Der Bosnien-Beauftrage Christian Schmidt muss wohl auf Druck aus den USA zurücktreten. Der Region droht das Aufflammen alter Konflikte, kommentiert unser Korrespondent Knut Krohn.
Der Bosnien-Beauftrage Christian Schmidt wirft das Handtuch. Das geschieht offenbar auf Druck aus den USA.
Von Knut Krohn
Die Europäische Union schenkt dem Balkan traditionell wenig Aufmerksamkeit. Das ist ein Fehler, denn die USA, China und Russland betreiben in der unruhigen Region seit Jahren gezielt eine machtbewusste Geopolitik und versuchen, sich in diesem vernachlässigten Hinterhof Europas immer mehr Einfluss zu sichern. Nun sollte die EU angesichts einer vermeintlich nebensächlichen Personalie alarmiert sein. Fünf Jahre lang überwachte Christian Schmidt das Friedensabkommen für das einst vom Krieg zerrissene Bosnien-Herzegowina. Jetzt wirft der Deutsche das Handtuch. Kolportiert wird, dass dies auf massiven Druck aus Washington geschieht.
Schmidts Kampf gegen den serbischen Nationalismus
Seit seiner Ernennung versuchte Christian Schmidt, den zerstörerischen Einfluss des serbischen Nationalismus und der russischen Einflussnahme in dem Land zurückzudrängen. Dabei konnte er sich immer der Unterstützung durch die USA sicher sein. Das hat sich unter dem neuen Präsidenten Donald Trump radikal geändert. Offensichtlich stellen die Verantwortlichen in Washington nun die eigenen Geschäftsinteressen über das Wohl Europas und wollen beim Bau von Pipeline- und Gaskraftwerksprojekte kräftig verdienen.
Die USA und Russland agieren Hand in Hand
Möglich wird das nur durch die Zusammenarbeit der US-Unterhändler mit dem ewig zündelnden Separatistenführer Milorad Dodik. Der Freund des russischen Präsidenten Wladimir Putin steht zwar auf der europäischen Sanktionsliste, steuert aber mit Hilfe aus dem Kreml aus dem Hintergrund die Geschicke in der Region. Diese indirekte Kooperation der USA und Russlands birgt massiven Sprengstoff, Europa sollte sich auf unruhige Zeiten in seinem Hinterhof einstellen.