Die weltweiten Migrationsströme haben sich seit dem Jahr 2000 fast verdreifacht. Eine Studie zeigt, wohin besonders viele Menschen ziehen – und wie vielfältig die Ursachen für Migration sind.
Kriegsflüchtlinge aus Syrien besteigen am 5. Oktober 2015 in Gyekenyes Zakany Railway Stationin Ungarn einen Zug, der sie nach Deutschland bringt.
Von Walter Willems (dpa)/Markus Brauer
Die jährlichen Migrationsströme weltweit haben sich seit dem Jahr 2000 nahezu verdreifacht. Verließen in jenem Jahr noch etwa 13 Millionen Menschen ihre Heimat, waren es im Jahr 2023 etwa 35 Millionen Menschen.
Zwei Wissenschaftler haben für die im Fachmagazin „Nature“ vorgestellte Studie Künstliche Intelligenz mit Bevölkerungs- und Wirtschaftsdaten kombiniert.
Training a neural network to collate data from several sources provides a high-resolution view of how people are moving around the worldhttps://t.co/z3G38PKSYA — nature (@Nature) June 13, 2026
Reporte zu Migrations-Bewegungen
Bislang basierten solche Daten den Autoren zufolge vor allem auf zwei statistischen Quellen:
Dies seien lediglich Momentaufnahmen, erklärt das Duo von der London School of Economics und der Universität Hongkong. Das nun genutzte Verfahren habe eine wesentlich höhere zeitliche Auflösung und ermögliche einen genaueren Blick auf die Entwicklung von Migration und auf ihre Ursachen wie Kriege, Wirtschaftskrisen und Epidemien.
Besonders nützlich sei die Methode für den Globalen Süden, für den es wesentlich weniger erfasste Daten gebe als etwa für Europa.
Woher Flüchtlinge kamen und wohin sie gingen
Deutschland: Zuzug und Wegzug
Interaktive Grafiken zur Studie schlüsseln die Zuwanderung für jedes Land und jedes Jahr detailliert auf:
Migration getrieben von langfristigen Entwicklungen
Einschränkend gibt das Team zu bedenken, dass die Berechnung von Migrationsdaten äußerst komplex ist. Zudem beinhalte die verwendete Methode lediglich die Bewegungen über Ländergrenzen, nicht die teils erhebliche Binnenmigration innerhalb von Staaten.
„Unsere jährlichen Daten ergeben ein klareres Bild und zeigen, dass die Migrationsrate tatsächlich seit 2000 gestiegen ist“, bilanziert Co-Autor Guy Abel von der Universität Hongkong. „Dieser zunehmende Trend scheint eher von langfristigen demografischen Verlagerungen und der wirtschaftlichen Entwicklung angetrieben zu sein als von plötzlichen isolierten Krisen.“