Titelverteidiger Taylor Fritz plant den nächsten Coup in Stuttgart, doch sein Landsmann Ben Shelton hat nach seinem spektakulären Halbfinale etwas dagegen.
Lasst mal was hören: Ben Shelton animiert das Stuttgarter Publikum nach seinem Finaleinzug.
Von Marco Seliger
Taylor Fritz ist im Fußballfieber, zumindest ein bisschen. Der US-Amerikaner hat am Samstagnachmittag auf dem Stuttgarter Weissenhof den nächsten Schritt in Richtung Titelverteidigung bei den Boss Open gemacht – und nach seinem 6:4, 6:4 im Halbfinale gegen Alexander Bublik aus Kasachstan berichtete er davon, dass er sich vorher zumindest die Höhepunkte des 4:1 des US-Teams zum WM-Auftakt gegen Paraguay in der Nacht zum Samstag angeschaut habe: „Es war toll zu sehen, sie haben wirklich großartig gespielt.“
Das ließ sich auch über den Auftritt des Weltranglistenneunten am Samstag auf dem Centre Court auf dem Killesberg sagen. Denn nach zuvor teils zähen Dreisatzsiegen steigerte sich Fritz und strebt nun nach dem Finalsieg gegen Alexander Zverev im vergangenen Jahr den nächsten Triumph in Stuttgart an. Sollte der 28-Jährige das Endspiel gegen seinen Landsmann Ben Shelton an diesem Sonntag (14 Uhr) gewinnen, wäre er der erste Profi seit einem gewissen Thomas Muster, der seinen Titel in Stuttgart verteidigen kann. Der Österreicher siegte, damals noch auf Sand, in den Jahren 1995 und 1996.
„Ich hatte zu kämpfen in den ersten Matches“, sagte Fritz nun mit Blick auf seine engen Spiele vor seinem Halbfinale am Samstag – in dem er stark verbessert auftrat: „Ich mag es, ins Risiko zu gehen, Aufschlag und Rückhand waren heute gut.“
Fritz bedankt sich bei den Fans
Ebenso wie die Unterstützung des Stuttgarter Publikums, das sich nach teils verregneten Tagen und Stunden zuvor über den ersten echten Sonnentag des Turniers anno 2026 freute. „Ich fühle immer sehr viel Liebe hier und fühle mich wie zuhause“, sagte Fritz noch übers Stadionnmikro und erntete dann seinen letzten großen Applaus des Tages.
Den bekam auch sein Finalgegner von diesem Sonntag. Ben Shelton, Weltranglistenfünfter und in diesem Jahr auf dem Weissenhof an Nummer eins gesetzt, setzte sich in seinem Halbfinale in einem fast dreistündigen Kraftakt mit 6:7 (4:7), 7:6 (16:14), 7:6 (8:6) gegen Jiri Lehecka aus Tschechien durch.
Besonders der Tiebreak im zweiten Satz war nichts für schwache Nerven – die Führung wechselte ständig hin und her, Shelton und Lehecka lieferten sich einen echten Thriller und rissen die Zuschauer mit spektakulären Ballwechseln von ihren Sitzen.
„Ich habe keine Worte“, sagte Shelton nach dem Tiebreak-Krimi in Richtung des Publikums: „Ich hoffe, ihr habe es gemocht.“ Die Antwort kam schnell: mit Begeisterungsschreien und dem nächsten donnernden Applaus des Tages.
Shelton ist, wenn man so will, der Marathonmann von Stuttgart dieser Tage – denn die vielen Regenunterbrechungen brachten vor allem seinen Spielplan durcheinander. So musste er an einem Tag jeweils mehrfach zwei Spiele absolvieren. So auch am Samstag: Zuerst brachte er auf dem Centre Court noch sein Viertelfinale vom Vortag zu Ende, dann stieg das erste Halbfinale mit Taylor Fritz, ehe Shelton für sein Semifinale auf den Platz zurückkehrte.
Obendrein musste Shelton bei diesem straffen Programm auch immer über drei Gewinnsätze gehen. „Es ist eine kurze Rasensaison, da versuche ich eben so viele Stunden wie möglich auf dem Platz zu sammeln“, scherzte er hinterher: „Es gibt viele Arten, ein Match zu gewinnen – ich habe hier halt bisher immer die schwierigste gewählt.“
Am Ende ging immer alles gut, und so soll es aus Sheltons Sicht auch an diesem Sonntag im großen US-Finalduell gegen Fritz wieder sein.