Ziel ist, dass sich promovierte Frauen in diesen Bildern wiederfinden und sagen: Das könnte mein Weg sein, ich kann mir diese Rolle für mich vorstellen.“

Damit der Film viel Verbreitung findet und bestenfalls „viral geht“, wird er Teil der baden-württembergischen Image- und Standortkampagne „The Länd“. Gleichzeitig ist er auch auf den sozialen Medien und Informationskanälen der Hochschule selbst abzurufen.