Abfindung und dann?

Für die Ex-Mercedes-Mitarbeiterin bedeuten Immobilien Mobilität

Nach dem Abschied vom Stern-Konzern nutzt Jara López die neue Freiheit und alte Kontakte, um als Maklerin eine Brücke zwischen Deutschland und Spanien zu bauen.

Für die Ex-Mercedes-Mitarbeiterin bedeuten Immobilien  Mobilität

Im August 2025 sagt Jara López Mercedes „Adiós“.

Von Peter Stolterfoht

Das Leben ist eine Aneinanderreihung von Zufällen, sagen die einen. Jara López gehört zu den anderen. Zumindest mit Blick auf ihr eigenes Berufsleben. Das hat sie zunächst ohne Umwege zu Mercedes geführt. Als Immobilienmaklerin kehrt sie jetzt aber wieder häufiger zurück nach Spanien, nachdem sie im August den Konzern mit einer Abfindung verlassen hat. „Das war kein Zufall, sondern eine logische Entwicklung“, sagt sie. Aber der Reihe nach.

Interrail-Nostalgie führt nach Deutschland

Mit 14 kommt Jara López nach Deutschland. Die Eltern wollen hier ihr Sabbatical verbringen. Es sind die schöne Erinnerungen an Interrail-Zeiten, die diese Entscheidung beeinflussen. Aber auch die Überlegung, das von der Tochter und dem Sohn auf der Schweizer Schule in Madrid erlernte Deutsch einem echten Praxistest zu unterziehen. Einfach loslegen, dieser Ansatz scheint in den López-Genen fest verankert zu sein.

Der Familie gefällt es in Kirchzarten bei Freiburg so gut, dass sie bleibt. Jara López macht ihr Abitur und studiert Volkswirtschaftslehre in Freiburg. Nebenbei gründet die voller Energie steckende junge Frau ein Startup für Luxusferienvermietungen im Schwarzwald.

Die Theorie ist Jara López nicht genug, sie sucht immer auch die schnelle praktische Anwendung. Und wird nach einem Tipp ihrer Tante auf die duale Hochschule in Madrid aufmerksam. „Da gehe ich aber nur hin, wenn mein Ausbildungs-Unternehmen Mercedes ist“, sagt sie. Das hat wiederum mit dem Großvater von Jara López zu tun, der seinen Enkelkindern schon früh mit auf den Weg gegeben hatte, dass es kein besseres Auto als einen Mercedes gebe. Im Schlepptau des Opas, den die Enkelin „extravagant“ nennt, ist sie auch bei der spanischen Präsentation der A-Klasse dabei. Dort findet sie sich zu Demonstrationszwecken bezüglich der Größe des Kofferraums irgendwann in selbigem wieder.

Und Jahre später wählt die spanische Mercedes-Vertretung unter vielen Bewerbern tatsächlich nur Jara López als duale Studentin aus. So beginnt ihre Mercedes-Laufbahn jetzt richtig, die sie im dritten Ausbildungsjahr wieder nach Deutschland führt. Für den Konzern arbeitet sie in der Folge als Projektmanagerin für Smart in Sindelfingen, in der Logistik in Stuttgart-Wangen, im Einkauf oder als Assistentin der Entwicklungsleitung für Sportwagen bei AMG. In Affalterbach ist sie von der Dynamik des Unternehmens begeistert, das so ganz ihrem eigenem Vollgas-Naturell entspricht. Zuletzt war sie in der Compliance bei der Mercedes Holding tätig.

Mercedes als gute Schule

Das Thema Selbstständigkeit hat sie aber immer im Hinterkopf. Deshalb geht Jara López Anfang 2024 für ein Jahr in unbezahlten Urlaub, um sich wieder voll ins nie ganz aufgegebene Immobiliengeschäft zu stürzen. „In dieser Zeit ist mir klar geworden, dass es wirklich mein Ding ist und nichts besser zu mir passt“, sagt sie. Es folgt im August 2025 der Mercedes-Ausstieg samt Abfindung.

Ihr Blick zurück ist von „Dankbarkeit“ geprägt, wie die Aussteigerin selbst sagt: „Es gibt keine bessere Schule als Mercedes, ich fühle mich perfekt auf die Aufgabe als Maklerin vorbereitet.“ Dabei wolle sie nicht nur Geld verdienen, sondern auch Werte wie Loyalität und Nachhaltigkeit vermitteln und für Transparenz stehen – „mit einer ganz persönlichen Marke in klarer Abgrenzung zu einer anonymen“, wie die Unternehmerin betont.

All das erzählt Jara López in ihrem „Büro“. Das sind zwei, drei Cafés im Stuttgarter Westen, die sie zu ihrem Arbeitsplatz erklärt hat. Ein paar Tassen Kaffee und das Handy genügen ihr für den Arbeitsalltag, den sie inzwischen ganz ohne Auto organisiert. Heute ist es das „Carlo“ in der Rotebühlstraße, dessen hausgemachtes Gebäck eine fast magische Anziehungskraft auf sie ausübt. Wenn sie nicht gerade bei einer Besichtigung ist – dafür fliegt sie auch immer wieder nach Spanien. Gerade hat sie auf Mallorca mit einem Penthouse-Apartment in Playa de Palma zu tun – mit Meerblick für 495 000 Euro. Im Moment ist es aber der Verkauf einer 2,55 Millionen teuren Villa in Schönaich, der während des Gesprächs immer wieder WhatsApp-Piepser auf ihrem Handy auslöst – oder wahlweise die unter Denkmalschutz stehende Fünf-Zimmer-Wohnung in Stuttgart-Süd.

Leidenschaftlich auch in der Küche

Wenn das nicht schon genug wäre. Weil sie selbst von ihrem – unter anderem dank Mercedes – großen Netzwerk profitiert, bietet Jara López anderen Gründerinnen in dieser Frage verstärkt seit zwei Jahren Unterstützung unter dem Label „Female Global Founder Spirit“ an.

Und dann ist da ja noch die Leidenschaft für spanische Gerichte. In der eigenen Wohnung im Stuttgarter Westen ist die selbstentworfene Küche ihr ganzer Stolz. Zu ihren Spezialitäten zählen das Reisgericht Arroz Meloso, Croquetas oder eine Tortilla de Patata. Darüber spricht sie übrigens mit derselben Leidenschaft wie über ihren Beruf.