Der Goldpreis hat am Dienstag deutlich nachgegeben und ist auf den tiefsten Stand seit mehr als drei Wochen gefallen. Die aktuelle Bewegung lenkt den Blick wieder stärker auf den Rohstoffmarkt und die anstehenden geldpolitischen Termine.
Der Goldpreis ist auf ein Dreiwochentief gefallen. Was dahinter steckt und welche Themen Anleger nun besonders beobachten.
Von Matthias Kemter
Zum Dienstag fällt der Goldpreis kräftig. Von knapp über 4.700 Dollar fiel der Kurs auf aktuell 4.570 USD je Feinunze. Auch die Gold-Futures für Juni liegen im Minus. Damit setzt sich die jüngste Schwäche des Edelmetalls fort. Anleger schauen vor mehreren Notenbankentscheidungen vor allem auf Inflation, Zinsen und die Entwicklung an den Energiemärkten.
Ölpreis rückt wieder in den Vordergrund
Ein wichtiger Auslöser für den Druck auf den Goldpreis ist der kräftige Anstieg am Ölmarkt. Die Hoffnung auf Fortschritte im Konflikt mit Iran hat nachgelassen, zugleich bleiben die Energieflüsse beeinträchtigt. Brent verteuerte sich dadurch deutlich und notierte zeitweise über 110 Dollar je Barrel. Für die Finanzmärkte ist das ein klares Warnsignal, weil steigende Ölpreise in vielen Bereichen die Kosten erhöhen und neuen Inflationsdruck erzeugen können.
Inflationssorgen verändern den Marktblick
Normalerweise profitiert Gold in Phasen geopolitischer Unsicherheit als klassischer sicherer Hafen. Im aktuellen Umfeld ist dieser Effekt aber in den Hintergrund gerückt. Stattdessen dominiert die Sorge, dass höhere Energiepreise die Inflation weiter anheizen könnten. Genau das verändert den Blick der Anleger auf Gold. Nicht die Schutzfunktion des Metalls steht im Mittelpunkt, sondern die Frage, wie die Notenbanken auf einen möglichen neuen Inflationsschub reagieren.
Zinsen und ein starker Dollar
Vor allem die Geldpolitik belastet den Goldpreis derzeit. An den Märkten wird fest damit gerechnet, dass die US-Notenbank FED die Leitzinsen bei ihrer morgigen Sitzung unverändert lässt. Gleichzeitig wächst die Erwartung, dass Zinssenkungen weiter auf sich warten lassen könnten. Teilweise wird sogar damit gerechnet, dass die Fed im weiteren Jahresverlauf erneut über höhere Zinsen nachdenken muss, falls die Teuerung hoch bleibt. Für Gold ist das ein Problem, weil das Metall keine laufenden Erträge abwirft. Wenn Zinsen länger hoch bleiben oder sogar steigen, werden Anleihen und andere verzinste Anlagen im Vergleich attraktiver. Das mindert die Nachfrage nach Gold. Zusätzlichen Gegenwind bekam der Goldpreis auch vom Devisenmarkt, denn der Dollar legte zuletzt zu, was Gold für Käufer außerhalb des Dollarraums verteuert.