Für Deniz Undav läuft es vor dem WM-Start: Beim VfB wird sein Vertrag vorzeitig verlängert und beim DFB präsentiert sich der Nationalstürmer gut in Schuss.
Deniz Undav bejubelt seinen Treffer zum 1:0 gegen Finnland.
Von Carlos Ubina
Mainz - Da stand er nun. In seinem neuen grünen Trainingsanzug und mit einem Grinsen im Gesicht. Typisch Deniz Undav. Er hatte zuvor beim 4:0 gegen Finnland ja auch ein typisches Undav-Spiel geboten – mit zwei Treffern und einer Torvorlage im WM-Test. Doch dann hatte sich der Nationalstürmer des VfB Stuttgart an die oberen Oberschenkel oder die „unteren Arschbacken“ gegriffen. Irgendwo in diesem Bereich jedenfalls schmerzte es den 29-Jährigen.
Medizinisch ist das kleine Malheur noch nicht so richtig erfasst, aber in einer ersten Selbstdiagnose nach seiner Auswechslung sagte „Doktor“ Undav: „Mir geht es gut. Ich denke nicht, dass es etwas Ernsthaftes ist, denn ich kenne meinen Körper. Ich hatte das schon zu Wochenbeginn. Dann war es wieder weg für zwei, drei Tage.“
Von Undav gibt es nach der Begegnung in Mainz also gleich eine ganze Reihe von guten Nachrichten. Er ist sportlich in seinem Element, versprüht im Kreis des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) beste Laune und gibt Entwarnung, was die Verletzung anbelangt. „Zwei, drei Tage Pause – dann geht es wieder weiter“, meinte der Offensivspieler, der gegen schwache Finnen starke Eigenwerbung im Nationaltrikot betrieb.
Zudem bestätigte der VfB am Montag die Vertragsverlängerung mit dem Publikumsliebling. Das neue Arbeitspapier läuft, wie bereits berichtet, bis 2029 inklusive einer Option für ein weiteres Jahr. Bis zu sechs Millionen Euro erhält der Angreifer dafür pro Saison plus ein Handgeld von drei Millionen Euro für seine Unterschrift. „Ich bin sehr glücklich, dass mein Weg in Stuttgart weitergeht. Der Verein und die Stadt sind in den letzten drei Jahren so etwas wie eine zweite Heimat für mich geworden“, sagte Undav.
Der Torjäger darf sich also als der große Gewinner der vergangenen Tage fühlen. Noch vor dem Abflug in die USA mit der Nationalmannschaft wollte er seine sportliche Zukunft klären. Das ist gelungen und Undav kann sich ab sofort nur noch auf das Mammutturnier in Nordamerika konzentrieren. An diesem Dienstag hebt der Flieger mit den DFB-Spielern ab – und mit im Gepäck des Stuttgarters steckt viel Selbstvertrauen.
Trotz vergebener Chancen zu Beginn der Begegnung mit Finnland (die weiteren Tore erzielten noch Florian Wirtz und Jamal Musiala). Undav wäre jedoch nicht Undav, wenn er sich nicht auf seinen Instinkt im Strafraum verlassen könnte. Das macht den VfB-Star wertvoll, auch in der DFB-Auswahl. „Deniz hat immer gefährliche Situationen in der Box gehabt. Er war an drei Toren beteiligt, von dem her war es ein sehr gutes Spiel“, sagte der Bundestrainer Julian Nagelsmann und fügte hinzu: „Wenn du zwei Tore machst und dann noch einen vorlegst, spielst du dich nie aus der Mannschaft.“
Undav darf sich demnach Hoffnungen machen, zum Startelf-Kandidaten zu avancieren. Zumindest vorläufig. Trotz definierter Jokerrolle im DFB-Team und obwohl bald wieder Kai Havertz zur Verfügung steht. Der Angreifer des FC Arsenal fehlte zuletzt, da er mit seinem Club aus London im Champions-League-Finale gegen Paris Saint-Germain gefordert war. Havertz schließt sich nun zwar als Endspielverlierer dem DFB-Tross in Chicago an, aber ebenso als Endspiel-Torschütze. Und er verfügt in der Offensive über Weltklasse-Format auf mehreren Positionen, wie Nagelsmann immer wieder betont.
Undav kennt die Überzeugung des Bundestrainers und erhebt vor den nächsten Länderspielen (WM-Generalprobe am Samstag gegen die USA, WM-Start am 14. Juni gegen Curaçao) keine Ansprüche. Denn das Arrangement ist klar, nachdem es nach dem März-Länderspiel gegen Ghana (2:1) in Stuttgart kontroverse Diskussionen über Nagelsmanns Umgang mit seinem damaligen Siegtorschützen gab. Offensichtlich genervt vom Undav-Hype kritisierte der Bundestrainer den Stürmer anstatt ihn zu loben.
Mittlerweile sind die Irritationen ausgeräumt und Undav blickt nach vorne. „Wenn du hier bei der Nationalmannschaft Tore machst, gibt dir das einfach nur mehr Selbstvertrauen. Jetzt heißt es, einfach weitermachen, den Moment genießen und dann gucken, was passiert“, sagte der Doppel-Torschütze, der in Konkurrenz zu Havertz und Nick Woltemade steht.
„Wir sind drei gute Stürmer und ich erledige nur meinen Job“, meinte Undav, der schon weiß, in welcher Lage er aufgrund seiner Problemchen am Po den langen Übersee-Flug am Dienstag mit der DFB-Mannschaft absolvieren will: „Im Liegen.“ Denn zur Genesung will er möglichst wenig sitzen.