Fed , Zölle & Iran

Goldpreis sackt um 2 % ab - Der Hintergrund

Der Goldpreis ist am Mittwoch deutlich gefallen und notierte kurzzeitig bei knapp 4.400 US-Dollar pro Unze. Die jüngsten Entwicklungen an den internationalen Finanzmärkten sorgen für Unsicherheit.

Goldpreis sackt um 2 % ab - Der Hintergrund

Der Goldpreis fällt auf die Marke von 4.400 US-Dollar. Wie neue Importzölle in Asien, Inflationsängste und die US-Zinspolitik den Goldmarkt belasten

Von Matthias Kemter

Nach einer Phase historischer Höchststände hat der Goldpreis in den letzten Tagen spürbar nachgegeben. Der Rückgang unter die psychologisch wichtige Marke von 4.500 US-Dollar pro Unze spiegelt die wachsenden Sorgen der Anleger über Inflation, Zinspolitik und neue Importsteuern in Asien wider.

Neue Importzölle in Asien

Ein Auslöser für den aktuellen Preisrückgang sind neue Importsteuern auf Gold in Asien. Indien hat bereits zur Mitte des Monats die Zölle auf importiertes Gold mit einer Anhebung von 6 auf 15 Prozent mehr als verdoppelt, um die enorme Goldnachfrage des Landes zu bremsen. Ziel der Maßnahme war, die eigene Währung zu schützen und die Zahlungsbilanz zu stabilisieren. Zur selben Zeit legte Goldman Sachs eine Analyse vor, die zeigte, dass die wahre Nachfrage der Zentralbanken nach Gold massiv unterschätzt wurde, was den Kurs stabilisierte. Nun folgt allerdings auch Malaysia dem Beispiel Indiens und führt mit Wirksamkeit zum 8. Juni 2026 erstmals eine Importsteuer von 10 % auf Goldimporte ein. Im Raum steht damit nun die Frage, ob weitere Länder nachziehen könnten.

Inflationssorgen und die FED-Geldpolitik

Gleichzeitig belasten die anhaltenden Inflationssorgen durch den Iran-Krieg und somit eine einhergehende restriktive Geldpolitik der US-Notenbank (Fed) den Goldpreis. Die Erwartung, dass die Fed die Zinsen länger hochhalten oder sogar weiter anheben könnte, hat zu Kapitalabflüssen aus dem Goldmarkt geführt. Angeheizt wurden die aktuellen Inflationssorgen durch die jüngsten Aussagen von Neel Kashkari, dem Präsident der US-Notenbank von Minneapolis. Er betont in einem Interview mit Reuters, dass die Federal Reserve angesichts anhaltend hoher Inflation weltweit, verstärkt durch den Iran-Konflikt und gestiegene Energiepreise, jetzt vorrangig auf Inflationsrisiken reagieren muss. Ein konkreter Zeitpunkt für die nächste Zinserhöhung sei nicht absehbar; die Entwicklung hänge von weiteren Daten und geopolitischen Ereignissen ab. Kashkari warnt, die Inflation stelle derzeit ein größeres Risiko dar als eine mögliche Verschlechterung des Arbeitsmarktes. Die Fed müsse neutral und flexibel bleiben, um auf die wirtschaftliche Gesamtlage angemessen reagieren zu können, während Fragen zur US-Staatsverschuldung und zu globalen Marktrisiken die Unsicherheit zusätzlich erhöhen.

Gold & Inflation: Warum steigende Preise nicht automatisch helfen

Entgegen der verbreiteten Meinung, dass eine steigende Inflation automatisch ein Kurstreiber für Edelmetalle ist, reagiert der Goldkurs nur indirekt auf Inflationssorgen. Im Zentrum der Märkte steht vor allem die Liquidität und steigende Leitzinsen (sogar die Aussichten darauf) sorgen für attraktiver werdende fest verzinste Anlagen wie Staatsanleihen, da Gold keine laufenden Erträge abwirft. Das bedeutet nicht, dass Gold nicht mehr als sicherer Hafen in Krisenzeiten gilt. Geopolitische Unsicherheit ist allerdings etwas anderes als eine systemische Unsicherheit, in der zum Beispiel das Vertrauen in Banken sinkt.

Langfristige Perspektiven: Was spricht für eine Gold-Erholung?

Trotz der aktuellen Schwächephase sehen viele Experten die langfristigen Aussichten für Gold weiterhin positiv. Sollte es zu einer Entspannung im Nahen Osten kommen oder die Weltwirtschaft sich abschwächen, könnte die US-Notenbank gezwungen sein, die Zinsen zu senken. Ein Szenario, das den Goldpreis wieder stützen würde. Auch die anhaltenden Goldkäufe der Zentralbanken gelten als wichtige Stütze für den Markt.