Neues Jahrestief

Goldpreis erneut um 10 % gefallen - Das sind die Gründe

Der Goldpreis hat über das Wochenende erneut einen deutlichen Rückgang erlebt und ist auf ein neues Jahrestief gefallen. Was steckt hinter dem drastischen Kursverlust?

Goldpreis erneut um 10 % gefallen - Das sind die Gründe

Der Goldpreis ist auf ein neues Jahrestief gefallen und hat über das Wochenende weitere 10 Prozent verloren. Erfahren Sie, welche Faktoren den Kursrückgang ausgelöst haben.

Von Matthias Kemter

Der Goldpreis, der oft als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt, hat in den letzten Tagen massiv an Wert verloren. Am Montagmorgen notierte eine Feinunze Gold bei nur noch 4.120 US-Dollar, was einem Rückgang von etwa 10 Prozent über das Wochenende und 15 Prozent im 7-Tagesvergleich entspricht. Die Gründe sind eng mit den aktuellen geopolitischen Spannungen und wirtschaftlichen Entwicklungen verknüpft.

US-Geldpolitik belastet Edelmetalle

Ein zentraler Faktor für den Preisverfall in der letzten Woche ist die restriktive Haltung der US-Notenbank Fed. Obwohl die Zinsen unverändert blieben, stellte die Fed im Zinsentscheid in der vergangenen Woche lediglich eine Zinssenkung für das laufende Jahr in Aussicht. Dies enttäuschte die Marktteilnehmer, die ursprünglich mit zwei Zinsschritten gerechnet hatten. Die Aussicht auf eine weiterhin straffe Geldpolitik stärkte den US-Dollar und macht zinslose Edelmetalle unattraktiver. Da Gold in US-Dollar gehandelt wird, verteuert ein starker Dollar das Edelmetall zudem für internationale Käufer und dämpft somit ebenfalls die Nachfrage. Auch US-Staatsanleihen werden mit vermeintlich höheren Zinsen gegenüber zinslosen Edelmetallen lukrativer.

Steigende Inflationssorgen

Die Ölpreise steigen zum Wochenbeginn ebenfalls weiter und somit auch die Inflationssorgen. Die damit ohnehin schon gedämpften Erwartungen an Zinssenkungen verschieben sich damit zu potenziellen Zinserhöhungen. Die Attraktivität von Gold wird dadurch weiter geschmälert.

Geopolitische Spannungen und der Iran-Krieg

Trotz der Eskalation im Nahen Osten bleibt die klassische Flucht in die „sicheren Häfen“ Gold und Silber scheinbar aus. Seit Beginn des Krieges im Nahen Osten am 28. Februar sind die Kurse der Edelmetalle Gold und Silber nach einem kurzen Aufwind schnell wieder gefallen. Der Grund, warum sich keine nachhaltige Rally entwickelte, liegt vor allem darin, dass die Sorgen um eine Nahost-Eskalation bereits im Vorfeld in die Kurse eingeflossen sind. Ganze 20 Prozent zog der Silberpreis in den 10 Tagen vor dem Beginn des Iran-Krieges an. Der Goldpreis legte in dem Zeitraum etwa 12 Prozent zu. Die historische Edelmetall-Rally im Januar hat auch gezeigt, wie überhitzt und spekulativ der Markt mittlerweile ist. Um über 60 Prozent stieg der Kurs des Silberpreises im Januar und korrigierte sich anschließend innerhalb einer Woche wieder auf den Vormonatsstand. Bei solch einer Volatilität macht es Sinn, wenn weitere Korrekturen ebenfalls stärker ausfallen.

Scheinbar starker Dollar & liquiditätshungrige Märkte

Ein entscheidender Faktor für den Höhenflug des US-Dollars ist neben den Zinsaussichten die Position der USA als Energieexporteur. Während andere Länder wie Japan oder Europa stark von Energieimporten abhängig sind und unter den steigenden Ölpreisen leiden, profitieren die USA von hohen Energiepreisen, da sie selbst Öl exportieren. Zudem wird Öl weltweit in US-Dollar gehandelt, was die Nachfrage nach der Währung zusätzlich antreibt. Auch die Schwäche anderer sicherer Häfen wie des japanischen Yen und die Attraktivität von US-Staatsanleihen mit hohen Zinsen spielen dem Dollar in die Karten. Zudem generieren die Märkte zu Beginn von neuen Krisen oft Liquidität, um Lücken woanders zu stopfen. Die Leitwährung Dollar ist dabei oft die pragmatische erste Wahl und das trotz unvorhersehbarer US-Politik, hoher US-Verschuldung und all den Risiken, welche die Währung im vergangenen Jahr belastet haben.

Zwangsverkäufe & Margin Calls verstärken den Abwärtstrend

Ein weiterer Faktor, der den Goldpreis belastet, sind Zwangsverkäufe. Angesichts der Verluste an den Aktienmärkten zum Wochenbeginn, insbesondere in Asien und den USA, mussten viele Anleger ihre Goldpositionen auflösen, um Margin Calls bei anderen Vermögenswerten zu decken. Dies hat den Verkaufsdruck auf Gold zusätzlich erhöht und den Preis weiter nach unten gedrückt.

Technische Faktoren verschärfen die Lage

Aus charttechnischer Sicht hat der Goldpreis wichtige Unterstützungsmarken nach unten durchbrochen. Nachdem die Marke von 4.500 US-Dollar unterschritten wurde, beschleunigte sich der Abwärtstrend. Die nächste kritische Unterstützung liegt deutlich unter 4.000 US-Dollar.

Ein historischer Rückgang

Mit dem aktuellen Kursrückgang hat Gold alle Gewinne des Jahres 2026 wieder eingebüßt. Seit dem Rekordhoch von 5.600 US-Dollar Ende Januar beträgt der Verlust inzwischen etwa 25 Prozent. Dies zeigt, wie stark die Unsicherheiten an den Märkten das Edelmetall belasten.