Batteriehersteller

Großkunde springt ab – Varta schließt Standort in Nördlingen

Beim Batteriehersteller Varta springt ein Großkunde ab. Ein Werk in Nördlingen in Bayern muss schließen, rund 350 Jobs sind weg. Wie es nun weitergeht.

Großkunde springt ab – Varta schließt Standort in Nördlingen

Varta macht Standort in Nördlingen dicht. (Archivbild)

Von dpa

Ellwangen/Nördlingen - Der Batteriehersteller Varta schließt zum Herbst seine Fabrik im bayrischen Nördlingen. Ein großer Kunde, der für fast 100-prozentige Auslastung des Standortes gesorgt habe, kaufe künftig keine Knopfbatterien von Varta mehr, sagte ein Unternehmenssprecher. Damit sei dem Werk die Existenzgrundlage entzogen. Rund 350 Menschen verlieren damit ihren Arbeitsplatz. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet.

Die Entscheidung zur Schließung sei Beschäftigten und Betriebsrat am Morgen mitgeteilt worden. Man bemühe sich nun um "sozialverträgliche Lösungen" und auch darum, einzelne Mitarbeiter an anderen Standort zu übernehmen. Die Gespräche seien aber noch ganz am Anfang. Man habe zwar in den vergangenen Monaten neue Kunden gewinnen können. "Doch damit lässt sich die Produktion in Nördlingen nicht ansatzweise auslasten", sagte Unternehmenschef Michael Ostermann der "Wirtschaftswoche".

Dem Vernehmen nach will der Großkunde, der sich nun zurückzieht, seine Batterien der neuen Generation künftig aus China beziehen. Dass es sich bei dem Kunden laut "FAZ" und der "Augsburger Allgemeinen" um Apple handelt, wollte der Varta-Sprecher nicht kommentieren. Laut "FAZ", die sich auf das Umfeld von Varta bezieht, sei der Preis für die Entscheidung ausschlaggebend gewesen, "in der Qualität sei das schwäbische Unternehmen auf Augenhöhe und besser gewesen".

Aiwanger: Harter Schlag für Schwaben

Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (Freie Wähler) sprach von einem "harten Schlag" für Schwaben. Die Schließung sei "ein weiteres Alarmzeichen für den Industriestandort Deutschland". Nun bräuchten die Menschen, "die ihre Arbeitsplätze verlieren", schnellstmöglich eine neue Perspektive. Der Anstieg der Arbeitslosigkeit in Nördlingen sei zwar besorgniserregend, allerdings liege die Arbeitslosenquote im Landkreis Donau-Ries mit 2,5 Prozent weiterhin deutlich unter dem bayrischen Durchschnitt von 4,1 Prozent. Aiwanger zeigte sich zuversichtlich, dass für die betroffenen Beschäftigten sozialverträgliche Lösungen gefunden werden könnten.

Varta mit Sitz im schwäbischen Ellwangen war zuletzt in schwieriges Fahrwasser geraten. Um die Pleite zu verhindern, hatte das Unternehmen im Juli 2024 ein Sanierungsverfahren im Rahmen des Restrukturierungsgesetzes angemeldet. Dieses soll kriselnden Unternehmen ein Insolvenzverfahren ersparen. In diesem Zuge wurden auch die Altaktionäre aus dem Unternehmen gedrängt. Die monatelange Neuaufstellung des Batterieherstellers sei abgeschlossen, hatte Varta Anfang April vergangenen Jahres mitgeteilt.

2024 schrieb Varta erneut rote Zahlen. Allerdings fiel der Verlust mit einem Minus von 64,5 Millionen Euro im Vergleich zum Vorjahr deutlich geringer aus.